#452

„Du kannst andere Menschen nicht glücklich machen.”

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Hast du Angst davor, verurteilt zu werden?

Kannst du dich an einen Moment erinnern, in dem du jemandem deine Wahrheit gesagt hast?

 

Dein Herz rast, in dir gehen alle Alarmglocken an und du denkst dir: „Ich kann das AUF GAR KEINEN FALL sagen.”

 

Warum ist das so? Warum haben wir eine solche Angst davor, verurteilt zu werden? Und wie können wir für uns selbst einstehen, um ein freies, authentisches und erfülltes Leben zu leben?

 

Die Antworten auf diese Fragen erfährst du in meiner neuen Podcastfolge.

 

Ich habe die wundervolle Elizabeth Gilbert zum zweiten Mal zu Besuch im Podcast! 

 

Liz ist unter anderem die Autorin des Buches Eat, Pray, Love und einer meiner persönlichen Vorbilder. 

 

Wir sprechen über Liz individuelle Heilungsreise, wie sie ihre Integrität lebt und warum vor allem Frauen den tiefen Wunsch haben, gut sein zu wollen. 

 

Ich bin unendlich dankbar Liz Input mit dir teilen zu können und wünsche dir ganz viel Spaß beim Anhören!

Im Gespräch mit Elizabeth Gilbert erfährst du, …

  • was du loslassen musst, um wirklich frei zu sein,
  • wie du den Mut findest, deine authentische Wahrheit zu leben,
  • warum Ehrlichkeit für deine emotionale Gesundheit so wichtig ist,
  • wie du gesunde Grenzen in Beziehungen setzt,
  • wie du die Angst vor Verurteilung und vor dem Verlassenwerden überwindest und
  • wie du deinen persönlichen Gott findest.

LAURA: Zuerst einmal danke, dass du dir die Zeit nimmst. Ich fühle, also mein Herz… Ich weiß nicht, was es mit dir ist. Ich habe es dir beim letzten Mal erzählt. Ich spüre diese wirklich komische Herz-Verbindung zu dir. Immer, wenn ich an dich denke, beruhigt das mein Herz so sehr. Ich liebe dich einfach. Ich weiß nicht, was es ist, aber so fühle ich mich einfach. Also dachte ich: Ja! Wir können eine weitere Stunde reden. 

 

ELIZABETH GILBERT: Ich liebe dich auch.

 

LAURA: Das ist also wirklich… Ich schätze dich so sehr dafür, wer du bist und wie du dich durch die Welt bewegst. Und es gibt zwei Dinge, die du bei unserem letzten Gespräch erwähntest. Die eine Sache, die du sagtest, war, dass wir öfter sagen sollten: Das funktioniert für mich nicht. Erinnerst du dich daran? Und es war auch der Fall, dass meine Community sehr stark darauf angesprungen ist. Denn ich glaube, dass wir als Frauen so darauf konditioniert sind, uns nicht zu erlauben zu sagen: Moment mal, das funktioniert für mich einfach nicht. Wir fühlen uns immer so, als müssten wir es allen recht machen, außer uns selbst. Und heute, als ich über deine Arbeit nachdachte, dachte ich, und das kann auch die erste Frage sein, dass ich das Gefühl habe: Wenn es etwas gäbe… Im Deutschen haben wir den Ausdruck „Ein roter Faden“. Die Sache, die alles verbindet. Ich weiß gar nicht, was das englische Wort dafür ist. Aber etwas, das sich durch alles zieht, was man tut. Ich habe das Gefühl, dass es die Ermächtigung der Frauen ist, auf der Ebene der Seele. Dass man zur Seele der Frau spricht, auf ihrer wahren und tiefen Ebene, was uns erlaubt, uns selbst zu spüren und uns mit unserer Wahrheit zu verbinden. Ist das etwas, dass du auch in deiner Arbeit spürst? Dass es diesen tieferliegenden Wunsch gibt, Frauen dabei zu helfen, quasi zu erwachen. Ich weiß nicht, ob es das richtige Wort dafür ist, aber so fühle ich mich, wenn ich an deine Arbeit denke.

 

ELIZABETH GILBERT: Das freut mich sehr, dass du dich so fühlst, wenn du an meine Arbeit denkst. Ich glaube nicht, dass du falschliegst. Ich denke… Meine Güte. Wenn ich daran denke, wie eine andere Frau von veralteten Vorstellungen darüber, was wir in unserem Leben machen sollen, unterdrückt, eingeschränkt und kontrolliert wird, fühle ich mich wie ein Hund, der zusieht, wie ein anderer Hund misshandelt wird. Ich fühle es in meinem Körper, wenn ich Frauen zusehe, wie sie tun, was unzählige Generationen von Frauen in meiner Familie getan haben. Also einfach zu dienen. 

 

Aber nicht mit einem warmen, offenen, sanften Herzen, nicht mit Dankbarkeit, sondern mit Schmerz und Verachtung und Märtyrertum und Erschöpfung und Enttäuschung. Sie passten sich den Familiensystemen und den kulturellen Normen an, die sie als bloße Werkzeuge betrachten, um andere aufzubauen, ihnen zu dienen und sie zu beschützen. Wenn ich Frauen sehe, die in so etwas gefangen sind, Familien dienen, die ihnen nicht dienen, Beziehungen dienen, die ihnen nicht dienen, einer Kultur, die ihnen nicht dient, immer und immer gebend, bis sie leer sind. Das verursacht Schmerzen in meinem Herz. Das verursacht so viele Schmerzen in meinem Herz. Und ich glaube, dass… 

Ich werde immer irgendwann auf spiritueller Ebene landen, und ich weiß, dass ich es mit dir kann. Mir wurde Freiheit versprochen. Gott hat mir in diesem Leben Freiheit versprochen. Aber ich muss sie mir holen. 

 

Ich muss sie mir holen und was mir gesagt wurde von meinen Geistführern, ist: Freiheit ist verfügbar, du kannst sie haben. Aber du musst alles andere ins Feuer werfen und gehen. Alles andere muss ins Feuer geworfen werden. Alles, was dir gelehrt wurde, wie du angepasst wurdest, was eine Person angeblich gut werden lässt, muss ins Feuer geworfen werden. All deine existierenden Ideen darüber, was Gott ist, was Spiritualität ist, müssen ins Feuer geworfen werden. Loyalität gegenüber der Familie muss ins Feuer geworfen werden. Kulturelle Gehorsamkeit muss ins Feuer geworfen werden. 

 

Es ist lustig, denn letztens wurde mir gesagt: Dein Verlangen danach, attraktiv zu sein, muss ins Feuer geworfen werden. Dieses Verlangen, sich auf bestimmte Weise zu präsentieren und so auszusehen, als würde es einen interessieren, wie viele Falten in meinem Gesicht sind. Man sieht offensichtlich, dass ich mir meinen Kopf rasiert habe. Sich als schön präsentieren zu wollen muss ins Feuer geworfen werden. Es ist an der Zeit. Eins nach dem anderen. Ehe muss ins Feuer geworfen werden. Dieses Verlangen, der Traum, dass jemand mich retten wird. Der Traum eines Seelenverwandten muss ins Feuer geworfen werden. Der Traum, Bestätigung zu erfahren. Zu lernen, wie man von anderen Anerkennung erhält, muss ins Feuer geworfen werden. 

 

Ich höre Gott oft sagen: Versuch nicht, ins Feuer zu greifen und es wieder herauszunehmen. Wirf es ins Feuer und geh auf mich zu. Dann erlangst du Freiheit. Ich fühlte mich nie freier als ich es jetzt tue. Aber ich weiß auch, dass ich gerade erst anfange. Denn es gibt immer noch einige Dinge, die ich hinter meinem Rücken halte und noch nicht ins Feuer werfen will. 

 

LAURA: Was zum Beispiel? 



ELIZABETH GILBERT: Ach, meine Güte. Ah, ich habe etwas. Meine Urteile. Meine Urteile und Meinungen. Meine verdammten Meinungen. Ich schätze sie so sehr, sie sind so wertvoll für mich. Ich sage zu Gott: Ich gebe dir Ehe, ich gebe dir das Patriarchat, ich gebe… Aber lass mir meine Meinungen! Ich kann doch meine Meinungen behalten, meine tollen, verdammten Meinungen. Und Gott sagt: Du kannst sie behalten, solange du weiterhin leiden willst. Wenn du weiterhin leiden willst, behalte sie, sie gehören dir. Behalte sie, solange du willst. Aber wenn du bereit bist, nicht länger zu leiden, wirf sie ins Feuer und sieh, was ohne sie mit deinem Leben geschieht. 

 

Das ist für mich also der nächste Schritt. Ich sehe, wie mein Nervensystem hoch und herunter geht, aktiviert wird und verkrampft, während ich Dinge in der Welt sehe und Meinungen darüber entwickle. Ich beobachte, wie ich leide, wie mein Adrenalin ansteigt, mein Cortisol. Ich sehe mich als Heldin, die alles retten und verändern muss, und Gott sagt: Wenn du mit all dem fertig bist, wenn du auf deiner Reise deinen Spaß hattest und Frieden willst, warum wirfst du diese Meinungen nicht ins Feuer? Das, was mir oft hilft, etwas aufzugeben, mich hinzugeben, ist, wie ich Gott höre, der zu mir sagt: Du weißt gar nicht, was du dir ansiehst. Liebes, du weißt gar nicht, was du dir ansiehst. Was du Realität nennst, ist nichts anderes als eine Projektion deiner selbst in der Welt. Und ob das wahr ist, weißt du auch nicht. Also hör einfach auf. Willst du frei sein oder willst du recht haben? 9 von 10 Malen will ich recht haben.  

 

LAURA: Das ist so wahr. Ja, du bist ein Mensch, ich glaube, so funktionieren wir einfach. Es ist so wichtig für uns.

 

ELIZABETH GILBERT: Aber in letzter Zeit wäre ich glaube ich tatsächlich lieber frei. 

 

LAURA: Zwei Fragen dazu. Die erste Frage ist: Was glaubst du, warum ist es uns Frauen, so wichtig gut zu sein? Ich glaube, es ist eher bei Frauen so als bei Männern. Ich kann das wirklich spüren. Es jagt mir total Angst ein, dass jemand von mir denken könnte, dass ich ein schlechter Mensch sei. Es ist wie…

 

ELIZABETH GILBERT: Oh, meine größte Angst. Das ist meine größte Angst. 

 

LAURA: Warum ist das so? Es ist, wie du sagtest: Ich kann mich auf die Metaebene begeben und mich beobachten, wie ich die Angst spüre, dass jemand denken könnte, dass ich ein schlechter Mensch sei. Trotzdem kann ich diese Angst nicht loswerden. Liegt es an den Tausenden von Jahren, in denen uns als Frauen gelehrt wurde, dass wir verbrannt werden oder so etwas, wenn wir nicht „gut“ sind? Oder was ist es? Das ist so seltsam, oder? Unsere Anhaftung daran, gut zu sein. Fühlt es sich nicht so an, als würdest du sterben, wenn du nicht gut wärst?  In deinem Körper? Für mich ist es so. 

 

ELIZABETH GILBERT:  Ja. Ja. Deshalb ist das meine größte Angst. Ich habe bemerkt, dass ich nur drei Ängste habe. Wenn man es wirklich aufschlüsselt, habe ich nur drei Ängste. Sie kommen immer und immer wieder in verschiedener Form hoch. Sie präsentieren sich anders, aber es sind immer die drei gleichen. Wenn ich Angst verspüre, denke ich: Welche von denen ist das? Die erste Angst ist, dass ich verlassen werde. Die kommt nicht mehr so oft auf, weil ich seit 5 Jahren Single und abstinent bin. Und dieser tiefe Frieden… Sie kommt einfach nicht mehr so oft auf. Ich verstehe auch mittlerweile, dass ich gar nicht verlassen werden kann. Ich kann nur mich selbst verlassen. Leute können kommen und gehen. Aber ich habe mich für eine lange Zeit nicht selbst verlassen. Diese Angst ist also nicht so aktiv, aber immer noch da. Sie ist noch da. 

 

Die zweite ist, dass ich gefangen bin, mit jemandem oder mehreren Leuten, die verrückt und gefährlich sind. Dass ich mit Leuten gefangen bin, die verrückt und gefährlich sind. Das ist eine große Angst für mich. Und das geht bis in meine Kindheit zurück. Wow, ich bin in einem Raum mit einer Person gefangen, die verrückt und unvorhersehbar ist und ich muss herausfinden, wie ich sie beruhige, damit sie mich nicht verletzt. Ich muss herausfinden, wie ich mit ihr umgehe. Immer, wenn ich also in der Situation bin, dass sich jemand so verhält, was ich als verrückt bezeichnen würde, oder als gefährlich, herausfordernd, eifersüchtig, dann alarmiert mich das, weil ich denke: Oh Gott, ich werde mit dieser Person gefangen sein. Daran muss ich arbeiten, indem ich mich daran erinnere, dass ich erwachsen bin, dass ich einen Führerschein habe, ein Bankkonto, ein Auto. Ich bin nie gefangen. Ich kann jede Situation zu jedem Zeitpunkt verlassen. Ich kann bei jedem Anruf jederzeit auflegen. Ich kann von jedem Tisch jederzeit aufstehen und gehen. Ich kann mein Land jederzeit verlassen. Wenn mein Land sich verrückt anfühlt, und das tut es, kann ich es verlassen. Ich kann gehen. Ich kann in ein anderes Zimmer gehen, in einen anderen Teil der Welt. Ich kann gehen, ich habe die Handlungsmacht. Und das ist etwas, was viele meiner Vorfahren nicht hatten. 

 

Die dritte Angst ist, dass ich im Grunde schlecht bin, schlecht und falsch, dass ich kein guter Mensch bin. Und diese Angst ist die stärkste. Davor habe ich mehr Angst als vor dem Tod. Ich habe Angst davor, dass ich nicht gut bin oder dass jemand denkt, ich sei nicht gut oder dass ich etwas falsch gemacht hätte. Davor habe ich wirklich mehr Angst als vor dem Tod. Um also deine Frage zu beantworten, warum es da ist und warum es so tief sitzt: Ich glaube, weil… Das trifft vermutlich auf meine Vorfahren und Tausende Generationen von Frauen zu. 

 

Als Kind glaubte ich, dass ich, wenn ich nicht gut war, im Sinne der Definition, die meine Eltern für „gut“ hatten, vor allem meine Mutter, dass ich dann weggeworfen werden würde, eliminiert werden würde. Ich glaube, als Kind hätte ich das nicht ausdrücken können, aber ich glaube, dass ich dachte, man würde mich töten, dass ich sterben würde, dass es so wichtig war. Dass ich, wenn ich sie auf irgendeine Weise enttäuschte oder etwas tat, das ein schlechtes Licht auf meine Familie warf, ausgestoßen und getötet werden würde. Ich denke daran, wie es in vielen Kulturen diese Sache der Ehrenmorde gibt. Wo deine Brüder und Onkel dich buchstäblich umbringen werden, wenn du als Frau irgendetwas tust, was die Familie entehrt. 

 

Diese Idee, dass das Gesetz einer Familie zu würdigen, wichtiger ist als alles andere auf der Welt, ist so stark. Davon muss ich immer noch wegkommen, ich bin immer noch dabei, diesem System zu entkommen. Das ist nicht einfach. Es ist wirklich kraftvoll, es ist wirklich stark. Aber die Botschaft, die ich mittlerweile von meinem Gott erhalte, ist: Tun zu müssen, was du tun musstest, um die Familie zufriedenzustellen und zufrieden mit dir zu sein, war für dich als Kind kein sicheres Umfeld und das ist es auch jetzt nicht. Es war damals nicht sicher und das ist es jetzt auch nicht. Daraus entspringt keine Sicherheit für dich. 

 

Tatsächlich ist es eine unmögliche Aufgabe. Ich kann sie nicht zufriedenstellen, sie sind nicht zufrieden. Ich kann sie nicht glücklich machen, denn sie sind es gar nicht. Es gibt also nichts, was ich tun kann, um sie glücklich zu machen. Was ich versucht habe zu tun, vor allem in meinen 30ern und 40ern, um gut zu sein, um sie glücklich zu machen, all das hat mich fast umgebracht. Das waren die Dinge, die mich fast umbrachten. Die Dinge, von denen ich dachte, dass ich sie tun müsste, um nicht getötet zu werden, waren die Dinge, die mich dem Tod am nächsten brachten. Im Moment geschieht also ein radikales Erwachen. 

 

Es kribbelt auf meinem Kopf, also weiß ich, dass ich mich hier in etwas hineinfühle… Keine der alten Regeln werden mehr funktionieren. Nichts, von dem wir dachten, dass es uns beschützt, wird uns beschützen. Kultur beschützt uns nicht, Einrichtungen schützen uns nicht, Männer schützen uns nicht, Regierungen, Demokratie schützen uns nicht, Gesetze schützen uns nicht. Es gibt nichts, außer uns selbst. 

 

LAURA: Danke. Ich denke, was du sagst, ist so wichtig, in der Hinsicht, dass wir als Kinder versuchen, mit dem dysfunktionalen System umzugehen, indem wir in einer dysfunktionalen Weise damit interagieren. Man kann nur in einem dysfunktionalen System leben, indem man selbst dysfunktional wird. Denn wenn man funktionieren würde, würde man aus dem dysfunktionalen System rausgeschmissen werden. 

 

Ich finde das sehr interessant, also zum Beispiel in Familien, wo jemand trinkt oder jemand eine andere Person sexuell missbraucht, und davon jeder in der Familie weiß und niemand etwas sagt. Alle erhalten das dysfunktionale System aufrecht. Wenn eine Person sich äußert und sagt: Diese Person trinkt, ist Alkoholiker oder ist gewalttätig. Dann wird diese Person, welche die Wahrheit sagt, für verrückt erklärt. Weil alles drumherum so dysfunktional ist, dass kein Platz für etwas wie das Aussprechen der Wahrheit ist. Ich denke also, dass es so wahr ist, was du darüber sagst, was du als Kind getan hast, und ich kann mich mit deiner Erfahrung so sehr identifizieren. Natürlich bist du dort nicht sicher, da es nur quasi das Gegenteil des Dysfunktionalen ist. Ich kann das also so gut nachempfinden. 

 

Auch ich habe mir in den letzten beiden Jahren erlaubt, mit dem zu sein, was als „schlecht“ angesehen werden könnte, als „schlechtes Verhalten“, wie Grenzen zu setzen und zu sagen: Nein, das funktioniert für mich nicht. Das Wort „Feuer“ finde ich hier so passend, denn für mich fühlten sich die letzten 3 Jahre an, wie durch Feuer zu laufen. Ich ging durch Feuer und verbrannte alles. Es war so beängstigend, wirklich beängstigend, aber das Interessante ist, dass das, was das Feuer wegbrennt, nicht gut für dich war. Dann kommst du aus dem Feuer heraus und fühlst dich so gut. Du fühlst dich dann so nackt, aber du fühlst dich so gut. Du fühlst dich so frisch, als kämst du gerade aus einer sehr heißen Sauna. Du sprachst davon, Dinge ins Feuer zu werfen und ich stelle mir die Leute vor, die zuhören und wie sie denken: Oh, ich habe etwas, das ich ins Feuer werfen muss. Es hört sich wirklich gut an, aber wie machen wir das eigentlich? Ist es ein bewusster Prozess, sich über etwas bewusst zu werden, das zwischen dir und deiner Freiheit steht und du gibst das ganz bewusst ins Feuer der Transformation über oder wie ist dein Prozess, dein, sagen wir mal, Pfad zur Freiheit? 

 

ELIZABETH GILBERT: Ich glaube, die Wahrheit ist das Feuer. Und das passiert mir immer und immer wieder: Ich gerate in eine Situation, wo etwas in meinem Leben passiert, das immer mit einer Beziehung zu tun hat. Denn dort wird das Feuer auf die Probe gestellt. Ob es eine Freundschaft ist, Familie oder eine romantische Beziehung, es hat immer mit einer Beziehung zu tun. Dort gerate ich immer wieder in Situationen, wo mich das, was in der Beziehung passiert, krank macht. Das heißt nicht unbedingt, dass die andere Person schlecht oder falsch wäre. Es ist nur, dass die Dynamik, in die wir geraten sind, toxisch ist. Ich gestehe vollkommen ein, dass ich geholfen habe, dies zu kreieren. 

 

Ich liebe das Wort Co-Abhängigkeit, denn das „Co-“ direkt im Titel steht. Wir haben diese giftige Sache, die wir jetzt haben, gemeinsam erschaffen. Wir sind zu dem Punkt gekommen, wo ich jetzt darüber fantasiere, mich umzubringen, weil ich hier so unglücklich bin. Oder ich will dich einfach ghosten, weil ich von dir wegkommen muss. Ich will meinen Namen ändern und meinen Tod vortäuschen und entkommen. Was muss ich tun, um zu entkommen? Das Gefühl ist wieder das, dass man sich gefangen fühlt. 

 

Es gibt eine Tarot-Karte, und ich erinnere mich nie, welche es ist, aber es ist eine der Schwert-Karten. Meine Freundin Martha Beck sagte mir: Das ist deine Karte. Das ist deine Bestimmung auf der Erde, diese Karte. Darauf ist eine Frau abgebildet, der die Augen mit einem Tuch verbunden sind, ihre Hände sind gefesselt und sie ist von Schwertern umzingelt. Sie ist gefangen, ihre Augen sind verbunden und ihre Hände gefesselt. Und sie heult, sie hat einen gequälten Gesichtsausdruck. Immer und immer wieder gerate ich in meinem Leben an diesen Punkt, wo ich in einer Situation bin, die sich so anfühlt. 

 

Das Gefühl, das ich vor dem Ende dieser Situation habe, vor dem Feuer, direkt vor dem Erwachen, vor dem Mut, ist immer: Es gibt keinen Ausweg. Es gibt keinen Ausweg, ich stecke zu tief fest. Das ist die Person, von der ich nicht wegkommen kann. Wir sind Geschwister. Dem entkommst du nicht, du bist gefangen. Das ist meine Mutter, du bist gefangen. Dem entkommst du nicht. Das ist mein Mann, ich kann dem nicht entkommen. Das ist mein bester Freund, ich bin gefangen. So ist es einfach, ich bin gefangen. 

 

Es ist einfach das Gefühl: Ich bin gefangen, ich bin gefangen! Dann wies mich aber meine Freundin Martha darauf hin, dass das Tuch über den Augen der Frau nicht zugebunden ist. Ihre Hände sind auch nicht gebunden. Da ist ein Seil, aber sie muss nur ihre Arme ausbreiten und sie ist frei. Sie muss nur die Augenbinde abnehmen und sie kann sehen. Und die Schwerter sind nicht echt. Sie schweben in der Luft, sie berühren den Boden nicht. Sie ist in einem Käfig, der gar nicht echt ist. Alles, was sie tun muss, um frei zu sein, ist, die Augenbinde und die Fesseln abzulegen und zu gehen. Das ist alles.

 

 Das Weggehen sieht für mich immer so aus: Ich muss meine Stimme nutzen und die Wahrheit sagen. Das ist das Feuer. Ich will es aber verdammt nochmal nicht. Ich will es nie und mache das mehrere Male im Jahr durch. Es ist nicht einfach zwei, drei Mal im Leben, wobei ich denke, dass es einige große gab, sondern mehrmals im Jahr. Ich bin gefangen, ich bin gefangen und ich hasse das. Ich hasse es, wie diese Beziehung läuft. Ich hasse es, wie ich mich fühle. Ich hasse die Unehrlichkeit, in der ich lebe.

 

Ich hasse es, Ja zu sagen, wenn ich Nein meine. Ich will das nicht tun. Aber ich will auch nicht die Wahrheit sagen, weil ich so Angst davor habe, dass du denkst, ich sei schlecht, dass ich eine schlechte Person sei, nicht gut genug bin, nicht nett genug, nicht geduldig genug, nicht großzügig genug. Was ich mittlerweile zu Menschen sage, ist… Ich habe davon gesprochen, mich in Suchtbehandlung zu befinden, für diese letzte Sucht, dass ich will, dass Leute denken, ich wäre gut. Das ist die letzte Sucht. 

 

Ich befinde mich in einem 12-Schritte-Programm, um von Co-Abhängigkeit wegzukommen und erzähle Leuten davon. Ich erzähle Leuten davon und sage einfach: Ich befinde mich in einem 12-Schritte-Programm, um von einer lebenslangen Co-Abhängigkeit wegzukommen. Ich kann das, was mir machen, nicht weiterhin machen und mich emotional suchtfrei nennen. Ich kann es nicht. Das ist nicht mit meiner Suchtfreiheit vereinbar. Es gibt bestimmte Arten, auf die ich leben muss, um suchtfrei zu bleiben und das hier zu tun hat nichts damit zu tun, suchtfrei zu sein. Eine der Sachen, die ich Leuten sagen muss, ist…

 

Ich gebe dir ein Beispiel. Ein Familienmitglied sagte kürzlich etwas zu mir und ich dachte: Das ist das Feuer. Ein Familienmitglied sagte kürzlich zu mir: Ich muss wissen, dass du für mich da sein wirst. Ich muss es wissen. Wenn du dich zurückziehst, so wie in den letzten beiden Jahren, verletzt mich das sehr. Ich muss es für die Zukunft wissen, ich brauche ein Versprechen von dir. Ich muss hören, dass du immer für mich da sein wirst und ich auf dich zählen kann. Wir saßen in einem Restaurant und ich sagte: Ich brauche einen Moment, weil ich eine physische Reaktion darauf habe. Meine Hände fingen an zu zittern. Ich fühlte mich, als würde ich anfangen zu weinen. Ich fing an, angespannt zu sein. Ich sagte, dass ich keine guten Entscheidungen treffe, wenn ich auf diese Weise reagiere. Ich fühle mich wirklich aktiviert. 

 

Du hast nichts falsch gemacht, du fragst nach etwas, das du willst. Aber ich habe eine Reaktion darauf, also gib mir bitte einen Moment, um wieder zu meiner Mitte zu finden, damit ich deine Frage beantworten kann. Vom höchsten Ort in meinem Inneren und nicht aus einer Angst heraus. Es ist lustig, jetzt hat mein Auge eine physische Reaktion, sogar auf die Erinnerung. Jemand in meiner Familie sagt zu mir: Ich muss wissen, dass du immer für mich da sein wirst. Das ist Level 10. Auf diese Art beweise ich dir, dass ich ein guter Mensch bin. Ich beweise dir das, indem ich sage: Ich werde immer für dich da sein. Aber ich weiß auch, dass diese Person psychisch krank ist. Ich weiß, dass diese Person… Ich weiß, was es für die Person heißt, dass ich immer da bin. 

 

Es bedeutet, dass ich immer ans Telefon gehen muss, wenn sie einen Nervenzusammenbruch hat und ich mich um sie kümmern muss. Das ist, worum sie mich bittet. Und dafür bin ich für niemanden da. Es ist egal, wie sehr ich wen liebe. Für niemanden bin ich auf diese Weise da, weil ich dafür nicht qualifiziert bin. Ich bin keine Expertin für geistige Gesundheit. Ich bin nicht die Person, die du anrufen solltest. Ich kann dir nicht helfen. 

 

Was ich als Co-Abhängige tue, ist, all deine Gefühle in meinen Körper aufzunehmen, danach süchtig werden, dich retten zu wollen und mich selbst zu verlassen. Ich wurde also ganz still und sagte zu ihr: Ich muss beten, bevor ich deine Frage beantworte, weil ich Gottes Antwort hören muss. Die Person glaubt nicht an Gott, also denkt sie wahrscheinlich: Sie ist verrückt. Mir egal. Ich saß dort mitten im Restaurant und habe gebetet. Ich dachte nur: Gott, bitte sag mir, was ich sagen soll.

 

Ich sagte: Ich werde dir nie ein Versprechen machen, das ich nicht halten kann. Das steht nicht im Einklang mit meinen Werten. Ich kann dir kein Versprechen machen, damit du die Antwort erhältst, die du willst, um dich glücklich zu machen, im Wissen, dass ich es nicht halten kann. Die einzige Sache, die ich dir Versprechen kann, ist, dass ich meine eigene geistige Gesundheit immer priorisieren werde, über alles und jeden auf dieser Welt. Das ist meine Priorität. Denn wenn ich nicht auf mich achte, wird es niemand tun. Damit fängt es an. Ich stehe an erster Stelle. Ich stehe an erster Stelle. Wenn dann noch etwas übrig ist und ich das Gefühl habe, dass ich dir wirklich helfen kann, werde ich das, was ich habe, mit dir teilen. Aber nein, ich kann dir nicht in die Augen sehen und sagen: Ich werde immer für dich da sein. Das kann ich dir nicht geben. Das ist das Feuer. 

 

LAURA: Was ging in deinem Nervensystem vor sich, nachdem du das sagtest? Was hat dein Körper danach gefühlt? 

 

ELIZABETH GILBERT: Terror! Absoluter Terror. Jede Zelle in meinem Körper sagte: Das kannst du nicht sagen! Das kannst du nicht tun! Du bist schrecklich, du bist mit dieser Person verwandt! Du musst… Einfach Terror. Ich habe diesen Terror beobachtet und es war interessant, weil sie sagte: Oh. Richtig. Weil du immer die Person warst, zu der jeder in der Familie ging, um sich besser zu fühlen. Und ich sagte: Genau. Anders gesagt war ich die Aufseherin in der psychiatrischen Klinik meiner Familie, mein ganzes Leben lang. Das ist ein Job, den ich nicht weiter machen werde. Den Job mache ich nicht mehr, ich bin nicht dafür qualifiziert. Es hilft ihnen nicht und mir auch nicht. 

 

Nach diesem Gespräch zitterte ich, ich war verängstigt, alarmiert. Meine inneren Kinder sagten: Wir haben ein richtiges Problem! Wir haben ein Problem, du hast ein Problem, das kannst du nicht tun! Und ich sagte zu diesen Kindern: Was könnte ich euch gerade geben, damit ihr euch besser fühlt? Denn ich sehe, dass ihr sehr aufgebracht darüber seid, was gerade passiert ist. Aber ich bleibe dabei. Was können wir also gerade tun, das gut wäre? Und sie sagten: Wir wollen zu McDonald’s. Wir wollen einen Erdbeer-Milchshake, ein BigMac und Pommes. Und ich dachte: Alles klar, Kinder, auf zu McDonald’s. Ihr habt eure Mutter dabei gesehen, wie sie etwas echt Beängstigendes tat. Ihr habt sie etwas tun sehen, was noch keine Frau in unserer Familie getan hatte. Nämlich zu sagen: Ich habe oberste Priorität in meinem Leben und ich werde keine Versprechen machen, die meine Gesundheit gefährden. Wenn ich diese Beziehung verliere, weil ich das gesagt habe… 

 

Das habe ich meinen inneren Kindern gesagt: Wenn wir die Beziehung verlieren, weil wir die Wahrheit gesagt haben, und wir Stille von dieser Person hören, für den Rest unseres Lebens, dann werden wir diese Stille als Raum für Meditation nutzen. Denn wir lieben Stille. Was ist unsere Lieblingssache? Stille. Das ist unsere Lieblingssache. Wir lieben es, uns in Meditation zu befinden. Still und allein und ungestört. Warum haben wir solche Angst davor, dass uns jemand mit Stille bestraft? Wenn jemand das tut, gibt er uns das Geschenk der Stille. Dann nehmen wir diese Stille und leben einfach in der Stille und dem Frieden. Wenn sie zurückkommt, kommt sie zurück. 

 

Manchmal bemerke ich auch, dass man eine Grenze mehrmals ziehen muss. Diese Person hat entschieden, in meinem Leben zu bleiben. Sie sendet mir immer noch lustige Memes. Ich sende ihr lustige Memes. Ich sage ihr, dass ich sie liebe, sie sagt mir, dass ich sie liebe. Alles ist gut, aber es könnte wieder vorkommen, dass sie die alte Liz zurückhaben will und die alten Regeln. Ein Nervenzusammenbruch und ich werde um Hilfe gebeten. Dann muss ich es vielleicht noch einmal sagen. Dafür bin ich nicht verfügbar. Ich liebe dich und ich bin dafür nicht verfügbar. Denn es wird mich krank machen. Ich kann dir nicht helfen, aber ich weiß und vertraue darauf… Es gibt dieses Gefühl von: Ich vertraue darauf, dass du deinen Weg finden kannst. Ich vertraue darauf, dass du deinen Weg finden kannst und dass du eine höhere Macht findest, nach deinem eigenen Verständnis. Ich vertraue auf deine eigene Reise und dass ich nicht deine Antworten habe, und ich liebe dich. Wenn du Seite an Seite gehen willst, können wir Seite an Seite gehen. Aber ich werde niemanden mehr tragen. Es hilft keinem von uns beiden. 

 

LAURA: Ich denke, jede Frau, die gerade zuhört, kann sich damit irgendwie identifizieren. Und während du gesprochen hast, hatte ich das Gefühl, dass manchmal das größte Geschenk, das wir jemandem geben können, ist, das Muster zu durchbrechen, auch wenn es sich in diesem Moment für beide Seiten sehr ungemütlich anfühlt. Aber manchmal ist so ein Bruch die beste Medizin, die wir einander auf der Seelenebene geben können. Einfach zu sagen: Nein. Ich bin weg. Ich halte mich nicht mehr an diese Regeln. Spielen wir ein neues Spiel und sehen, ob es uns besser gefällt. Ich denke, das ist etwas so Kraftvolles und Schönes. Dann passiert etwas für alle anderen um dich herum und in dir drin, obwohl es sich anfangs sehr beängstigend anfühlt, das eine andere Ebene der Beziehung ermöglicht. Abseits der dysfunktionalen Co-Abhängigkeit, die vorher existierte. Ich würde mit dir gerne über Gott sprechen. Denn ich spüre, dass wir dort ein sehr ähnliches Verständnis haben, von Gott. Wenn das überhaupt möglich ist.

 

 Erzähl mir, wenn du magst, von deiner Beziehung zu Gott. Wer ist sie? Wie ist die Beziehung? Wie betest du? Wie machst du… Denn ich habe das Gefühl, dass du eine sehr tiefe, schöne, ruhige, liebevolle Beziehung zu Gott hast. Ich denke, das ist etwas, das mir in meinem Leben so geholfen hat, quasi Gott als meine beste Freundin. Vielleicht könnten wir darüber ein wenig sprechen. Wer ist Gott für dich, wie ist deine Beziehung zu Gott und wie redet ihr, wie laufen diese Gespräche? 

 

ELIZABETH GILBERT: Oh, es läuft gut. Der Grund, warum ich hier etwas gesucht habe, ist, dass ich hier das Manuskript meines neuen Buchs habe. Ich bin vor 2 Wochen fertig geworden. Ich weiß. 

 

LAURA: Glückwunsch! Das ist großartig

 

 ELIZABETH GILBERT: Danke. Es sind Memoiren über Rayya, meine Partnerin Rayya, die vor 6 1/2 Jahren an Krebs gestorben ist, aber zuvor rückfällig wurde und wieder in eine Drogensucht verfiel, nach vielen suchtfreien Jahren. Das wurde zu einem Alptraum. Und durch diesen Alptraum, wo wir bei Feuer sind, wurde ich mir auch meiner eigenen Sucht bewusst, meiner eigenen Co-Abhängigkeit, meiner eigenen Sex- und Liebessucht meiner eigenen tiefen Sucht, zu versuchen, durch eine andere Person Sicherheit zu finden, also andere Menschen als Droge zu benutzen. Menschen zu rauchen wie Crack, sie zu essen wie Xanax. Der Versuch, mich selbst durch andere zu regulieren. Wie auch immer, es gibt einige Gedichte in diesem Buch, und ich wollte dir dieses eine vorlesen, weil es die einfachste Antwort ist und dann können wir mehr dazu sagen. Aber das ist… 

 

LAURA: Ich liebe das, danke!

 

ELIZABETH GILBERT: Ja, das hier heißt „Der Gott meines Verständnisses“. Ich denke, das ist wirklich wichtig. Es ist ein Begriff, den sie oft bei den 12 Schritten der Suchtbehandlung verwenden. Der Gott deines eigenen Verständnisses. Dir wird erlaubt, den Gott deines eigenen Verständnisses zu haben. Jeder Gott, der dir aufgedrängt wurde, ist kein für dich geeigneter Gott. Du wirst dich auch nie einem Gott hingeben, der dir aufgezwungen wird. Du wirst einen Gott, der dir aufgezwungen wird, nur fürchten. Ich weiß noch, als ich das erste Mal in die Behandlung ging und mein Sponsor mir die Aufgabe gab, eine Jobbeschreibung für den Gott zu schreiben, den ich brauchte. Schreib, wonach du suchst. 

 

LAURA: Wie cool ist das, bitte? 

 

ELIZABETH GILBERT: Schreib, wonach du in einem Gott suchst. Und ich sagte: Das kann man doch nicht machen. Es gibt nur einen. Sie sagte: Natürlich kann man das. Natürlich kann man das, du kannst genau sagen, wie dein Gott sein muss, damit du dich ihm hingeben kannst. Du bestimmst: Wer ist der Gott, dem ich mich hingeben könnte? Wie wären die Werte dieses Gottes? Was wären die Versprechen dieses Gottes? Bei meinem Gott war die erste Sache bedingungslose Liebe. Ich muss bedingungslos geliebt werden. Ich muss wissen, dass dies ein sicherer Ort ist, zu dem ich gehen kann, wo es absolut nichts gibt, das ich tun könnte, um diese Liebe zu verlieren. Das ist die primäre Sache. Außerdem brauche ich einen Gott mit einem sehr guten Sinn für Humor. Und ich brauche einen Gott, der 24 Stunden am Tag für mich verfügbar ist, der niemals zu beschäftigt ist, um mir zuzuhören, mit mir zu sprechen und mich zu lieben. Und ich brauche einen Gott mit einem Sinn für Abenteuer. Ich brauche einen Gott, der mir ein Partner in meiner Kreativität und bei Abenteuern ist. Ja, ich konnte also meinen eigenen Gott erschaffen, konnte ihn dann haben und lieben lernen und dieser Gott liebt mich. 

 

Dieses Gedicht heißt also: „Der Gott meines Verständnisses“. 

 

Der Gott meines Verständnisses.

Kein König, kein Richter, kein Vater, auch keine Mutter, obwohl das der Sache näherkommt. Nicht das Wort, aber nicht gegen Worte, keine Liste an Geboten, sondern Ausdruck außerordentlicher Zärtlichkeit. 

Keine Reihe an Gesetzen, sondern ein Angebot der Führung. 

Nicht die Stille, sondern die Stille jenseits der Stille. 

Nicht der Atem, aber nahe am Atem. 

Kein Fakt, sondern eine Kenntnis. 

Liebevoll, humorvoll, intim, flexibel. 

Resistent gegen Logik. 

Angezogen von meiner Stille. 

Ansteckend in seiner Zuneigung. 

Weiträumig jenseits der Vorstellung.

Unbeweisbar, aber unfehlbar. 

Immer erfreut, von mir entdeckt zu werden. 

Nur das wollend, was uns alle befreien wird. 

Nur hier sein wollend. 

Das reicht erstmal. 

Ich habe schon zu viel gesagt. 

 

LAURA: Das ist wunderschön. Vielen Dank, dass du das geteilt hast. Es ist wunderschön. Das mochte ich sehr. 

 

ELIZABETH GILBERT: Danke.

 

LAURA: Wenn du mit deinem Gott redest, kann ich das so sehr nachempfinden. Sich seinen eigenen Gott auszusuchen. Wen brauchst du, wem willst du dich hingeben? Wie sehen eure Gespräche aus, wie verbindet ihr euch miteinander? Ist es ein Dialog, ist es ein Monolog? Ist es wie eine spaßige Bar-Unterhaltung?

 

ELIZABETH GILBERT: Ja, ja und ja. Es ist, was auch immer gebraucht wird. Ich denke, meine erste Vorstellung eines Gebets war, was mir gelehrt wurde, und es gibt einige wundervolle Gebete, die mir gelehrt wurden. Ich liebe einige dieser Gebete sehr. Ich liebe das Vaterunser, ich denke, das ist wunderschön. Aber ich habe gelernt, dass das Gebet eine Art Aufsagen war, wo ich diese Worte sage und Gott mir vielleicht seine Gunst erweist. Oder, dass Gebete eine Petition wären. Also wo ich… Im Prinzip war es einseitig. Es ging immer um mich, die zu Gott sprach, versuchte, ihn zufriedenzustellen, seine Aufmerksamkeit zu erregen oder um etwas zu betteln. Was in dieser religiösen Einweisung fehlte, mit der ich aufwuchs, war das Zuhören. Es ging immer darum, dass ich sprach, nie darum, dass ich zuhörte. 

 

Heutzutage geht es in meinen Gebeten viel mehr um Zuhören als um Reden. Ich bin nicht mehr so daran interessiert, was ich will. Ich bete nicht für meine Bedürfnisse, weil ich eine lange Zeit oft Dinge wollte, die nicht gut für mich sind. Ich traue also meinen Bedürfnissen nicht, dazu habe ich keinen Grund. Und die andere Sache ist: Oft habe ich in meinem Leben gekriegt, was ich wollte. Ich habe dafür gebetet und habe exakt das bekommen, was ich wollte und es brachte mich fast um. Aus diesem Geschäft bin ich nun also raus. Ich mache so etwas nicht mehr wie: Gott, bitte gib mir diese Dinge. 

 

Das Einzige, wonach ich frage, ist Klarheit. Bitte gib mir Klarheit, bitte lass mich dich hören. Wie in dem Moment, von dem ich sprach, mit meinem Familienmitglied, das zu mir sagte: Versprich mir, dass du immer für mich da bist. Ich fragte Gott: Bitte zeig mir, was ich gerade sagen soll. Zeig mir einen Weg, gib mir Klarheit. Ein Gebet, das ich oft spreche, ist: Bitte fülle meinen Verstand mit der Brillanz deines Verstands. Bitte fülle meinen Verstand mit der Brillanz deines Verstands. Mein Verstand ist zu klein und zu verängstigt. Das, was ich aber am meisten mache, ist, was sich Zwei-Wege-Gebet nennt, was mir mein Sponsor lehrte, als ich in die Suchtbehandlung kam. Es ist sehr einfach und ich lehre es im Prinzip nun über Substack, also über meinen Newsletter namens „Letters of Love“. Aber man kriegt ein Notizbuch, ich kann es dir zeigen, ich habe es direkt hier. Ich habe heute all diese Requisiten, die ich dir zeigen kann. 

 

LAURA: Das ist großartig. 

 

ELIZABETH GILBERT: Es ist so gut, ich habe all meine Spielzeuge gefunden. Ich habe diese Notizbücher, Tausende davon. Als Deutsche erkennst du vielleicht die Marke. Ich öffne einfach eine Seite, das ist die von heute, und ich schreibe eine Frage und es ist immer dieselbe Frage. Lieber Gott, was willst du mich heute wissen lassen? Dann warte ich auf die Antwort und schreibe sie nieder. Ich schreibe, was ich höre. Ich höre einen Gott, der mir sagt, was ich für diesen Tag brauche. Und man beginnt mit dieser Praktik durch Vorstellungskraft, es ist eine aktive Vorstellung. Man muss nicht an Gott glauben und man muss nicht wissen, was Gott ist. Man stellt einfach die Frage: Was willst du mich heute wissen lassen? 

 

Und wenn man das Wort Gott nicht mag, kann man das Wort Liebe benutzen. Liebe Liebe, was willst du mich heute wissen lassen? Dann schreibst du dir selbst: Was würde die weiseste, ruhigste, liebevollste Stimme der Welt dich heute wissen lassen wollen? Zuerst ist es also eine aktive Vorstellung, wo du den Brief schreibst, weil du es dir vorstellst. Was wäre, wenn ich einen Gott hätte, der bedingungslos liebt? Der mich vollständig akzeptiert? Der will, dass ich glücklich und frei bin? Was würde er mich heute wissen lassen wollen? Wie würde seine Führung heute aussehen? Das schreibst du dann nieder. Mit der Zeit, und ich tue das seit Jahren, denke ich daran nicht mehr als aktive Vorstellung. Ich glaube, dass es wirklich Gott ist, der zu mir spricht. Aber das ist nicht so wichtig. Wenn es nur meine Vorstellung ist, dann ist es das beste meiner Vorstellung. Und ich würde gern wissen, was das beste meiner Vorstellung anbieten kann, statt meine niedrigste Schwingung der Angst. So ist das also. Über den Tag verteilt bitte ich einfach um direkte, sofortige Führung. Gib mir eine intuitive Führung für die nächsten fünf Minuten. 

 

Oder, wenn ich mich in einem schwierigen Gespräch mit jemandem befinde und es mich sehr aktiviert, rufe ich Gott an und sage: Zeig mir, wie ich gerade sein soll. Normalerweise ist die Antwort: Es gibt gerade kein Problem. Alles ist gut. Du bist ok, dein Gegenüber ist es, alle sind ok. Beruhige dich, alles ist ok. Denn das stimmt normalerweise. Es stimmt, dass alles in Ordnung ist. Aber ich kriege eine genaue Richtung angezeigt und dann ist mein Teil des Vertrags, dass ich genau tue, was mir gesagt wird. Wenn mir gesagt wird, dass ich etwas tun soll, tue ich das. Das stärkt, wie ich denke, die Verbindung, selbst wenn es schmerzhaft oder schwierig ist, wenn es ist, wie: Oh, ich will das nicht tun. Aber ich tue es, weil ich weiß, dass du das Beste für mich willst und ich glaube, dass das, was für mich am besten ist, auch für alle am besten ist. 

 

LAURA: Das ist interessant. Denn es ist zu 100 % so, wie ich mit Gott spreche. Ich bin nicht mit einer Religion oder so etwas aufgewachsen, also hatte ich gar nichts mit Religion zu tun. Es war mehr so: Das ist schlecht! Du musst einfach glauben, was in deinem Kopf ist, also befand ich mich am anderen Ende des Spektrums. Du kannst dir vorstellen, dass das für mich sehr seltsam war, als das mega spirituelle kleine Energiewesen. Ich dachte: Was? Das ergibt für mich keinen Sinn! Für mich war es also eine ziemliche Reise, um mich wieder mit der Stimme zu verbinden, die ich schon immer hörte. Aber ich dachte immer, ich wäre verrückt, weil es nichts Rationales ist. Für mich ist es also auch eine wundervolle Konversation und es ist buchstäblich eine Stimme, die ich höre. Es ist mehr so, wie du sagst, es geht mehr darum, zuzuhören. Ich stelle immer Fragen. Ich hörte mal, ich glaube es war Oprah, die sagte, dass die Frage, die sie Gott immer stellt, ist: Was ist der höchste Traum, den du dir für mich erträumen kannst?

 

ELIZABETH GILBERT: Wow, und sie hat definitiv zugehört. 

 

LAURA: Ja, das hat sie. Und ich finde das so eine tolle Frage. Was ist der höchste Traum, den du über mich haben kannst? Wie kann ich durch das Leben gehen, was kann ich ausdrücken, was kann durch mich hindurchströmen? Es ist so wunderbar, weil immer eine Antwort kommt. Ich habe nie erlebt, dass es keine Antwort gab. Ich würde gern wissen, wie es für dich ist. Denn ich habe das Gefühl, wenn Gott antwortet, erklärt er oder sie oder wer auch immer dir nicht das Warum. 

 

ELIZABETH GILBERT: Ja! 

 

LAURA: Dadurch weiß ich, dass es Gott ist. Sie sagt einfach: Tu dies, geh links, hör dir diesen Podcast an. Solche Dinge. Ruf diese Person an. Ich frage mich: Warum? Aber es kommt nie eine Antwort darauf.  

 

ELIZABETH GILBERT: Nein, die wirst du nie erhalten. 

 

LAURA: Das ist so interessant, oder? Gott wird dir niemals erklären, warum du etwas tun sollst. Niemals. 

 

ELIZABETH GILBERT: Das geht dich nichts an. 

 

LAURA: Ja, ist das nicht interessant? 

 

ELIZABETH GILBERT: Ich höre Gott immer sagen: Es geht dich nichts an. Warum? Mach es einfach. 

 

LAURA: So interessant.

 

ELIZABETH GILBERT: Ja. Das finde ich so spannend. Man stellt Fragen und erhält immer Antworten und ich wollte sagen: Ja, aber die eine Sache, zu der ich nie eine Antwort erhalte, ist: Warum? 

 

LAURA: Was so interessant ist, ist, dass es eine Angst ist. Wenn es aus unserer Angst heraus kommt. Die Angst gibt dir eine Million „Warum“ und „Warum nicht“. Deine Angst, dein Verstand, gibt dir immer einen Grund, warum du etwas tun oder lassen solltest. Für mich ist das also der beste Weg, zu wissen: Das ist definitiv nicht Gott, die gerade am Steuer ist und mir eine Million gute Argument gibt. Gott argumentiert nicht. Gott sagt einfach: Hey, los! 

 

ELIZABETH GILBERT: Geh und halt den Mund! 

 

LAURA:Tu dies, tu das! So ist Gott! 

 

ELIZABETH GILBERT: Ich habe noch ein Gedicht in meinem Buch und der Titel ist: „Das kürzeste Gespräch, das ich je mit Gott hatte“. 

 

Ich: Aber warum? 

Gott: Weil es so ist. 

 

Denn… Nun. „Warum“ ist keine spirituelle Frage und es wird nie eine spirituelle Antwort geben. Es wird dich nur in Angst gefangen sein lassen und dem Verlangen nach Wissen, dem Verlangen nach Kontrolle, was ebenfalls Angst ist. Aber ich habe herausgefunden, dass man die Warum-Fragen ersetzen kann. Mit Wer, Was, Wo, Wann und Wie. Auf all diese Fragen wirst du eine Antwort erhalten. Nicht immer auf Wann. Es kommt auf die Art der Frage an. Aber mit „Was“: Was willst du mich wissen lassen, Gott? Auf diese Frage werde ich immer eine Antwort erhalten. Wie. Wie willst du, dass ich diese Situation bewältige? Wie soll ich in dieser Situation handeln? Wie soll ich auf diese E-Mail antworten? „Wie“ geht immer. Wer. Wer willst du, dass ich bin? Wer soll ich in dieser Situation sein, als wer soll ich auftreten? Für wen soll ich da sein? Wem soll ich dienen? Wen soll ich anrufen? Wen soll ich um Hilfe fragen? Wem soll ich nicht antworten? 

 

Die Wer-Fragen funktionieren. Wann… Zeit ist so eine menschliche Sache. „Wenn“ ist wie… Wenn ich frage: Wann ist es vorbei? Wann ist es vorbei? Die Antwort wird sehr frech sein. Sie wird sein, wie: Es ist vorbei, wenn es vorbei ist, Schatz, und wenn es vorbei ist, wirst du es nicht gewesen sein, die es beendet hat. Sorge dich also nicht um das Wann. Und was waren die anderen Fragen… Ja, aber nicht „Warum“. 

 

LAURA: Nein

 

ELIZABETH GILBERT: Das ist interessant. 

 

LAURA: Später, wenn man das Warum sieht. Denkst du nicht, später… 

 

ELIZABETH GILBERT: Ja, natürlich. Also zwei Jahre später, zehn Jahre später spüre ich: Oh, deshalb! Ok, ok, ok. Und Gott sagt: Ich wusste es die ganze Zeit. 

 

LAURA: Und vermutlich, wenn Gott es uns gesagt hätte, dann hätten wir es in diesem Moment nicht geglaubt. 

 

ELIZABETH GILBERT: Ja

 

LAURA: Ja, das ist wirklich interessant. Ich habe eine Frage, weil du im April in Berlin sein wirst. 

 

ELIZABETH GILBERT: Und du auch! 

 

LAURA: Wir sind hier so gespannt darauf! In Südafrika bin ich bei einem Projekt namens Earth Child Project aktiv. Sie machen Meditationen für Kinder in den Townships und sie haben diese Sache, wenn sie jemanden feiern, dass sie sagen: Glitzer! Sie senden also Glitzer an alle. Glitzer also an dich, dass du nach Berlin gehst. 

 

ELIZABETH GILBERT: Süß!

 

LAURA: So süß! Es sind also so 20, 30 Kinder und sie überhäufen einander mit Glitzer. Das ist so süß. Das ist jeden Tag so. Glitzer! Ja, wir werden uns also am 18. April in Berlin sehen und es wird einen Abend lang um Kreativität gehen. Wie ich weiß, und vielleicht weiß ich es nicht, aber ich würde es vermuten, daher, wie ich dich wahrnehme, dass du dich mehr im chaotischen Spektrum befindest, statt im sehr strukturierten Spektrum. Stimmt das oder liege ich… –

 

ELIZABETH GILBERT:  Nein! Absolut nicht! Nein, ich meine, ich habe chaotische Emotionen. Aber tatsächlich bin ich sehr diszipliniert und sehr strukturiert. Was Kreativität angeht, in jedem Teil meines Lebens… Ich bin eigentlich ein bisschen zu strukturiert, ich könnte ein wenig Chaos gebrauchen. Ja, ich bin… Nein, eigentlich stimmt das nicht. Gott liebt meine Disziplin. Ich habe gerade eine Korrektur gehört. Gott sagte: Nein, ich will, dass du so bist. Ich verdanke es meiner Disziplin, dass ich zu der Autorin wurde, die ich bin, und ich verdanke es meiner Disziplin, dass ich fähig war, diese Gottesstimme zu finden. Diese Ernsthaftigkeit, die ich mitbrachte… Gott macht da nicht mit, Gott ist wie: Sag nicht, du brauchst weniger Disziplin. Nein, mehr, mehr. Es ist gut, es ist, was ich will. Ja, Disziplin bedeutet für mich Freiheit. Ich bin als Autorin wirklich sehr organisiert. Die Art, wie ich schreibe, ist… Ich kenne sehr wenige Menschen, die disziplinierter sind als ich, was die Kreativität und meine Arbeitsweise betrifft. Es ist sehr strukturiert, es ist sehr organisiert. Ja, ich bin eine Kämpferin, eine richtige Kämpferin. Ich sage immer: Ich bin eine Kämpferin und ich bin ein Mönch. Aber darin finde ich große Freiheit, es ist kein Leiden, ich liebe es.

 

LAURA: Ist es Disziplin oder ist es Hingabe? 

 

ELIZABETH GILBERT: Oh, ich liebe die Worte. Ja, Hingabe. Ja, Hingabe, aber die ganzen hingebenden… Als ich beim Ashram in Indien lernte, schrieb mein Guru ein Buch namens „Die Disziplin des Yoga“. Hingabe kommt durch Disziplin, wie ich denke. Man… Man zeigt Demut, bevor… Man dient der Sache, die man kreiert. Das bedeutet, dass mein Ego Demut zeigen muss, ich muss mich zwingen, mich dort hinzusetzen, selbst, wenn andere Teile von mir nicht dort sitzen wollen. Es ist wie: Nein, wir werden hier sitzen. Wir werden hier für die nächsten drei Stunden sitzen und keiner bewegt sich. Wir machen das. Wir werden in diesem meditativen Zustand sitzen. Wir werden sitzen… Es gibt ein Wort, dass sie beim Vipassana-Yoga benutzen, und zwar… 

 

LAURA: Ah, ja, ja. 

 

ELIZABETH GILBERT: Sitze stark. Sitze stark… starke Entschlossenheit, ist es das? 

 

LAURA: Ja, starke Entschlossenheit, starke Entschlossenheit. Daran erinnere ich mich. 

 

ELIZABETH GILBERT: Starke Entschlossenheit, so schreibe ich.

 

LAURA: Ich habe vor 10 Jahren Vipassana in Südafrika gemacht, es war so intensiv. 

 

ELIZABETH GILBERT: Ja, das Sitzen mit starker Entschlossenheit ist so intensiv. Man bewegt sich überhaupt nicht. Und für mich ist das mein Pfad, wie ich denke. Ich möchte es immer hervorheben: Es ist nicht für alle der richtige Pfad. Doch mein Pfad war von großer Disziplin geprägt und das ist das Geschenk, für das ich meiner Mutter so dankbar bin. Ich denke, unsere Eltern können uns nur das geben, was sie haben. Ich kann niemandem etwas geben, das ich nicht habe. Sie können dir nur geben, was sie haben. Deshalb fühle ich mich nicht… Ich habe viel verarbeitet und hege nicht wirklich einen Groll. Gegen meine Eltern empfinde ich nur selten Unmut. Man kann nicht dafür böse auf jemanden sein, dass er dir nicht das gegeben hat, das er nicht hat. Es ist wie jemanden um Geld zu fragen, der kein Geld hat und sagt: Ich habe kein Geld. Und du sagst: Du solltest Geld haben und es mir geben! Es gab gewisse Dinge, die meine Eltern einfach nicht hatten. Sie hatten keinen inneren Frieden, sie hatten keine Gelassenheit, sie hatten kein Gottesbewusstsein, sie hatten die Fähigkeit der bedingungslosen Liebe nicht, sie wussten nicht, wie man vergibt. Sie hatten diese Dinge nicht. 

 

Aber einige Dinge hatten sie und es ist kein Zufall, wer deine Eltern sind. Ich glaube nicht, dass es Zufall ist. Ich habe die perfekten Eltern für die Reise, auf der ich mich befand. Meine Mutter gab mir alles, was sie hatte und eines dieser Dinge war Disziplin. Und ich hatte das nicht, ich war nicht damit geboren. Wenn ich lockerere Eltern gehabt hätte, wäre ich ein sehr lockeres Kind gewesen. Sie war eine sehr strenge Mutter. Es war so: Dies sind deine Aufgaben, dafür bist du verantwortlich, das ist deine Hausarbeit, das muss erledigt werden. Das verunsicherte mich sehr, aber ich lernte so auch, etwas anzufangen und zu Ende zu bringen, auch wenn ich es nicht tun wollte. Ich nahm also diese Disziplin und habe sie auf das angewendet, was ich am meisten liebe… die zwei Dinge, die ich am meisten liebe, meine Kreativität und mein spiritueller Pfad. Ich bin meiner Mutter so dankbar für dieses Geschenk. Denn es macht keinen Spaß. 

 

Dieses Buch zu schreiben, macht keinen verdammten Spaß. Teile davon machen Spaß, aber vor allem dieses Buch, bei dem es um Sucht geht und um Scham und um den Tod der Person, die man am meisten geliebt hat, um Krebs, das macht keinen Spaß. Aber jeden Tag öffne ich mein Notizbuch und frage Gott: Was soll ich heute tun? Und Gott sagt: Setz dich und schreibe für 2 Stunden, weil ich weiß, dass du es nicht genießt, und das ist in Ordnung. Ich sehe, dass es dir unangenehm ist, und das ist in Ordnung. Ich sehe, dass du nicht mehr an dieses Projekt glaubst und es nicht mehr tun willst und du lieber eine Million andere Dinge tun würdest. Das ist in Ordnung, es kann ruhig unangenehm sein. Setz dich, das ist, wovon ich möchte, dass du es tust. Ich weiß, du willst, dass ich dir sage, dass du es nicht tun musst, aber du musst es tun. Setz dich also, starke Entschlossenheit, und mach weiter. Denn ich möchte diese Sache durch dich beendet haben. Und so passiert es. Es ist mit jedem Buch so. Einige sind einfacher als andere, aber es gibt so viele Schritte bei jedem Buch, wo ich an einen Punkt komme, an dem ich denke: Ich glaube nicht daran. Ich mag das nicht, ich glaube nicht an mich selbst, mir ist langweilig, ich bin müde, ich bin einsam. Ich will nach draußen gehen. Warum ist das mein Job? Kann es nicht der Job von jemand anderem sein? Und Gott sagt: Nein, Liebes, das ist dein Job. Es ist dein Job. Geh wieder an die Arbeit. Danach kannst du zu McDonald’s gehen. 

 

LAURA: Ich kenne das McDonald’s-Gefühl auch. Es war wie der Endgegner meines Vaters, als wir Kinder waren. Es war McDonald’s. Immer, wenn wir Einkaufen fuhren, fuhren wir an McDonald’s vorbei und ich erinnere mich, wie ich im Auto saß und den Geruch von McDonald’s roch, als Kind, und niemals hineingehen durfte. Ich erinnere mich an das erste Mal, dass ich da war und als ich dann mein erstes Geld verdiente, kann ich nicht sagen, wie oft ich zu McDonald’s ging. Denn für mich war das wie meine Kindheit zurückzubekommen. Ich kann deine inneren Kinder nachvollziehen. 

 

ELIZABETH GILBERT: Wir wissen das, es ist schrecklich! Wir wissen, dass es schrecklich für Tiere und den Planeten ist. Aber ab und zu benötigen es meine inneren Kinder, dass ich als ihre liebevolle Mutter ihnen zeige, dass ich etwas tun werde, das ich nicht unterstütze, um ihnen zu zeigen, wie sehr ich sie liebe. Es ist nur ein 7-jähriges Kind. 

 

LAURA: Das ist wunderschön.

 

ELIZABETH GILBERT: Ich erzähle einem 7-jährigen Kind nicht, wie schlimm McDonald’s ist. Ich bringe das Kind zu McDonald’s und mache es glücklich. Ich will, dass sie wissen, dass ich sie liebe, dass ich sie so sehr liebe, dass wir natürlich hingehen werden. Nicht jeden Tag, vielleicht auch nicht jedes Jahr, aber es wird Momente geben, wenn meine Kinder etwas von mir brauchen, das gut für sie ist, selbst wenn es schlecht für sie ist. 

 

LAURA: Hast du schon einen Titel für das neue Buch? 

 

ELIZABETH GILBERT: Den habe ich, aber den kann dir noch nicht verraten.

 

LAURA: Aber weißt du, wann es erscheinen wird?

 

ELIZABETH GILBERT: Vermutlich in etwa einem Jahr. Auch mein Agent hat es noch nicht gesehen. 

 

LAURA: Wow, sehr spannend.

 

ELIZABETH GILBERT: Ja. Ich arbeite an der finalen Version und dann gebe ich es in ein paar Wochen meinem Agenten. Es ist also wirklich brandneu. Deshalb würde ich sagen, dass es in etwa einem Jahr erscheint, es kommt drauf an. Es kommt darauf an, wie meine Herausgeber es aufnehmen. Wenn sie es sich ansehen und sagen, was ich mir erträume, also: Es ist perfekt, verändere nichts! Dann geht es schneller, aber realistisch gesehen muss ich noch eine Weile daran arbeiten, bevor sie bereit sind, es zu veröffentlichen. Aber vielleicht auch nicht, vielleicht ist dies das eine, wo sie sagen: Es ist perfekt, verändere nichts! 

 

LAURA: Ich nehme an, es ist sehr persönlich, also, es ist deine Geschichte und Rayyas Geschichte, daher… Was kann man letztendlich verändern? Ich freue mich sehr darauf, es lesen zu können. Sehr. 

 

ELIZABETH GILBERT: Vielen Dank, meine Liebe, danke. Ich schicke dir ein frühes Exemplar! 

 

LAURA: Ja, ja, bitte! Es gibt noch eine letzte Frage, die du schon beim letzten Mal beantwortet hast, aber ich bin gespannt auf deine heutige Antwort, weil du dich seit dem letzten Mal sehr verändert hast. Du hast eine ziemliche Reise unternommen. Stell dir also vor, dass eines Tages der letzte Tag deines Lebens sein wird. Du wirst noch eine sehr lange Zeit auf diesem Planeten sein, weiterwachsen und vielleicht deine eigene spirituelle Praxis vertiefen und all das. Und dann kommt der letzte Tag deines Lebens und wie das Leben manchmal so ist, werde ich plötzlich da sein. Ich werde sagen: Liz! Wie geht es dir? Ich würde dich lange umarmen und dir dann sagen, dass alles, was du je geschrieben hast, aufgenommen hast oder getan hast, gelöscht wurde. Dein Buch ist weg, alles ist einfach gelöscht. Aber ich habe ein Blatt Papier und einen Stift und sage dir: Das ist das letzte Blatt Papier, auf dem du je etwas schreiben wirst. Du kannst drei Dinge schreiben. Was würdest du jetzt schreiben? 

 

ELIZABETH GILBERT: Ich erinnere mich nicht, was ich beim letzten Mal gesagt habe, also würde ich das danach sehr gerne wissen. Ich würde schreiben: Gott ist real. Du wirst geliebt. Und ich würde aus dem Bhagavad Gita zitieren: Es ist besser, sein eigenes Leben nicht perfekt zu leben, als eine perfekte Imitation des Lebens einer anderen Person zu leben.

 

 LAURA: Danke. Oh, Liz, vielen Dank, wirklich. Ich liebe dich so sehr. 

 

ELIZABETH GILBERT: Mit Vergnügen, ich liebe dich auch! 

 

LAURA: Ich freue mich so darauf, dir eine echte Umarmung zu geben. 

 

ELIZABETH GILBERT: Ich weiß, in Person in April! 

 

LAURA: Und dich dort zu sehen und vielen Dank für das Gespräch und dafür, was du alles teilst und dass du allen, die zuhören dabei hilfst, die Wahrheit in sich selbst zu sehen sowie dass die Wahrheit sich zwar zuerst immer ungemütlich anfühlt, aber dass sie langfristig der beste Weg zu leben ist. 

 

ELIZABETH GILBERT: Sie wird dir tatsächlich Freiheit schenken. 

 

LAURA: Ja, das tut sie. 

 

ELIZABETH GILBERT: Danke, ich freue mich darauf, dich umarmen zu können. und hoffentlich viel von dir in Berlin zu sehen. Mach bis dahin einfach so weiter, denn du machst es wundervoll. 

 

ELIZABETH GILBERT: Danke. Bye, meine Liebe. 

 

LAURA: Vielen Dank, Liz. Danke. Pass auf dich auf, wir sehen uns im April! Bye, bye, bis bald.  

 

ELIZABETH GILBERT: Bis bald, bye bye.

 

Übersetzung & Untertitel: Subtitling Academy

Was konntest du aus dieser Folge für dich mitnehmen?

Ich hoffe sehr, dass die Folge mit Elizabeth Gilbert dir den Mut geschenkt hat, alte Erwartungen loszulassen und deiner Wahrheit zu folgen.

„Authentisch zu leben ist das größte Geschenk.“

Elizabeth Gilbert

Schreib mir gerne hier unter dem Beitrag oder in die Kommentare bei Instagram @lauramalinaseiler, wie dir diese Podcastfolge gefallen hat und was du für dich mitnehmen konntest.

Rock On & Namasté

Deine Laura

Hier findest du alle Infos zu Elizabeth Gilbert:

Am 18.04.2024 um 19:30 wird Elizabeth Gilbert in der Columbiahalle in Berlin sein und du kannst sie persönlich treffen! Der Abend steht ganz unter dem Stern ihres Buches: „BIG MAGIC: Creative Living Beyond Fear”. Liz wird von ihrer persönlichen Heilungsreise erzählen, Einblicke in ihre Schaffensprozesse als Autorin geben und ihre einzigartige Perspektive auf Kreativität und Inspiration mit dir teilen. Pssst… ich werde am Abend auch da sein, um mir ihre wunderschöne Speech anzuhören. 

 

Die Tickets zum Abend mit Liz Gilbert und alle weiteren Infos findest du im Link oben.

Hinweis: Die aufgeführten Links werden mit Veröffentlichung der Podcastfolge integriert und können zu einem späteren Zeitpunkt ggf. nicht mehr aktuell sein.

Community

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4 Kommentare
  • Erika Gepostet unter 13:12h, 05 April Antworten

    Eine wunderbare Idee von Gott Liebe etc ein individuelles Jobprofil zu erstellen. Denn am Ende dürfen wir erkennen und annehmen, wir sind Gott Liebe und leben in unser eigenes authentisches Profil hinein.

  • Eva Maria Vorraber Gepostet unter 22:20h, 03 April Antworten

    Ein so wunderbares Gespräch!!!! Ich bin tief berührt. Gottes Liebe sooo spürbar…

  • Doris Gabel Gepostet unter 21:34h, 03 April Antworten

    Ich höre schon seit Jahren Deinen Podcast Laura und weiß nicht, wann ich überhaupt mal einen Kommentar hinterlassen habe… Aber dieses Interview hat mich wirklich zutiefst berührt und bewegt!
    Dem Gefüge Gott so nahe zu kommen, so anschaulich werden zu lassen, das ist unglaublich.
    Eine unglaubliche Kraft!
    Vielen, vielen Dank!

    • Victoria TeamLiebe Gepostet unter 19:21h, 05 April Antworten

      Liebe Doris,

      vielen vielen Dank für deine Worte. So schön, dass dir das Interview mit Elizabeth gefallen hat.

      Wir freuen uns, dass es dich so berühren und bewegen durfte 🙂

      Alles Liebe zu dir,
      Victoria und das TeamLiebe

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