Innere Konflikte lösen

10 Feb Wie du in 3 Schritten einen inneren Konflikt lösen kannst

Job wechseln oder im Altbekannten bleiben? Kinder bekommen oder lieber noch warten? Eine Weltreise machen oder doch lieber Karriere? Noch mal studieren oder ist es dafür schon zu spät? Eine Affäre haben, vom Partner trennen oder um die Liebe kämpfen?

Einen inneren Konflikt erleben wir immer dann, wenn wir uns zwischen zwei oder mehr Optionen entscheiden müssen – sich aber jede der Optionen irgendwie richtig anfühlt.

Wie soll man sich da richtig entscheiden? Worauf soll man hören? Gibt es bei diesen Fragen überhaupt ein richtig oder falsch?

Umso größer oder wichtiger die Entscheidung ist, umso schwieriger wird es, sie zu treffen. Wir wägen ab, fragen Freunde und Familie, fühlen uns innerlich zerrissen und wenn man meint sich nun endlich für eine Option entschieden zu haben, kommen direkt die Zweifel, ob es nicht vielleicht doch besser wäre für die andere Option zu gehen.

Schlaflose Nächte, Bauchschmerzen und innere Unruhe sind typische Symptome von inneren Konflikten. Entscheidungen wollen nun mal getroffen werden und solange keine Entscheidung gefällt wird, rebelliert unser System.

Herz sagt Ja. Kopf sagt Nein. Bauch sagt Vielleicht.

 

Wenn du gerade in einer solchen Zwickmühle stecken solltest, habe ich hier eine super hilfreiche Methode für dich.

Die Methode stammt von Friedemann Schulz von Thun, ein ziemlich smarter Typ, wenn es um Kommunikationsmodelle geht. Der gute Herr Schulz von Thun sagt, dass wir uns oft deswegen so zerrissen fühlen, weil wir uns selbst nicht richtig zuhören und keine Ahnung haben, wie wir mit unserem inneren Team umgehen soll.

Falls du dich jetzt fragst, was er genau mit innerem Team meint: Dein inneres Team besteht aus deinen unterschiedlichen Persönlichkeitsanteilen bzw. deinen unterschiedlichen Gefühlen.

Da gibt es zum Beispiel den mutigen Anteil in dir, der am liebsten im Sturm die Welt erobern möchte. Es gibt den schüchternen Anteil, der dir sagt, dass du dich besser zurückhalten sollst. Ebenso gibt es einen ängstlichen Anteil, der dir zur Vorsicht rät und der sich wünschst, dass du für immer in deiner sicheren Komfortzone bleibst. Dann ist da vielleicht noch die Abenteurerin, die neugierig ist und Neues ausprobieren möchte. Oder vielleicht ein innerer Schweinehund, der mal so gar nichts davon hält, sich mehr anzustrengen als unbedingt nötig, usw. Wenn du in dich hinein hörst, kannst du bestimmt den ein oder anderen dieser Charaktere auch bei dir wiederfinden.

Bei einem inneren Konflikt kannst du dir das so vorstellen, als würden jetzt all diese unterschiedlichen Teammitglieder ihren Senf zu deinem Problem abgeben und jeder beharrt darauf Recht zu haben. Das ist dann meistens der Moment, wo du nachts wach liegst und denkst, dein Kopf explodiert gleich.

 

Wie du dein inneres Team wieder klar bekommst 

 

Schritt 1: Du bist der Boss!

Starke Emotionen wie Angst, Liebe oder Scham können zur Folge haben, dass wir uns ohnmächtig fühlen und einen Tunnelblick auf die Dinge bekommen. Mach dir bewusst, dass deine Emotionen und damit auch die unterschiedlichen Anteile in dir, zwar ein Teil von dir sind, aber dass du der Chef/die Chefin des Ladens bist.

 

Schritt 2: Hör den einzelnen Teammitgliedern zu 

Deine Aufgabe als Chef des Teams liegt darin, dir die unterschiedlichen Anliegen, Sorgen und Meinung der Anteile in Ruhe anzuhören und wahrzunehmen (auch die, die vielleicht ein bisschen leiser sind).

Das funktioniert am einfachsten, indem du dir 5-10 Blatt Papier nimmst und auf jedes Blatt kurz zusammenfasst, was der jeweilige Anteil oder die Emotion sich wünscht. Dabei schreibst du oben auf das Blatt den Namen des Anteils (z.B. Der Draufgänger, die Ängstliche, die Rücksichtsvolle, etc.). Dir sind in der Namensgebung keine Grenzen gesetzt. Im zweiten Schritt schreibst du unter den Namen einen typischen Satz/den Hauptwunsch/die Hauptsorge des Anteils. Als drittes schaust du, was die positive Absicht ist.

Damit du dir besser vorstellen kannst, wie das aussehen kann, mache ich das einmal Beispielhaft für einen inneren Konflikt zum Thema:

Job kündigen und in die Selbstständigkeit gehen Ja oder Nein?!?

Blatt 1: Die Ängstliche

„In der Festanstellung bin ich sicher. Ich bekomme jeden Monat mein Gehalt und muss mir keine Sorgen machen, wie ich die Miete bezahle. Und auch wenn ich meinen Job ziemlich unbefriedigenden finde, ist mir ein fester Job trotzdem noch lieber als die Unsicherheit in der Selbstständigkeit. Was wenn ich da kein Geld verdiene? Oder wenn ich mit meiner Idee scheitere? 

Positive Absicht: Ich möchte dich beschützen.

Blatt 2: Die Macherin

„Ich habe so eine tolle Idee für meine Selbstständigkeit und habe richtig Lust mein eigenes Business aufzubauen. Ich will mehr Entscheidungsfreiheit. Ich habe doch bis jetzt alles in meinem hinbekommen, dann wird das auch klappen.“

Positive Absicht: Ich möchte, dass du dein Leben gestaltest.

Blatt 3: Die Rationale

„Wir sollten uns das alles erst mal ganz genau anschauen und nichts übers Knie brechen. Es kann da schon eine Menge schief gehen. Auf der anderen Seite ist es gerade auch kein Zustand in der Festanstellung. Vielleicht wäre es eine Idee erstmal auf Teilzeit herunterzuschrauben?“

Positive Absicht: Ich möchte, dass du nichts überstürzt entscheidest und einen kühlen Kopf bewahrst.

Blatt 4: Die Kreative

„Ich will gerne selbst etwas erschaffen und kann in meinem Job gerade einfach meine Kreativität nicht leben.“

Positive Absicht: Ich möchte, dass du deine Kreativität auslebst und Farbe in dein Leben lässt.

Blatt 5: Die Sicherheitsfanatikerin

„Oh mein Gott! Auf gar keinen Fall! Was wenn das alles schiefgeht? Wir unter der Brücke landen? Kein Geld mehr haben?“ 

Positive Absicht: Ich möchte unser Überleben sicherstellen.

Blatt 6: Die Lebensfrohe

„Das Leben ist doch nicht dafür da 40 Jahre lang das Gleiche zu machen. Das Spaß geht doch überhaupt erst außerhalb der Komfortzone los! Ich will mehr Intensität, Aufregung und Freude. Und davon ist im jetzigen Job nicht so viel von da.“

Positive Absicht: Ich will Spaß.

Blatt 7: Die Mutige

„Wir bekommen das schon hin! Schritt für Schritt, dann läuft das. Was soll den schlimmsten Fall passieren? Das wir in 2 Jahren wieder zurück in die Festanstellung gehen? Dann haben wir es zumindest versucht. Lösungen tun sich doch immer auf.

Positive Absicht: Ich möchte, dass du nicht unter deinen Möglichkeiten lebst.

 

Schritt 3: Die Teamkonferenz

Wenn man das so vor sich liegen sieht, wundert man sich nicht mehr, dass man sich innerlich zerrissen fühlt, oder?

Du siehst jetzt, dass jeder der Anteile in deinem Team eine Berechtigung hat, da zu sein und jeder nur das Beste für dich will.

Als Chef deines Teams ist es nun deine Aufgabe, die unterschiedlichen Anteile miteinander in Einklang zu bringen und zu schauen, wer mit wem reden könnte, wer wen unterstützen kann und welcher Anteil vielleicht einfach nur von dir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und gutes Zureden braucht.

Der schöne Effekt der „inneren Teamkonferenz“ ist, dass du danach wesentlich klarer bist und die unterschiedlichen Anteile und Emotionen gehört wurden. Solange du einen Anteil wegschiebst oder ignorierst, wird genau dieser Anteil irgendwann am lautesten sein.

Am besten funktioniert die Übung, wenn du die Zettel auf den Boden legst und sie in der „Konferenz“ neu ordnest. Beispielsweise können die Angst und die Mutige ein Team bilden und einander im Zaum halten. Ebenso kann die Macherin beispielsweise die Sicherheitsfanatikerin beruhigen.

 

3 knackige Tipps To-Go, die auch bei schwierigen Entscheidungen helfen

 

1. Die 10-10-10 Methode

Frage dich, welche möglichen Folgen hätte die jeweilige Entscheidung in 10 Minuten? In 10 Monaten? In 10 Jahren? 

Wenn du dir aussuchen könntest, wie dein Leben in 10 Jahren aussehen soll, welche Entscheidungen würde dann am ehesten dazu beitragen, dass es genauso kommt?

2. Dein 80ig-Jähriges Ich 

Wir alle kennen den inneren Kritiker, aber kennst du schon deinen inneren Mentor?

Rechne dir das Datum deines achtzigsten Geburtstags aus und stell dir vor, wo du an deinem 80igsten sein wirst. Wer wird bei dir sein? Was wirst du alles erlebt haben?

Die Vorstellung hilft dir dabei, dich mit deinem inneren Mentor/deinem 80ig jährigen-Ich zu verbinden.

Anstatt auf deine Ängste zu hören, frag doch einfach mal deinen inneren Mentor, was er zu der ganzen Sache meint?

3. Verbinde dich mehr und mehr mit deiner Intuition

Oft ist der allererste Impuls der richtige. Übe nach und nach mehr auf deine Intuition zu hören.

 

Ich hoffe, dass dir die Übungen dabei helfen, Klarheit in deinen Entscheidungen zu finden und freue mich sehr, wenn du deine Erfahrungswerte in den Kommentaren mit mir teilst.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

Alles Liebe

Deine Laura

 

 

 

 

P.S. Falls du mehr über das Innere Team von Friedemann Schulz von Thun erfahren möchtest, kann ich dir dieses Buch von ihm sehr empfehlen.

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8 Kommentare
  • Ylander
    Posted at 14:18h, 27 November Antworten

    Liebe Laura,

    diese Tipps können sicher in fest umrissenen Situationen nützlich sein.

    Es gibt allerdings noch eine andere Art innere Konflikte, und zwar im Prinzip – kennst du bestimmt – aus Eltern-Ich und Kind-Ich, oder anders: aus lästig empfundener Pflichterfüllung und Hunger nach Lebensfreude.

    Das Eltern-Ich schikaniert das Kind-Ich (Hast du schon deine Hausaufgaben gemacht?), das Kind-Ich ragiert bockig.

    Und so blockieren sich die beiden gegenseitig, und legen sich lahm, die Stimmung geht in den Keller.

    Hier geht es gar nicht um konkrete Situationen oder Entscheidungen sondern mehr um grundlegende Srömungen, sozusagen.

    Hier gilt es, dem Kind-Ich zuzuhörem, d.h., der oftmals wie aus heiterem Himmel einsetzenden miesen Stimmung nachzufühlen.

    Gruß
    Ylander

  • Angela
    Posted at 14:02h, 03 September Antworten

    Liebe Laura, mit dem Artikel hast Du bei mir voll ins schwarze getroffen … besser kann man das fast nicht beschreiben …

    LG

  • John the Ropemaker
    Posted at 21:32h, 12 Februar Antworten

    Liebe Laura, Dein Szenario der inneren Stimmen, die sich gegenseitig überschreien wollen, hast Du sehr anschaulich vor Augen geführt. Prima! Da es bei Deinem Vorschlag um Dialoge geht, die diese verschiedenen Stimmen miteinander führen sollten, böte es sich meineserachtens als zusätzliches Modell an, diese Dialoge – so man Zeit und Freunde hat – als kleines Kammerspiel zu spielen. Das könnte allen großen Spaß machen und würde noch einmal der Anschaulichkeit eine qualitativ neue Ebene eröffnen:
    In den verschiedenen Rollen – vielleicht sollte man die jeweiligen Rollen rotieren lassen, damit jeder auch die andere Variante spielerisch zu spüren bekommt – wird die sogenannte „Wahrheit“ ungeschönt vor Augen geführt und lässt sich dann lustvoll durchschauen – bei einem ausgelassenen Wochenende mit guten Freunden könnte das wirklich wahre Wunder wirken bei allen Beteiligten und zu mehr Klarheit mit sich selber führen.
    Dein Text – so herrlich transparent und leicht verständlich – lädt einfach ein zum Weiter Spinnen! Großes Kompliment von John the Ropemaker

    • Laura Seiler
      Posted at 13:26h, 17 Februar Antworten

      Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Ideen zu dem Thema!
      Ja, man kann das auf jeden Fall auch gut als Rollenspiel gestalten.

      Liebe Grüße
      Laura

  • Rebecca
    Posted at 15:43h, 11 Februar Antworten

    Liebe Laura, was für ein toller Artikel – wieder einmal! Super schön geschrieben und sehr, sehr hilfreich! Ich bin gerade in einer ähnlichen Phase, weil ich überlege eine Zertifizierung zur Yogalehrerin zumachen, neben einer anstehenden Coaching-Ausbildung (hierzu melde ich mich noch einmal bei dir ;o) und einer (hoffentlich) anstehenden Beförderung. Und dabei helfen deine Tipps ungemein! Vielen Dank dafür und bis bald! Freue mich sehr auf das Webinar nächste Woche! Liebe Grüße!

    • Laura Seiler
      Posted at 16:52h, 11 Februar Antworten

      Liebe Rebecca,

      vielen Dank für deine lieben Zeilen! <3 Ich hab mich riesig gefreut, dass dir die Tipps bei deinen Entscheidungen helfen.

      Wenn du eine Yogaausbildung machen möchtest, connecte ich dich gern mit Toni. Sie kann dir bestimmt super Tipps geben. Bei Fragen zur Coachingausbildung kannst du mich natürlich jederzeit anrufen oder wir gehen endlich mal den längst überfälligen Kaffee trinken 🙂

      Alles Liebe und einen schönen Abend
      Laura

  • Jessika
    Posted at 14:29h, 11 Februar Antworten

    Wow, sehr schöner Beitrag liebe Laura,

    Auch wenn ich gerade keinen inneren Konflikt auskämpfe, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass deine Tipps echt Gold wert sind, Daher werde ich sie mir definitiv merken und abrufen, wenn es Zeit wird 🙂 Der nächste innere Konflikt kommt bestimmt 😀

    • Laura Seiler
      Posted at 16:53h, 11 Februar Antworten

      Hallo liebe Jessika,

      tausend Dank für deine lieben Worte!

      Alles Liebe
      Laura

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