Coaching Blog, Life Coaching Laura Seiler Berlin

29 Sep Schwierige Lebenskrisen meistern und was wir von resilienten Menschen lernen können.

Ein immer wiederkehrendes Thema im Leben sind Krisen. Manchmal kommen sie ganz unerwartet. Schmerzvolle Erfahrungen, Verluste, Trennungen. Und obwohl wir sie vielleicht sogar noch kommen sehen, wirklich darauf vorbereiten kann man sich dann meistens doch nicht. Man kann sich nicht vor dem Schmerz schützen, der eintritt, wenn man einen geliebten Menschen verliert oder nach einer jahrelangen Beziehung plötzlich vor der Trennung steht. Wir sind alle schon mit Verlusten konfrontiert worden und jeder kennt den Moment, in dem man das Gefühl hat, in ein tiefes Loch zu fallen, aus dem es auch erstmal kein Entkommen zu geben scheint. Der Hals schnürt sich zu, man kann nicht atmen, man will vielleicht auch gar nicht atmen. Es fühlt sich an, als würde sich eine große Schwere über alles legen, die für immer bleibt.

Krisen sind tatsächlich eher ein Normalfall als eine Ausnahme, sie sind Teil des Lebens und wollen gestaltet werden. Der Ursprung des Wortes Krise stammt aus dem Grieschischen (“krisis”) und bedeutet Entscheidung oder Veränderung. Sich bewusst zu machen, dass eine Krise in erste Linie eine Veränderung ist, die trotz allem Schmerz immer noch selber gestaltet werden kann und ein Prozess mit unterschiedlichen Stufen ist, kann helfen das Erlebte rational und emotional besser zu verarbeiten. Studien zufolge verläuft eine Lebenskrise in sieben aufeinanderfolgende Phasen (siehe Grafik):

1. Stufe: Schock
Am Anfang einer Krise oder einer einschneidenden Veränderung steht der Schock z.B. in Folge des Verlusts, der Trennung oder der Kündigung. Hier hilft es vor allen Dingen sich mit Menschen zu umgeben, die einem Halt geben und die einen auffangen. Es gilt geduldig mit sich selbst zu sein und sich die Zeit zu geben den Schock zu verarbeiten.

2. Stufe: Verneinung
Kurze Zeit später folgt die Verneinung. Wir wollen nicht wahrhaben, was gerade passiert und wehren uns innerlich gegen die Veränderung. Gedanken wie „Das kann nicht wahr sein!“ „Das muss ein Irrtum sein!“ „Ich will aus diesem Albtraum aufwachen!“ sind in dieser Phase ganz normal.

3. Stufe: Rationale Einsicht
In der dritten Phase weicht dem Widerstand die rationale Einsicht. Man beginnt der Wahrheit ins Auge zu sehen und die Veränderung zu akzeptieren. Akzeptanz ist in einem Veränderungsprozess ein ganz entscheidender Schritt. Akzeptieren bedeutet nicht gut zu finden, was passiert ist oder es zu beschönigen. Es bedeutet, es zuzulassen. Es bedeutet sich nicht länger dagegen zu wehren und der Erfahrung zuzustimmen. Die Zustimmung ermöglicht einen neuen Standpunkt einnehmen zu können und Abstand zu gewinnen.

4. Stufe: Emotionale Akzeptanz
Diese Phase lässt uns durch einen emotionalen Prozess gehen, der einer inneren Reinigung gleichzusetzen ist. Auch wenn man diese Phase vielleicht am liebsten überspringen würde, da sie einen durch den Schmerz gehen lässt, hilft die emotionale Verarbeitung die Krise abzuschließen. Es ist ganz normal, wenn es einem in dieser Phase nicht gut geht, man viel Ruhe braucht und sich zurückziehen möchte. Emotional zu akzeptieren, dass man sich nach einem Schicksalsschlag einer neuen Realität stellen muss, ist ein wichtiger Schritt um wieder in die eigene Kraft zu finden. Auch wenn diese Phase sehr schmerzhaft sein kann und emotional anstrengend ist, ist es wichtig diese Phase nicht zu überspringen und sich Zeit zu nehmen das Erlebte zu verarbeiten.
Sich daran zu erinnern, wie man schon ähnlich schwierige Situationen gemeistert hat und was damals die Strategie gewesen ist, um wieder auf die Beine zu kommen, kann Wunder bewirken. Wir besitzen alle ein riesiges Spektrum an Stärken und Erfolgsstrategien, die hier aktiviert werden können und uns helfen, auch diese Phase zu meistern.

5. Stufe: Ausprobieren
Hat man es geschafft, den Tatsachen ins Auge zu sehen, sich emotional davon zu erholen und neue Kraft zu sammeln, ist es Zeit sich wieder auszuprobieren. Zu Beginn vielleicht erst in kleinen Schritten, aber was zählt, ist, überhaupt wieder loszugehen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

6. Stufe: Erkenntnis
Nach den ersten neuen Erfahrungen und mit zeitlichem Abstand gibt es Raum für Erkenntnisgewinn und für Reflektion. Wir sind bereit das Positive an der Krise zu erkennen und können uns fragen:
„Was habe ich aus der Krise gelernt?”
„Was habe ich über mich gelernt?“
„Welche neuen Stärken habe ich entwickelt?“
„Wofür war die Krise wichtig?“

7. Stufe: Integration
Die letzte Phase beinhaltet die Integration der gewonnenen Erkenntnisse und der neugewonnenen Stärken. Wir erkennen, dass jeder Schicksalsschlag, jede Krise und jeder Verlust – so schmerzlich er auch ist – einen Prozess in sich birgt, der uns die Möglichkeit gibt, gereift aus dem Erlebten hervorgehen.

Veränderungskurve Krisen meistern & Resilienz

Was können wir von resilienten Menschen lernen?

Es gibt Menschen, die sich schneller von Schicksalsschlägen und Krisen erholen. Sie besitzen eine Art starkes, emotionales Immunsystem oder eine Form der inneren Widerstandskraft, die es ihnen ermöglicht, schnell in ihre Kraft zurückzukehren und die Situation aktiv zu gestalten. Diese Eigenschaft nennt sich Resilienz und beschreibt die Fähigkeit sich schnell von erschütternden Erfahrungen zu erholen.

1. Schwierigen Erfahrungen zustimmen 
Umso schneller wir der Situation zustimmen und sie akzeptieren, umso schneller können wir das Ruder wieder in Hand nehmen. In dem Moment, in dem wir Verantwortung für unser eigenes Wohlbefinden übernehmen, nehmen wir auch unser eigenes Schicksal wieder in die Hand.

2. Eine positive Grundeinstellung einnehmen
Eine positive Einstellung dem Leben gegenüber zu haben, hilft schwierige Umstände aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Damit ist nicht gemeint sich Dinge schön zu reden. Eine positive Einstellung dem Leben gegenüber ist die Fähigkeit auch aus schwierigen Erfahrungen eine wertvolle Erfahrung zu machen und weiterhin eine optimistische Grundhaltung zu bewahren.

3. An die eigenen Fähigkeiten glauben.
Resiliente Menschen zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie auch in Krisen an ihre eignen Fähigkeiten glauben und ein starkes Selbstwertgefühl haben. Sie beziehen Misserfolge nicht auf sich sondern suchen nach neuen Lösungen und sehen die Krise als Herausforderung, die gemeistert werden will.

Wie gehst Du mit Krisen um? Was hast Du bisher für Erfahrungen mit Schicksalschlägen gemacht und wie hast Du sie gemeistert? Ich freue mich über Deine Kommentare und Deine Inspiration.

 

P.S.
Wenn du jemanden kennst, der gerade eine Krise durchlebt, dann leite ihm diesen Artikel weiter.

P.P.S
Wenn Dich das Thema Resilienz interessiert. findest du hier meinen Buchtipp. 

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