27 Mrz # 197 Podcast: Wie du deine größten Rückschläge positiv für dich nutzen kannst – Interview Special mit Lewis Howes

Warum es so wichtig ist, die eigene Wahrheit zu leben

** Das Interview ist auf Englisch. Die deutsche Übersetzung findest Du weiter unten oder auf YouTube als Untertitel. **

Ich hatte vor drei Wochen die große Freude Lewis Howes in seinem Podcast-Studio in LA zu treffen. Der ehemalige Profi Football Spieler hat mit „The School Of Greatness“ einer der bekanntesten amerikanischen Podcasts und ist mit seinem gleichnamigen Buch NewYork Time Bestselling Autor. Lewis erreicht mit seiner Arbeit weltweit tausende von Menschen und motiviert und begeistert sie für ihr eigenes Leben.

In dem Interview sprechen wir über Lewis Lebensweg und wie er seine größten Rückschläge im Leben für sich nutzen konnte.

Du erfährst in dieser Podcastfolge:

  • Warum unsere größten Herausforderungen im Leben, unsere größten Geschenke sind
  • Warum wir über unseren Schmerz und Ängste mit jemanden sprechen sollten
  • Was dir hilft deine eigene Vision zu formulieren
  • Wie dir Mentoren auf deinem Weg helfen können
  • Wie Männer in unserer heutigen Zeit gesehen werden
  • Wie Männer in ihre Kraft kommen und mehr Gefühle zeigen können
  • Wie Frauen Männer unterstützen können, ihre Masken fallen zu lassen

Deutsche Übersetzung anzeigen: Interview Special mit Lewis Howes

Laura
Ich bin so glücklich und dankbar heute Lewis Howes zu Gast im Podcast zu haben. Sogar in seinem eigenen Podcast Studio! Es ist eine Art Podcast Austausch heute. Vielen Dank für deine Zeit!

Lewis
Danke, dass du mich gefragt hast! Ich weiß das zu schätzen.

Laura
Danke dir! Lass uns direkt ins Interview eintauchen! Wie war dein Morgen? Wie geht es dir?

Lewis
Mein Morgen läuft gut. Es regnet. Was ich manchmal sehr mag. Denn in LA ist es immer sonnig! Du bist hier zwar gerade zu Besuch und willst wahrscheinlich keinen Regen, aber ich finde es schön. Es entspannt mich.

Laura
Hast du eine Morgenroutine mit der du deinen Tag beginnst?

Lewis
Das Ziel ist jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen zu trainieren. Ich versuche um 6:00 Uhr, manchmal um 5:30 Uhr aufzustehen. Als erstes trainiere ich. Dann komm ich zurück und meditiere. Dann mache ich mein Bett und bin bereit für den Tag. Wenn ich diese drei Sachen machen kann: Training, Meditation und mein Bett, ist es ein guter Tag!

Laura
Wie sieht deine Meditation aus?

Lewis
Sie ist ungefähr 15 Minuten lang. Vor einigen Jahren war ich in Indien an einem Ort namens One World Academy. Sie führten mich durch mehrere Prozesse innerhalb von zwei Wochen. Es gab auch eine 15-minütige Meditation in die ich mich wirklich verliebte. Im Grunde verbinde ich mich als erstes mit meinem Höheren Selbst. Mit dem Ort an dem ich der besten Version meines Selbst gegenüberstehe. Ich sehe die reinste, kraftvollste, mitfühlendste Person direkt vor mir. Und ich verbinde mich mit dieser Person.

Laura
Siehst du dich selbst vor dir?

Lewis
Ja. Ich sehe die perfekte Version meiner Selbst direkt vor mir. Sie starrt mich an und das macht mich traurig. Weil ich nicht diese Person bin.

Laura
Noch nicht.

Lewis
Noch nicht! Aber es hilft mir danach zu streben diese Person zu werden. Ich kann sehen wie dieser Mensch die Energie durch sein Gesicht ausstrahlt. Ich sehe seine Körperhaltung, wie er auftritt, ich sehe alles. Sein Lächeln ist so aufrichtig. Alles ist rein. Ich reflektiere sehr über die ideale Version meiner Selbst. Dann wird es ein wenig verrückt in meiner Meditation. Denn ich begebe mich auf eine Reise durch das Universum. Mein physischer Körper wird frei und durchquert das Universum. Ich fasse Planeten an, springe auf Sternen. Und finde so viel Frieden, wie ich nur finden kann. In der Galaxis. Und dann kehre ich zur Erde zurück. Es ist eine seltsame Erfahrung! Aber mir hilft es sehr dabei alles Mögliche zu reflektieren. Es hilft mir über die Mentalität der Fülle zu reflektieren. Wenn ich mit solchen 15 Minuten in den Tag starte, fühle ich mich wirklich kraftvoll.

Laura
Das kann ich mich vorstellen! Das ist der beste Weg, um in den Tag zu starten! Einfach auf den Sternen springen!

Lewis
Ich versuche meinen Geist an die Orte zu bringen, an die mein Körper nie gelangen wird. Und wenn mein Geist immer wieder an diese Orte reist, dann fühlt es sich an, als wäre diese Welt einfach.

Laura
Grenzenlos…

Lewis
Ja, einfach leichter… Es ist nicht mehr so schwierig und stressig, wenn der Geist bereits an anderen Orten war.

Laura
Und du bist viel mehr mit der Energie verbunden, als mit der Materie.

Lewis
Absolut!

Laura
Ja, das ist wunderschön. Du hast auch gesagt, dass es einfacher zum Manifestieren ist. Gibt es etwas, was du für deine Zukunft manifestierst? Was ist deine Vision für die nächsten, sagen wir mal, drei Jahre.

Lewis
Meine Vision und meine Mission waren immer 100 Millionen Menschen die Woche zu erreichen. Und ihnen zu helfen ein besseres Leben zu führen. Ich habe auch andere Projekte, an denen ich arbeite und die ich auch manifestiere. Die Intention ist immer, wie kann ich Projekte erschaffen, die der größeren Vision dienen. Und das sind 100 Millionen Menschen pro Woche. Das können Bücher, Events, Videos oder Podcasts sein. Das ist unwichtig. Das Wichtigste ist, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Um diesen Menschen zu helfen. Und das muss nicht nur ich sein. Das kann irgendwer anderes sein. Aber ich möchte ein Teil des Prozess sein.

Laura
Ich kenne deine Geschichte ein wenig, denn ich habe deinen Podcast auch gehört. Ist es bereits zehn Jahre her, seit sich dein Leben so sehr verändert hat?

Lewis
Vor fünf, sechs Jahren habe ich wirklich angefangen mich emotional zu transformieren.

Laura
Wann war also… Ich habe eine Folge von dir gehört, als du davon erzählt hast, dass du auf der Couch deiner Schwester lebtest.

Lewis
Ja, das war vor zehn Jahren.

Laura
Können wir für eine Sekunde zu diesem Moment zurückgehen? Wie hast du dich damals gefühlt? Wer warst du damals? Wer war Lewis?

Lewis
Ich war sehr davon angetrieben meinen Traum zu erreichen. Ich wollte Profi-Sportler werden. Ich habe professionell American Football in den USA gespielt. Dann wurde ich verletzt, in meiner Identität, in meinen Träumen, es passierte sehr schnell. Ich habe dann 1,5 Jahre lang auf der Couch meiner Schwester geschlafen. Ich habe damals viele Prozesse durchlebt, viel selbstreflektiert, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen soll. Warum passiert es mir? Warum muss ich diese Herausforderung durchleben? Ich habe kein Geld, ich bin pleite. Wie komme ich an Geld? Wird mich jemand lieben? Denn ich hatte dieses Talent nicht mehr. Ich kann meine Gabe der Öffentlichkeit nicht mehr präsentieren. Als Sportler… Wird mich irgendjemand lieben? Denn ich habe viel Liebe und Anerkennung daraus geschöpft. Ich habe ungefähr 1,5 Jahre lang reflektiert. Zu der Zeit hatte mein Vater einen schrecklichen Unfall. Er lag drei Wochen lang im Koma. Ich hatte ihn also nicht als Berater und Unterstützer an meiner Seite. Und so begann ich nach Mentoren zu suchen. Ich sagte, ok, wenn mein Vater nicht da ist, wenn ich keine Träume mehr habe, wen kann ich finden, um von ihm zu lernen? Das war der frühe Startpunkt der School of Greatness. Ich habe angefangen die erfolgreichsten Menschen zu interviewen… vor zehn Jahren. Um von ihnen zu lernen. Erfolgreiche Geschäftsführer, geistige Führer, andere Sportler, die nach dem Sport in die reale Welt übergingen. Ich fing an Fragen zu stellen. Ich hätte sie so gerne schon damals aufgenommen, weil sie so kraftvoll für mich waren. Diese Mentoren und ihre Lektionen, ihre Führung, haben mir geholfen von der Couch meiner Schwester hochzukommen, ein Unternehmen zu starten, es für eine siebenstellige Summe zu verkaufen, und daraufhin The School of Greatness, zu gründen. Diese Mentoren waren schon von Anfang an für mich da.

Laura
Wer von deinen Mentoren hat dich am meisten geprägt?

Lewis
Es gab drei Schlüsselmentoren. Sie haben mir in verschiedenen Phasen geholfen. Ein Mentor half mir dabei meine Angst vor Menschen zu sprechen und zu schreiben zu überwinden. Er trainierte mir monatlich das Sprechen vor dem Publikum an. Ich hatte damals nicht das Selbstvertrauen, um vor fünf Menschen zu sprechen. Er brachte es mir bei vor 5000 Menschen zu sprechen.

Laura
Wie hat er das gemacht?

Lewis
Ich musste lernen wie man… fühlt… Ich musste lernen wie man… die Scham empfindet… die Unsicherheit… das Versagen… Ich musste die Angst spüren, dass andere sich über mich lustig machen. Ich hatte sehr viel Angst davor, dass andere sich über mich lustig machen, mich verurteilen oder kritisieren könnten. Ich wollte es einfach nicht. Er sagte: „Du musst da durch! Du musst es akzeptieren, dass andere Menschen über dich lachen, dass sie dich verurteilen und kritisieren, dass sie über dich Witze machen, dass sie über dich hinter deinem Rücken sprechen.“ Das ist, glaube ich, das Schwierigste, dem ein Mensch sich stellen kann. Der Kritik, der Meinung und der Beurteilung durch andere Menschen. Und als ich lernte, dass ich noch am Leben bin. Dass wenn ich eine Rede vor 20 Menschen vermassele, ich trotzdem weiterlebe. Sie alle können über mich lachen, aber meine Vision ist größer als dieser Moment in dem 20 Personen über mich lachen. Oder darüber nachzudenken, was für ein schrecklicher Redner ich bin. Meine Vision ist 100 Millionen von Menschen pro Woche zu inspirieren. Wer soll ich werden, um dies zu erreichen? Was muss ich dafür überwinden? Ich habe realisiert, dass das eine Reise sein wird. Ich habe realisiert, dass dies ein halbes, ein Jahr oder vielleicht drei Jahre brauchen wird. Um ein besserer Redner werden zu können. Und dafür muss ich eine schreckliche Erfahrung nach der anderen durchleben, emotional… Wenn mein Ego angegriffen wird und Menschen über mich lachen. Ich wusste, dass es mindestens ein Jahr brauchen wird. Deshalb muss ich jede Woche vor Menschen treten und wenn sie sich lustig machen, dann ist es so. Aber am Ende des Jahres werde ich zu einer viel besseren Person. Er hat mich wirklich durch diesen Prozess geleitet. Und half mir mein erstes Buch zu schreiben. Vor zehn Jahren. Er war ein großer Mentor und ein Vorbild. Er hat viele Bücher geschrieben, er war ein toller Redner. Er war ein Beispiel, ein Modell dem ich folgte. Ich wollte nichts neu erschaffen, ich habe einfach jemanden gefunden, den ich mochte und der das bereits gut gemacht hat. Und ich fragte ihn nach dem Weg. Er war ein großer Mentor. Ich hatte auch einen anderen Mentor. Er war ein berühmter Erfinder. Ich habe ein Produkt entwickelt und ich sagte: „Ich brauche Hilfe!“ Ich weiß nicht, wie ich es auf den Markt bringe, wie ich es bewerbe, Ich weiß gar nichts. Und er hatte über 40 Produkte an den Markt gebracht. Von der Idee zur Herstellung, bis zum fertigen Produkt im Regal. Alles! Ich habe über ein Jahr lang für ihn gearbeitet, gratis. Ich habe einfach im Wandschrank in seiner Küche gearbeitet. Und hab alles getan, was er mir sagte. Und so habe ich erfahren was Markendesign, Marketing und PR bedeutet. Alles. Ich war auf Messen mit ihm und beobachtete wie er Geschäfte mit den großen Unternehmen abschließt. Er hat mir beigebracht, wie man zum spitzen Netzwerker wird, wie man Beziehungen aufbaut. Wie man zu einer Idee kommt und sie benennt, damit es in Erinnerung der Menschen bleibt. Er war sehr Kraft gebend auf meinem frühen Pfad des Erlernens des Business, der Vermarktung und sonst allem bis zur Herstellung des Produkts und dessen Verkauf, noch bevor ich irgendetwas erschaffen habe. Ich hatte noch einen anderen Mentor, der eine Art spiritueller Kompass für mich war. Er war ehemaliger Olympiasportler im Marathon in den USA. Wir waren als Sportler auf derselben Welle. Und er war erfolgreich als Unternehmer, er war ein toller Vater, toller Ehemann und ein großer Familienmensch. Er hatte die unglaublichste Moral und verfolgte die unglaublichsten Werte. Jedes Mal, wenn ich vor einer Herausforderung im Leben stand, rief ich ihn an, und er stellte mir einfach nur Fragen, er gab nie Antworten. Er bat mich nur die Fragen aufzuschreiben, um über die Werte zu reflektieren, die ich in meinem Leben haben möchte und wer ich sein will. Diese drei Mentoren waren mein wahrer Schlüssel.

Laura
Das ist wirklich sehr schön.

Lewis
Ja, das ist es.

Laura
Was würdest du sagen, jetzt und heute, was sind deine drei kraftvollsten Charakterzüge? Mit denen du all das erschaffen konntest, was du heute erschaffen hast?

Lewis
Die kraftvollsten Eigenschaften, die mir geholfen haben, alles aufzubauen, sind einerseits der Glaube. Ich glaube an mich und an meine Vision. Und zwar felsenfest. Sogar wenn ich unsicher bin oder denke, dass ich nicht kompetent genug bin, oder nicht talentiert genug, unerfahren, glaube ich immer noch daran, dass ich diese Erfahrungen machen kann, die nötige Arbeit reinstecken kann, um auf diesem Gebiet zum Meister zu werden. Ich glaube an mich und an meine Fähigkeiten, weil ich bereit bin alles zu tun, was nötig ist. Ich bin bereit für die höhere Vision, den höheren Zweck, alles zu opfern. Der Glaube wäre also Nummer eins. Nummer zwei ist meine Fähigkeit Menschen zu verstehen. Wenn ich jemanden treffe, spüre ich, dass ich mich mit ihren Herzen verbinden und sie verstehen kann. Sehr schnell. Ich verstehe sie, indem ich ihnen einige Fragen stelle und ihre Energie wahrnehme. Das kommt wahrscheinlich von der jahrelangen Einsamkeit. Ich bin sehr einsam aufgewachsen, ich hatte keine Freunde. Und ich beobachtete Menschen seit früher Kindheit. Ich stellte Menschen aus der ganzen Welt Fragen, und zwar schon immer. Als ich fünf war, hatten wir unseren ersten Austauschschüler aus Brasilien. Auch ein deutscher lebte sechs Monate lang bei uns. Menschen aus der ganzen Welt lebten bei uns. Weil man Vater gerne Austauschschüler für sechs Monate aufnahm. Während meiner gesamten Kindheit habe ich Menschen einfach beobachtet. In der Schule, an der Uni und jetzt. Jetzt beobachte ich Menschen beruflich. Ich glaube, dass der Schlüssel zum Erfolg Beziehungen sind. Deshalb habe ich gelernt diese Beziehungen aufzubauen. Das wäre die Nummer zwei. Die Nummer drei ist: Ich bin der Meister im Manifestieren. Meiner Meinung nach liegt der Schlüssel zur Manifestation in Neugierde und Passion. Je neugieriger ich über andere Menschen bin, was in ihnen vorgeht, desto leidenschaftlicher bin ich über meine Vision. Und desto mehr ziehe ich von dem an, was ich will. Das wären die drei Eigenschaften.

Laura
Ja, das ist sehr kraftvoll!

Lewis
Glaube, Beziehungen und Manifestation.

Laura
Das ist sehr cool! Du hast über deine Vision gesprochen. Du willst 100 Millionen Menschen pro Woche erreichen.

Lewis
Ja.

Laura
Machst du das aufgrund deiner eigenen Geschichte? Ist es, weil du als Kind viel alleine warst und deinen eigenen Weg finden musstest? Ich habe das Gefühl, dass deine Vision sehr sehr stark ist und wirklich von Herzen kommt. Was war der Auslöser in deiner Entwicklung?

Lewis
Ich habe sie vor ungefähr fünf Jahren entwickelt, weil ich eine klare Vision für mich wollte. Ich habe mich ständig gefragt, was ich genau tue. Ich habe auch andere Menschen immer über ihre Mission ausgefragt. Und die Antwort war: Die Welt verändern. Das war für mich zu ungenau. Also habe ich nach einer Mission gesucht, die mich inspiriert. Eine die zu groß erscheint, aber in der Realität erreichbar ist. Wenn ich die richtigen Schritte gehe. Wenn ich pro Woche 100 Millionen Menschen erreichen kann. Wer erreicht 100 Millionen Menschen jede Woche? Oprah erreicht sie nicht. Solche Menschen erreichen sie nicht auf einer wöchentlichen Basis. Sie haben zwar diese Reichweite, aber wöchentlich? Ich dachte mir also, dass das ein gutes Ziel für den Anfang wäre. Und sobald wir dies erreichen, können wir 500 Millionen oder eine Milliarde Menschen erreichen. Aber fangen wir mal mit 100 Millionen Menschen pro Woche an. Versuchen wir es zu messen. Und so können wir wirklich versuchen es zu manifestieren, auf eine kraftvollere Art und Weise. Nicht nur zu sagen, dass man die Welt verändern will, sondern das Ganze strategisch anzugehen. Wie viel Energie und Zeit soll ich in das jeweilige Medium investieren? Was ist das Wirksamste? Sind es Filme, Audios, Videos? Sind es Bücher? Welcher Mechanismus wird diese Vision unterstützen? Und sobald wir uns über die Zielrichtung unseres Traums bewusst werden, offenbart sich uns auch der Pfad. Der Pfad wird klar. Wenn wir ungenau sind, nach dem Motto: „Ich will die ganze Welt erreichen“. Wie geht man das an? Vielleicht ist es deine Vision das gesamte Deutschland zu erreichen. Du willst 80 Millionen Deutsche mit deinen Themen erreichen. Du willst, dass sie deinen Podcast hören, deine Bücher lesen, zu deinen Events kommen. Dies wäre ein konkretes Ziel. Danach muss dir klar sein, wie du diese Menschen erreichen kannst. Wo verbringen sie die meiste Zeit? Was bewegt sie? Was sind ihre Herausforderungen? Wie kannst du dich mit ihren Herzen verbinden? Vielleicht sollte ich dann nichts in Asien unternehmen. Es sollte vielleicht nur Deutschland sein. Und so wird dir bewusst, was du mit deiner Zeit machen wirst, und mit deiner Energie, um diesen Traum zu erfüllen. Was ist dein „warum“ hinter dieser Vision? Ich glaube, dass ich aus einem bestimmten Grund geboren bin. Und ich habe den Grund gewählt, die größtmögliche Wirkung auf Menschen zu haben. Ich habe einfach selbst beschlossen, dass das der Grund ist. Denn ich spüre diesen Ruf in meinem Herzen, es ist Etwas in mir seit ich fünf Jahre alt bin, das mich dazu anschubst, zu versuchen Menschen zu inspirieren. Ich habe mich schon immer sehr um Menschen gesorgt. Ich war schon immer sehr mitfühlend und empathisch. Ich habe so lange gekämpft, bis ich 18 Jahre alt war. Warum bin ich da? Warum bin ich da? Niemand mag mich. Ich habe keine Freunde. Ich musste mich in der Schule durchkämpfen. Es war sehr herausfordernd… dieses Schulsystem. Ich stellte Fragen. Am Anfang sagte ich immer nur, ich wünschte, ich wäre tot. Ich sagte es zu Erwachsenen, zum Direktor, zu meinen Lehrern. Ich wünschte, ich wäre tot. Aber ich denke, ich musste durch diesen Schmerz und Prozess gehen, um zu verstehen, warum ich hier bin. Ich habe schon immer gespürt, dass ich von einem höheren Zweck angezogen bin. Der Menschheit zu dienen. Das ist mein… Ich habe beschlossen, dass dies mein Zweck ist. Das ist der Grund warum ich da bin. Das spornt mich an, sehr hart zu arbeiten, trotz jeglicher Not und Herausforderung. Ohne diesen inneren Ruf stellen wir uns die falschen Fragen. Wenn wir Herausforderungen begegnen, fragen wir: „Warum ich?“. Das ist zum Kotzen. Das ist nicht meine Schuld. Wenn ich heute Herausforderungen gegenüberstehe, sage ich: „Ich bin so dankbar dafür!“. Vor einigen Monaten machte ich etwas durch. Eine Trennung. Und ich dachte mir nur: „Ich bin so dankbar für diesen Rückschlag.“ Weil es mich auf etwas viel Größeres in den nächsten Jahren vorbereitet. Ohne diese Erfahrung wäre ich in fünf Jahren nicht selbstsicher genug. Wenn jemand auf globaler Ebene mich anruft und sagt, der Krieg sei ausgebrochen, würde ich nicht selbstsicher und erfahren genug sein, um zu wissen, wie man in so einer schwierigen Situation reagiert. Ich weiß es also zu schätzen… Ich will keine täglichen Herausforderungen in meinem Leben, aber ich schätze sie, wenn sie da sind. Und ich bin dankbar und reflektiert. Wow, das passiert für mich. Das passiert, damit ich was lernen und mein Leben verbessern kann. Um meine Menschlichkeit und meine Bescheidenheit zu vertiefen. Mein Ego loszulassen. Was auch immer. Mein Leben zu reinigen. Die toxischen Menschen verbannen. Dies passiert aus einem Grund und dient meiner Mission. Ich fokussiere mich nur auf die Dankbarkeit für die Herausforderungen.

Laura
Das ist so kraftvoll! Ich glaube, dass dies die größte Veränderung ist, die wir erreichen können. Raus aus der Opferrolle bis hin zu diesem kraftvollen Höheren Selbst. Es ist mein Leben und ich bin hier aus einem Grund.

Lewis
Ja genau, einfach wählen, dass du hier aus einem Grund bist. Anstatt sich zu fragen, warum bin ich hier? Warum passiert es mir? Es ist nicht fair, warum geht es ihnen besser als mir? Wähle einfach eine andere Geschichte.

Laura
Ich glaube, dass du tatsächlich die erste Person bist, die das so klar ausgedruckt hatte. Ich glaube, dass ich das zum ersten Mal so klar von jemandem höre. Ich wähle es. Es ist meine Wahl. Als ich dir zugehört habe, hatte ich den Gedanken, dass viele Menschen sich fragen werden, ob sie überhaupt wählen dürfen. Darf ich meine Großartigkeit leben?

Lewis
Ich denke, dass die meisten von uns auserwählt sind etwas zu tun. Doch die meisten wissen nicht, wie sie die Wahl treffen sollen. Ich glaube, dass ich fünf war, als ich für diese Mission auserwählt wurde. Ich spürte, wie mich Etwas antrieb, es zu tun. Ich habe viel Stress, Schmerz und Angst durchlebt, und dies führte dazu, dass ich alles in Frage gestellt habe. Warum bin ich? Warum lebe ich in dieser kleinen Stadt? Warum streiten meine Eltern ständig und lassen sich scheiden? Warum sitzt mein Bruder im Gefängnis? Warum wurde ich sexuell missbraucht? Warum passiert mir das? Warum habe ich keine Freunde? Warum kann ich weder lesen noch schreiben? Warum bin ich so schlecht in der Schule? Ich habe diese Fragen gestellt, aber ich spürte auch, dass mich Etwas stets dazu getrieben hat, zu sagen: Das ist für einen größeren Zweck, es hat einen größeren Grund. Vertraue in den Prozess. Ich habe dem nicht zugehört, als ich jünger war, aber jetzt ergibt es alles einen Sinn. Und ich sage einfach, dass dies der Grund ist. Ich wurde für etwas Größeres bestimmt und ich glaube viele von uns… Wir alle wurden für etwas bestimmt, doch viele von uns haben Angst dieser Bestimmung nachzugehen. Ich habe einfach gesagt, dass ich dies zu meiner Wahl machen werde.

Laura
Ich verstehe dich. Wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Ich kann es zu 100% nachvollziehen. Dieses Bild, das ich heute habe. Ich hatte diese Stimme auch immer gehört, als ich ein Kind war. Aber ich wusste nicht, wo es her kam. Und heute, vielleicht weil ich mein zukünftiges Ich besuche, oder weil ich mich selbst in der Zukunft vorstelle, und zu ihr spreche. Und ich stelle mir immer vor, dass ich selbst mit meinem jungen Ich gesprochen habe. Das war sogar meine eigene Stimme.

Lewis
Wow! Das ist heftig.

Laura
Aber ich denke, dass das auch bei dir vielleicht so war. Dass du im Jetzt deine Stimme warst, die du als Kind gehört hast. Das ist so mächtig. Das ist etwas was ich heute tue, wenn ich mich verloren fühle, ich stelle mir vor, wie mein zukünftiges Ich, meine 80-jährige Laura, neben mir sitzt… und sagt: „Kopf hoch! Es ist alles gut!“ Das gibt mir so viel Kraft.

Lewis
Das stimmt, egal mit wem du sprichst, der in den 80ern ist, sie scheinen so zu tun, als wäre alles ok. Mach dir keine Sorgen um nichts. Alles wird gut. Stress dich nicht deswegen. Ich versuche auch Retrospektiven zu erzeugen. Jedes Mal wenn ich vor einer Herausforderung stehe, denke ich an das was in einem oder in drei Jahren passiert. Das alles wird keine Rolle mehr spielen. Es wird dir auf deinem größeren Weg dienen. Nur keine Hektik! Arbeite dich durch und lerne.

Laura
Ich möchte mit dir über ein anderes Thema sprechen, das sehr wichtig ist, und du hast auch vor kurzem ein Buch darüber geschrieben, „Die Masken der Männer“. Ich denke, dass dies ein sehr wichtiges Thema ist. Du hast es auch sehr schön beschrieben und den Männern die Chance gegeben, sich anders zu sehen, sich kraftvoll zu spüren, ohne ihre Masken. Meine Frage ist: Warum glaubst du tragen Männer diese Masken überhaupt?

Lewis
Um sich selbst zu schützen und sich anzupassen. Wir wollen akzeptiert und geliebt werden. Und wir wollen zu unseren Gleichaltrigen passen. Wenn wir als Jungs aufwachsen, ist es nicht ok jemanden zu lieben. Es ist nicht ok ab einem gewissen Alter jemanden zu umarmen. Weil man sich Beschimpfungen einholt. Es ist nicht ok vor anderen Jungs zu weinen, weil man dadurch schwach aussieht, schwach und unsicher. Und ich glaube, dass Jungs bis zu einem bestimmten Alter, dies alles tun. Sie weinen, sie umarmen ihre Freunde, sie sind mitfühlend, fürsorglich und sie geben viel. Und ab einem bestimmten Alter ist das nicht mehr cool. Es wird nicht akzeptiert. Und alles was wir wollen ist Akzeptanz und Liebe. Wenn wir nicht mehr dafür akzeptiert werden, mitfühlend, fürsorglich und zärtlich zu sein, dann denken wir nur daran, dass wir überleben müssen. Wir müssen uns der Schulgruppe oder unseren Freunden anpassen. Wir müssen überleben. Wir wollen akzeptiert und geliebt werden. Als was muss ich mich also verkleiden, um reinzupassen? Wie überlebe ich mit 12, 15, 18 oder 22? Wir sind leider einfach so konditioniert. Wir müssen umkonditionieren und das verlernen, was uns nichts nützt. Diese Masken, die wir tragen… Einige Männer setzen Humor als Maske auf. Sie wollen dazu passen, indem sie witzig sind. Andere wollen groß und stark sein, sie versuchen männliche dominante Sportler zu sein. Oder indem sie erfolgreich sind und viel Geld verdienen. Oder alle Frauen rumkriegen. Was auch immer das sein soll. Aber das ist nicht das wahre Selbst. Es ist nicht authentisch. Wir wurden nicht dafür geboren. Ich glaube, dass wir uns von uns selbst trennen, wenn wir die Maske ununterbrochen tragen. Diese Masken sind nichts Schlechtes. Wenn du lustig sein willst, dann sei es. Aber wenn du immer versuchst einen Witz zu machen, wenn z.B. Eltern von jemanden gestorben sind, oder wenn gerade etwas sehr Sensibles passiert, warum machst du das? Du koppelst dich von der Menschlichkeit ab. Es geht also um die Verbindung mit unserem wahren Selbst. Und die Masken fallen zu lassen. Und uns zu fragen, warum wir all dies machen? Warum verbringen wir unsere Zeit mit Menschen, die uns für etwas akzeptieren, was wir nicht sind. Anstatt die Menschen zu finden, die uns dafür akzeptieren, wer wir sind. Es macht Angst und es ist herausfordernd, weil wir so lange darauf konditioniert wurden. Es geht darum den Männern die Erlaubnis und die Werkzeuge zu geben, um zu verstehen, wie man das verarbeiten kann. Und auch Frauen beizubringen… denn viele Männer machen das, um von Frauen anerkannt zu werden. Solange die Frauen es akzeptieren, anerkennen und darauf achten, wenn sie ihre Masken tragen, wenn jemand viel Geld hat, ein großes Haus, ein protziges Auto, und dann kriegt er auch die Frau, dann denkt er, dass es funktioniert. Sie wollen mehr davon. Sie wollen mehr Geld. Damit noch mehr Frauen sie lieben und akzeptieren. Das heißt, es muss allen beigebracht werden. Zu uns zurückzukommen.

Laura
Was würdest du sagen, war deine Maske?

Lewis
Ich habe viele Masken getragen. Die Sportler-Maske war definitiv meine Maske. Meine Identität war an den Sieg geknüpft. Ich musste in Allem gewinnen. Nicht nur im Sport. Auch im Business, in Beziehungen, im Leben. Ich musste alles richtig machen und ich musste gewinnen, weil es mir ein Gefühl der Erfüllung gab, dass die Menschen mich dafür mögen und akzeptieren werden. Denn in der Schule war ich nie gut. Ich hatte sehr schlechte Noten. Niemand fragte mich nach einem Rat zu Hausaufgaben oder Tests. Niemals. Ich musste in etwas gut sein. Sport wurde zu meinem Ding. Ich war ein schrecklicher Verlierer. Wenn ich verlor, war meine gesamte Selbstschätzung angegriffen. Meine Identität war angegriffen. Und so wurde ich zu dem Typ, der alles tat, um zu gewinnen. Und es ist kein schönes Bild, wenn man es tut. Man fängt an Menschen zu verletzen, Dinge zu tun, auf die man nicht stolz ist. Das war für mich eine wichtige Reflexion. Das war… wow. Mein ganzes Leben dreht sich ums Gewinnen und gut zu sein.

Laura
Gab es einen bestimmten Moment, an dem es dir bewusst wurde oder war es ein Prozess?

Lewis
Vor fünf, sechs Jahren habe ich angefangen das zu verarbeiten. Ich hatte eine schwierige Zeit… Von außen sah alles super aus. Ich war erfolgreich, habe viel Geld verdient. Ich habe viel umgesetzt und war weltweit als Sprecher unterwegs. Alles sah gut aus. Aber im Inneren habe ich gelitten. Ich hatte keinen Frieden. Ich machte eine schlimme Trennung in meiner Beziehung durch, mein Unternehmen wurde aufgelöst. Ich bin während des Sports in Streitereien geraten. Und ich habe angefangen mich zu fragen, warum mach ich das? Warum? Warum bin ich die ganze Zeit so wütend und frustriert? Matt, den du gerade getroffen hast, er ist mein bester Freund und wir arbeiten zusammen. Wir haben auf der Straße Basketball gespielt und ich habe mich geprügelt, mit einem aus der Gegnermannschaft. Und das bei einem Spiel bei dem es um nichts ging. Es war ein Spiel zum Spaß. Ich wollte mich prügeln. Und nach dieser Prügelei… und die war wirklich heftig. Überall war Blut. Ich war nicht ich selbst. Etwas ist aus mir herausgekommen und ich wurde sehr wütend. Er schaute mich an und sagte: „Ich will mit dir nicht mehr abhängen. Ich weiß nicht wer diese Person ist. Du musst etwas verändern. Sonst bin ich weg.“ Und so fing es an, sich für mich zu spiegeln. Mein bester Freund will nicht mehr mit mir abhängen. Obwohl ich so erfolgreich bin und all so was, will er keine Zeit mehr mit mir verbringen. Ich habe also in mich hineingeschaut. Ich habe angefangen daran zu arbeiten, habe viel mit befreundeten Therapeuten gesprochen, ich habe mit der Meditation angefangen und habe Workshops zur emotionalen Intelligenz besucht. Ich wollte lernen, wie ich alles verlernen kann. Weil ich dachte, dass ich es bereits verstanden habe. Ich war erfolgreich, ich dachte, dass ich richtig bin. Ich wusste wie ich gewinne und erfolgreich werde. Aber in meiner inneren Welt wusste ich nicht wie. Ich ging zu vielen verschiedenen Workshops. Einer von diesen Workshops brachte mich dazu, mich allen meinen vergangenen Traumata zu öffnen. Ich habe vorher nie über den sexuellen Missbrauch gesprochen. Ich habe nie wirklich über meinen Vater oder meine Eltern gesprochen. Ich habe nie darüber gesprochen, was mir andere Kinder angetan haben. Ich habe es einfach verdrängt. Ich trug eine Maske, um mich zu beschützen. Und um zu projizieren, dass ich ok bin. Ich fing an mich dem allem zu öffnen. Und als ich es endlich geschafft habe, war es die größte Erleichterung meines Lebens. Es war Freiheit. Es war furchtbar, all dies mit anderen zu teilen. Aber es war gleichzeitig ein Gefühl von Freiheit und Frieden, das ich vorher nie erlebt habe. Und seit fünf, sechs Jahren teile ich immer mehr von mir. Ich habe ein Buch geschrieben, in dem ich es teile. Ich spreche darüber in meinem Podcast. Ich spreche immer mit meinen Freunden und meiner Familie darüber. Ich glaube, dass Männer generell, zumindest in Amerika, überhaupt nicht darüber sprechen, über ihre Traumata. Über etwas, was sie verletzt hat, in der Vergangenheit oder jetzt. Generell sprechen Männer nicht darüber, manche tun es, aber es gibt keinen sicheren Raum, um darüber zu sprechen. Die Statistik geht von fast 50% der Männer in Amerika aus, die keinen männlichen Freund haben, um intime Gespräche über ihre Herausforderungen zu führen. Sie können sich zwar oberflächlich darüber unterhalten, wie gestresst sie wegen ihrer Frau oder des Jobs sind. Aber sie können nicht wirklich über ihr Trauma und ihre Herausforderungen sprechen. In den Staaten und sonst überall habe ich das Gefühl, dass Frauen mehr sicheren Raum für solche Gespräche haben. Immer wenn ich in der Öffentlichkeit spreche, stelle ich den Frauen die Frage: Wie viele von euch sprechen einmal die Woche mit ihren Freundinnen über Beziehungsprobleme und Körperprobleme, Arbeit, Muttersein, Anpassung? Und sie alle sagen, dass sie es täglich tun. Sie gehen zusammen Mittagessen und sprechen. Sie telefonieren ständig. Und wenn ich Männer bitte die Hand zu heben, wenn sie einmal im Monat mit einem anderen Mann über ihre Herausforderungen sprechen. Melden sich vielleicht zwei Männer, die sich einmal im Monat als Männergruppe treffen. Wir müssen es planen, uns hinsetzen und wir müssen uns dazu zwingen. Stell dir vor, nie darüber sprechen zu können, was dich stresst oder ärgert. Niemals im Leben. Es ist wie in Flaschen abgefüllter Schmerz. Und es sind viele Männer. Sie verarbeiten ihren Schmerz nicht. Oder sie verarbeiten es durch Abhängigkeiten, Alkohol, Rauchen, Pornografie oder durch Geld. Was auch immer, aber immer diese Maske tragend. Sobald wir lernen, wie wir besser verarbeiten können, können wir uns besser fühlen.

Laura
Würdest du sagen, dass wenn man die gesamte Energie, die in einem aufgestaut wurde, auf einmal befreit, dass man danach sehr viel mehr Energie verspürt?

Lewis
Ich glaube, dass ich besser schlafe. Ich konnte früher nicht schlafen. Heute schlafe ich innerhalb von fünf, zehn Minuten ein. Früher brauchte ich ein bis zwei Stunden dafür. Jede Nacht lag ich da und konnte nicht einschlafen. Egal ob ich viel trainiert habe oder sonst was, ich habe einfach nachgedacht und war voller Sorge. Und jetzt leg ich mich hin und bin einfach nur dankbar. Ich bin in Frieden und ich kann einschlafen. Die Energie der Wut ist die zweitstärkste Energie der Welt, meiner Meinung nach. Denn wenn ich in Wut und Verbitterung lebe und den Menschen beweisen will, dass sie falsch liegen, würde ich Jahrzehnte lang alles tun. Ich würde die Kraft aufbringen unzählige Stunden zu arbeiten, so viel zu trainieren wie nur möglich. Weil die Wut in meinem Geist herrscht. Und ich will den Menschen nur beweisen, dass sie falsch liegen. Dies hat mich allerdings sehr verletzt, emotional und physisch. Es war sehr verletzend. Und ich konnte nicht klar denken. Ich habe einfach meinen Körper geopfert, ohne Rücksicht. Um zu beweisen, dass andere falsch lagen. Der zweitstärkste Treibstoff, der mir bei der Leistung half, hat mich im Innern leer gelassen. Und in den letzten fünf, sechs Jahren, habe ich diese Veränderung durchgemacht, und ich spüre den Frieden und ich spüre eine andere Art von Energie. Eine spirituelle Energie. Aber es ist mir so fremd, denn in den letzten 30 Jahren habe ich es nie gehabt. Ich musste lernen, wie man es steuert und wie man es richtig anwendet. Aber ich glaube daran, dass es die nachhaltigste Energie ist, die es gibt.

Laura
Würdest du sagen, dass die Männer ihre Masken ablegen können, indem sie das erkennen, was sie verletzt und darüber sprechen?

Lewis
Ja, ich glaube sie sollten alles aufschreiben, was sie durchmachen müssen. Man muss niemandem zeigen, was man aufgeschrieben hat. Schreib es einfach auf, lass es raus und schmeiß es weg oder verbrenne es. Aber schreib alles aus deiner Vergangenheit auf, das dich verletzt hat, sogar die kleinsten und dümmsten Sachen. Tommy hat in der zweiten Klasse dies und das zu mir gesagt, und ich weiß es immer noch. Ich schreibe es auf. Dieses Mädchen hat mich abgewiesen, als ich acht war. Ich wollte sie umarmen und sie hat mich weggeschubst. Ich wollte ihr eine Valentinskarte überreichen, aber sie wies mich zurück. Was auch immer, alles was dein kindliches Ich verletzt haben könnte. Schreib all diese Dinge auf. Denn so lange du dich daran erinnerst, an jede Beziehung, die durch durchgemacht hast, an deine Eltern, deine Mitschüler, deine Freunde, die Schule, schreib all dies auf, was dich verletzt hat. Schau es an und sag, dass es dich verletzt hat, und dass du es anerkennst. Der nächste Schritt wäre mit jemandem darüber zu sprechen. Vielleicht mit einem Therapeuten oder mit jemandem, dem du vertraust. Wenn du keinen Freund hast, kannst du vielleicht mit einem Familienmitglied sprechen. Sprich mit jemandem darüber. Die Kraft der Kommunikation, die Kraft darüber sprechen zu können, wird dich befreien. Die Anerkennung ist der erste Schritt, aber es mit einem anderen zu teilen, wird dich befreien. Der Grund, warum es in der Kirche die Beichte gibt, ich habe es nie in der Kirche gemacht, aber es entsteht eine Kraft, wenn man seinen Schmerz, sein Trauma und seine Unsicherheit teilt. Sobald man es teilt, hat es keine Kontrolle mehr über dich. Es hat keine Macht mehr über dich. Denn wenn wir es dem anderen nicht erzählen können, wenn wir nicht in der Lage sind etwas einem anderen zu erzählen, was uns Angst macht, dann hat es eine Macht über uns. Es kontrolliert uns. Wenn ich dir alles erzähle, was ich durchleben musste, all das was mir Angst und Scham bereitet, was mich unsicher macht, wenn ich es aussprechen kann, ohne dass meine Lippen zittern, ohne dass ich verspanne, in diesem Moment bin ich frei. Wenn ich dir erzählen kann, dass dies und jenes passierte, und es mir genauso leicht fällt, wie Kaffee kochen, mit dem gleichen Gefühl… Ich sage nicht, dass das was passiert ist, gut ist. Ich sage nicht, dass sexueller Missbrauch und Traumata ok sind. Ich will nicht, dass es jemandem widerfährt. Aber wenn ich die wahre Macht erleben will, will ich nicht, dass diese Dinge mich kontrollieren. Ich brauche jemanden, mit dem ich darüber frei reden kann. Ohne mich unsicher zu fühlen.

Laura
Das ist so schön! Danke dir! Ich stimme dir komplett zu. Ich glaube, dass wir unseren Geschichten die Macht geben, uns zu kontrollieren. So kann man das Leben nicht leben, für das man hier ist.

Lewis
Wenn man immer unsicher und ängstlich ist, aufgrund von vergangenen Traumata, oder durchlebten Herausforderungen, wenn wir etwas nicht machen wollen, weil uns etwas vor 20 Jahren passiert ist, wenn wir nicht hinausgehen, weil wir Angst vorm Scheitern haben, dann kommen wir nie in unsere ganze Kraft. Dieses ständige Leben in der Vergangenheit… Das Leben in Angst. Wir können nicht fließen, wenn wir in Angst leben.

Laura
Wenn heute der Tag wäre, an dem du… bald veröffentlichst du deinen eigenen Dokumentarfilm „Die Jagd nach Großartigkeit“. Ich stelle mir vor, dass du die Idee zu diesem Dokumentarfilm hast, passiert es dir immer noch, dass diese Stimme aufkommt und sagt: „Lewis, was machst du nur? Wer bist du um einen Dokumentarfilm zu drehen?“

Lewis
Ja, vor zwei Jahren hatte ich diese Vision. Ich entschied mich dazu eine Doku zu drehen. Ich habe vorher nie einen Film gedreht. Ich hatte keine Ahnung, was ich mache. Aber ich habe es mein Leben lang gemacht. Ich wusste nicht, wie ich ein Unternehmen gründe, ich wusste nicht, wie man Bücher schreibt oder einen Podcast macht. Ich wusste nichts von all dem. Ich wusste nicht, wie man einen Football fängt, und ich wurde zum Profi-Footballspieler. Ganz früher wusste ich nicht, wie man läuft, wie man spricht. All dies haben wir mit den Jahren gelernt, aber zuerst konnten wir nichts davon. Ich habe mich einfach immer daran erinnert, dass mich etwas nach vorne treibt, was mir Angst machen sollte. Wenn ich keine Angst habe, dann tue ich vermutlich nicht das Richtige. Die Doku machte mir Angst, der Podcast machte mir Angst, denn es gab nicht wirklich jemanden, der das vor sechs Jahren getan hat. Das war noch eine Zeit vor Podcasts, sogar in den Staaten. Ich hatte überhaupt keine Radio-Erfahrung. Ich habe es nie gelernt. Wer bin ich, um das zu tun? Wer bin ich, um einen Film zu drehen? Um einen New York Times Bestseller zu schreiben? Ich bin doch fast von der Schule geflogen. Aber ich habe einfach immer zu mir gesagt, dass es einen Grund gibt, warum ich hier bin. Ich habe eine Mission und ich werde es nicht zulassen, dass meine Ängste meiner Mission im Weg stehen. Ich denke auch über mich nach, in 10, 20, 40, 50 Jahren. Was wird mich stolz machen? Den Dingen nachgehen, die mir Angst machen, und es trotzdem machen, auch wenn ich scheitere, das ist egal, aber trotzdem habe ich es versucht. Ich will nicht mit 80, 90 oder 100 Jahren sagen, dass ich so ein Feigling war. Du hättest so viele unglaubliche Dinge tun können, aber du warst einfach ein Feigling. Du hast dich von deinem vergangenen Schmerz zurückhalten lassen. Du hast dich von deiner Angst und deiner Unsicherheit kontrollieren lassen. Sieh zu, dass du das zeigst, was du kannst. Jetzt. Herzlichen Glückwunsch! Ich will nicht dieser alte Mann sein. Ich will mich nicht dafür schämen, wer ich war. Es ist mir egal, ob ich scheitere. Zumindest habe ich es versucht.

Laura
Das ist gut!

Lewis
Ja!

Laura
Wofür bist du jetzt am dankbarsten?

Lewis
Ich bin dankbar für die Liebe. Denn ich glaube, dass wir alle nach Liebe suchen. Und ich habe es jahrelang nicht gespürt. Ich fühlte eine ständige Blockade. Und jetzt spüre ich, dass ich mehr Liebe habe als jemals zuvor. Ich bin so dankbar dafür, dass ich die Liebe in meinem Herzen spüren kann. Weil es mir Frieden verleiht. Und das ist was ich immer wollte, den inneren Frieden.

Laura
Letzte Frage: Welches Buch hat dich inspiriert?

Lewis
Der Alchimist. Ich habe es auf der Couch meiner Schwester gelesen. Als ich wieder zu Kräften kam, als ich diese Veränderung durchmachte, als ich versuchte herauszufinden, was ich mit dem Rest des Lebens anstellen werde. Wie soll ich Geld verdienen? Wie komm ich von der Couch meiner Schwester hoch? Meine damalige Freundin hat mir das Buch gegeben. Ich habe zuvor nie davon gehört. Auch nicht von Paulo Coelho. Ich habe das Buch gelesen und es ergab alles einen Sinn. Es gab mir ein Gefühl des Friedens und den Sinn für meine nächsten Schritte. Und es erinnerte mich daran, dass alles was ich brauche, bereits in mir ist. Ich muss es nur anzapfen. Es war ein mächtiges Buch.

Laura
Danke dir! Ich danke dir so sehr für dieses wundervolle Gespräch. Am Ende deines Podcasts würdigst du deine Gäste immer. Danke, dass du so ein wunderschöner Mensch bist, dafür, dass du deiner Vision folgst, und auch dafür, dass du mich dazu inspiriert hast, vor drei Jahren einen Podcast zu starten, der jetzt so viele Menschen in Deutschland inspiriert. Ich helfe dir tatsächlich deine Vision zu leben, so viele Menschen zu erreichen! Ich hoffe, dass du immer gesegnet sein wirst und dein Ding durchziehst. Ich danke dir so sehr für deine Zeit.

Lewis
Danke dir! Ich schätze es sehr.

*Übersetzung und Untertitel von Veronika Malaja*


Ich wünsche dir viel Freude mit dem Interview und freue mich wie immer auf deine Gedanken auf Instagram: @lauramalinaseiler

Buchtipps und Links:
The School Of Greatness – Hier bestellen: https://amzn.to/2U6ZxAm
Die Masken der Männer: Warum Männer in Rollenklischees gefangen sind und wie sie daraus ausbrechen können Hier bestellen: https://amzn.to/2CDuCBE

Alle Infos zu Lewis Howes findest du hier:
Website: https://lewishowes.com/
Instagram: https://www.instagram.com/lewishowes/?hl=de

Rock on & Namasté
Laura Seiler Unterschrift

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8 Kommentare
  • Cornelia
    Posted at 13:25h, 02 April Antworten

    Jeder Mensch hat seine Geschichte und seine Herausforderungen. Die große Kunst ist es, den Sinn daraus zu erkennen und den eigenen Weg zu gehen. Großartiges Interview!Danke!

    • Janine TeamLiebe
      Posted at 17:17h, 02 April Antworten

      Sehr kraftvolle Worte liebe Cornelia und eine tolle Erkenntnis =)

  • Silke Eltges
    Posted at 09:34h, 29 März Antworten

    Wow. Ich bin geflasht. Was für eine großartiger Mensch Lewis ist. Seine Entwicklung und sich seinen Herausforderungen zu stellen.. Er hat es sehr klar ausgedrückt wie es ist. Wie stark er ist Deinen Weg gestartet ist und weiter geht. Auch sich Hilfe/Unterstützung zu holen, spricht für seine Stärke.
    Danke liebe Laura für dieses wunderbare Interview.

    • Tabea TeamLiebe
      Posted at 11:13h, 29 März Antworten

      Hallo liebe Silke,

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Es freut uns sehr, dass dir die Podcastfolge so gut gefallen hat. <3

      Alles Liebe
      Tabea

  • Eva Unterwegs
    Posted at 11:30h, 28 März Antworten

    Oh mein Gott, das ist so inspirierend und berührend! Danke, danke, danke!

    • Tabea TeamLiebe
      Posted at 11:11h, 29 März Antworten

      Danke für deinen wundervollen Kommentar, liebe Eva. <3

  • Ursi
    Posted at 12:07h, 27 März Antworten

    Danke, danke, danke für deine Arbeit und dein Sein!
    Schöne Ferien weiterhin mit deiner kleinen Familie!

    • Tabea TeamLiebe
      Posted at 12:55h, 27 März Antworten

      Danke für deine lieben Worte! Habe noch einen wundervollen Tag! <3 <3 <3

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