Warum wir bedingungslose Liebe nur in uns selbst finden können

22 Mai #203 Podcast: Warum wir bedingungslose Liebe nur in uns selbst finden können – Interview Special mit Krishna Das

Wie du dein Herz wieder öffnen und deine Ängste überwinden kannst

** Das Interview ist auf Englisch. Die deutsche Übersetzung findest weiter unten oder auf YouTube als Untertitel. **

Ich freue mich heute unglaublich Krishna Das im Interview zu haben. Es war schon lange mein Wunsch Krishna Das zu interviewen und wie der Zufall es so will, waren wir Nachbarn auf Hawaii. Krishna Das ist ein begnadeter Kirtan-Sänger und ein weltberühmter spiritueller Lehrer. Er ist ein Grammy nominierter Chant-Master und sein Gesang begleitet mich schon seit einigen Jahren in meiner eigenen Meditationspraxis.

In dem Interview lässt uns Krishna Das an seiner spirituellen Reise teilhaben. Er erzählt von seinen Tiefpunkten und seiner größten Angst im Leben und wie er es geschafft hat, diese zu überwinden. Wir sprechen darüber, wie seine Suche nach Glück und Sinn begann und was er mit seinem Guru in Indien erfahren durfte.

Du erfährst in dieser Podcastfolge:

  • Was Spiritualität für Krishna Das ist
  • Wie du in schwierigen Situationen mit dir selbst umgehen solltest
  • Wie wir unser Herz wieder öffnen können
  • Was Chanten ist
  • Wie du deine Ängste überwinden kannst
  • Was bedingungslose Liebe ist

 

Deutsche Übersetzung anzeigen: Warum wir bedingungslose Liebe nur in uns selbst finden können

Laura:
Ich bin so glücklich und dankbar Krishna Das im heutigen Podcast zu haben, hier im wunderschönen Hawaii. Vielen Dank, dass Du Dir für das Gespräch die Zeit genommen hast. Deine Geschichte ist wirklich ein Buch wert. Es gibt sogar bereits ein Buch über Dich.
Krishna Das:
Das weiß ich, ich habe es geschrieben.
Laura:
Für alle, die gerade zuhören, würde ich gerne in Deine persönliche Geschichte eintauchen. Denn sie ist wirklich faszinierend. Es ist eine wunderschöne Geschichte über Erleuchtung und Deinen eigenen spirituellen Weg. Lass uns zu dem Moment zurückkehren, an dem Du nach Indien gegangen bist. Wäre das ein guter Moment, um anzufangen?
Krishna Das:
Nein, nicht wirklich. Ich denke, dass es vorher anfing. Es beginnt, wenn man bemerkt, dass das was in deinem Leben passiert und im Leben aller Anderen um dich herum, sie glücklich macht, aber dich nicht. Und dann hast du nur noch wenige Optionen. Entweder verschließt du diese Stelle in dir und machst einfach blind weiter. Oder aber… Du stellst fest, dass du es nicht verschießen kannst. Und ab da wird es zur wichtigsten Aufgabe deines Lebens, herauszufinden was in deinem Leben fehlt. Genau das ist mir passiert.
Laura:
Wann war es?
Krishna Das:
Es ist sehr schwer das genau festzulegen. Ich habe mich schon immer anders gefühlt, als die Menschen um mich herum. Ich habe, zum Beispiel, meine Freunde so sehr geliebt, doch sie schienen meine Liebe nicht auf die gleiche Weise zu erwidern. Die Freundschaft war mir immer sehr wichtig. Die Liebe, die Verbindung, das Vertrauen und das Spiel. Es war schon immer sehr kraftvoll für mich. Ich brauchte es. Doch ich bemerkte diese… Es zog sich wie eine rote Linie. Ich habe ihnen einfach nicht so viel bedeutet. Es war ein komisches Gefühl. Und schließlich, musste ich einfach etwas tun und finden, das mein Verlangen völlig stillen konnte. Etwas das mein Herz vollständig erfüllen konnte. Ich konnte dies weder in den Menschen um mich herum finden, noch in der damaligen Welt um mich herum. Und dann habe ich angefangen Bücher zu lesen. Eines der ersten Bücher war über Buddhismus. Ich ging noch Schule und ich erinnere mich, dass gleich am Anfang dieses Buches stand: Buddha sagt, dass die Erleuchtung nur von dir abhängt. Doch als Kind, kennt man dieses Prinzip nicht. Man tut einfach nur das, was einem gesagt wird. Ich dachte mir nur, wow, etwas hängt nur von mir ab. Das will ich! Ich habe mich also mehr damit beschäftigt und dann kam die Autobiografie eines Yogi raus, und Gospel von Sri Ramakrishna, und auch Zen und die japanischen Kultur. Diese Bücher waren damals im Umlauf. Es gab auch ein Buch mit dem Namen “Yoga für die Gesundheit”. An den Autor erinnere ich mich nicht mehr. Und ich war genau dort. Und dann kamen einige Swamis in die Staaten. Ich besuchte sie, doch niemand erleuchtete mich. Und dann traf ich Ram Dass. Ab diesem Moment begann meine Realität. In dem Moment als ich den Raum betrat, in dem Ram Dass sich aufhielt… ich bin extra nach New Hampshire gefahren, um ihn zu treffen. In dem Moment, als ich den Raum betrat, ohne Augenkontakt, ohne Wortaustausch, tat sich etwas in mir. Ich wusste, dass was auch immer es ist, wonach ich suche, es existiert. Es war nicht einfach nur eine Buchgeschichte, denn jeder kann Bücher schreiben. Es war real, es existierte und man kann es finden. Das war wirklich lebensverändernd für mich. Es war der Anfang von allem.
Laura:
War es das Aura von Ram Dass oder war es nur ein Gefühl?
Krishna Das:
Er war mein Guru. Das war es. Und es hat sich so offenbart. Er ist gerade von seiner ersten Reise nach Indien zurückgekehrt und er war erleuchtet. Er war so versunken darin, es floss einfach durch ihn hindurch. Man spürte es überall. Es war einfach fantastisch.
Laura:
So schön.
Krishna Das:
Und nach ungefähr eineinhalb Jahren reisten wir gemeinsam nach Indien, und dort traf ich Maharaj-ji. Bei ihm blieb ich zweieinhalb Jahre.
Laura:
War es geplant, so lange zu bleiben?
Krishna Das:
Nein, der Plan war dort für den Rest meines Lebens zu bleiben.
Laura:
Ah, ok!
Krishna Das:
Ich war bereits weg. Ich habe alles weggeben, meine Gitarre verkauft. Ich habe meine Plattensammlung verkauft und meine Jeans weggegeben.
Laura:
Wie war es für Dich? Vor allem in den Staaten, wie auch in Deutschland, hängen die Menschen sehr an ihren Habseligkeiten.
Krishna Das:
Ich konnte sie nicht schnell genug loswerden. Ich freute mich so sehr darüber weg zu gehen. Und mit den Staaten abzuschließen.
Laura:
Nimm uns mit zum dem Tag am Flughafen, auf dem Weg nach Indien. Zum jungen, wahrscheinlich noch anderem Krishna Das.
Laura:
Ich hatte einen kleinen Rucksack, ein paar Bücher. Zusammen mit einem Freund flogen wir nach London, und von dort aus nahmen wir einen Billigflug nach Delhi. Über Bombay. Es war einfach nur wundervoll. Ich spürte mein ganzes Leben vor mir. Und der ganze Unsinn hier im Westen war vorbei. Es zeigt dir nur, was du nicht weißt. Und nach zweieinhalb Jahren schaute mich Maharaj-ji an und sagte: “Geh zurück nach Amerika. Dort hast du eine Bindung.” Ich will nicht, Maharaj-ji. Ich lerne doch gerade Hindi. “Wie schade, dass du weg musst!” Und ich dachte darüber nach, was er mit dieser Bindung meinte. Ich habe doch alles aufgegeben. Wovon spricht er? Doch jetzt weiß ich es natürlich. Seit ich wieder in die Staaten zurückkehrte bis heute, ist alles in meinem Leben, das was er meinte. Dieser ganze Scheiß, die Angst, der Schmerz, die Scham, das Leiden und der Horror, all die guten Sachen… genau davon hat er gesprochen. All dies war da und es musste raus. Man kann das eigene Karma nicht überschreiben. Man kann den Weg finden damit zu leben. Doch nur ein wahrer Guru kann dein Karma verändern. Und sie tun es nur, wenn es das Beste für dich ist. In den meisten Fällen, lassen sie es zu, und sie geben dir die Kraft damit klarzukommen und es zu überwinden. Doch es war sehr hart. Denn ich war nur glücklich, wenn ich bei ihm war. Es war eine unendliche, unerschöpfliche, ständig zunehmende Quelle der Liebe. Sie nahm nie ab. Sie hörte nie auf. Sie verurteilte nie. Sie drehte sich nie weg. Sie war immer da. Es war so viel von ihr da, dass es auch manchmal nötig war, sie abzuschalten, weil man es kaum ertragen konnte. Man saß zum Beispiel einfach so dar und auf einmal bekam man einen Schlag ins Herz mit einer Banane. Man schaute zu ihm hoch, und er… Und dann warst du wieder da. Weißt du, einfach so. Er hat nicht formell unterrichtet. Er sagte hier und da einige Sachen. Sehr wichtige Sachen. Doch er schrieb keine Bücher und er lernte auch niemanden an. Er hielt keine Vorträge. Er war ein Siddhar. Er ist ein Siddhar. Ein Siddhar verändert dein Leben. Er fragt nicht, er lehrt nicht, er tut es einfach.
Laura:
Wie war es für Dich einen Guru zu haben und mit ihm zu leben? Wie hast Du Dich dabei gefühlt einen eigenen Guru zu haben?
Krishna Das:
Für mich bedeutet Guru Liebe. Es ist nichts als Liebe. Es war das, was ich schon immer wollte. Es war das einzige Mal und der einzige Ort an dem ich diese Art von Liebe gespürt habe. Sie ist bedingungslos. Es hat nichts damit zu tun, ob du gut oder ein schlecht bist. Es fließt einfach. Denn es kommt aus dem Inneren eines jeden einzelnen von uns. Denn genau dort ist der Guru. Heutzutage haben die Menschen alle möglichen Probleme und Sorgen im Zusammenhang mich Gurus. Sie denken sie müssen ihre Kraft abgeben und sich ergeben. Wir sollten uns nicht schnell genug ergeben können. Es gibt ein schönes Gedicht von Rumi, wie war noch mal der Titel… Der Guru sagt, die innere Stimme sagt, Komm und ergib dich. Und ich will mich ergeben, und die innere Stimme sagt, dass der Preis für die Hingabe mein Kopf sei. Daraufhin sagt Rumi, er schnappt sich seinen Kopf und rennt so schnell er kann. Denn jeder will in diese Liebe eintauchen. Doch wir alle haben nur ein Problem. Und das sind schlechte Ziele. Wir glauben, dass wir es von außen erhalten können. Doch es gibt nichts im Außen. Überhaupt nichts.
Laura:
Würdest Du sagen, dass Dein Guru Dir dabei geholfen hat, diese Quelle der Liebe in Dir zu entdecken?
Krishna Das:
Absolut. Vor allem hat er mir gezeigt, dass Liebe wirklich existiert. Dass sie nicht nur zwischenmenschlich ist. Sie ist weder bedingt, noch emotional. Und dass sie nichts mit mir zu tun hatte, als Person, als Ego. Mit dem was ich dachte, wer ich bin. Sie ging darüber hinaus. Diese Erfahrung haben wir dort gemacht.
Laura:
Es ist wunderschön.
Krishna Das:
Der Rest unseres Lebens war wie das Waschen schmutziger Wäsche in unseren Herzen, und die Reinigung unserer Herzen, damit wir uns wahrhaftig damit verbinden können. Denn wir begegnen so vielen Schwierigkeiten, wenn wir anfangen uns zu öffnen, und versuchen uns fühlen zu lassen. Es ist so viel Angst da, und unsere Schamgeschichten sind da, Schuldgefühle, Verrat, unsere Verletzungen. Es ist sehr schwer zu bewältigen, wenn man keinen richtigen Stoß erhalten hat. Andererseits kennt es jeder, doch niemand sucht danach. Es ist so einfach.
Laura:
Das ist so wahr.
Krishna Das:
Aber es hilft, wenn man die Gunst hatte, diese Liebe zu erfahren. Man könnte einen ganzen Tag lang über Zucker sprechen. Aber bis man es ausprobiert hat, kann man es nicht kennen. Man kann es wollen und das ist gut, aber das ist schwierig.
Laura:
Würdest Du also sagen, dass eines der größten Probleme die Liebe zu finden, darin besteht, dass wir eine Fehlvorstellung von Liebe haben? Weil wir glauben, dass es etwas im Außen ist, aber wir in Wirklichkeit gar nicht wissen, wie wir es in unserem Inneren finden?
Krishna Das:
Ich würde sagen, ja. Aber ich glaube, dass Fehlvorstellung nicht das richtige Wort ist. Weil es tiefer ist als das. Wir haben Verletzungen. Sie sind sehr sehr tief. Unsere Herzen werden die ganze Zeit gebrochen. Das ist keine Fehlvorstellung. Unsere Herzen wurden gebrochen. Und es ist so schwer sich zu öffnen und es wieder auszupacken. Wenn man es so sieht. Tatsächlich sieht es für uns genau so aus, und zwar fast die ganze Zeit. Aber mit der echten Liebe… Ich war mal sehr verliebt in eine Frau. Und ich habe meinem indischen Vater, Mr. Tiwari, davon erzählt. Er war mein bester Freund und mein Lehrer. Er verbrachte 40 Jahre mit Maharaj-ji. Er war sein großer Anhänger und ein hervorragender Yogi. Er war außerdem Familienmensch und Schullehrer. Und ich sprach immer wieder über diese Frau. Er sagte zu mir: “Mein Junge… Beziehungen, Business, Beziehungen, Mach dein eigenes Ding und genieße es. Die Liebe jedoch hält 365 Tage im Jahr an. Jeden Tag und den ganzen Tag lang.” Ich habe es gehasst. Ich wollte ihn umbringen. Er ließ meine Blase einfach platzen. Ich wollte ihn dafür umbringen. Aber er hatte recht. Wir glauben, dass die Liebe von außen kommt, oder dass sie zwischen zwei Menschen existiert. Doch so ist es nicht. Wir sind bedingungslose Liebe. Sie schaut durch unsere Augen durch. In jedem Moment und jeden Tag. Viele Menschen haben eine Fehlvorstellung davon, doch diese basiert auf der Angst davor erneut verletzt zu werden.
Laura:
Für alle also, die gerade zuhören, denn ich glaube, dass gerade viele genau das wollen, was Krishna Das hat! Ich will das auch fühlen, ich will diese Art von Liebe finden. Ich will es verstehen, ich will es spüren! Manche würden es wahrscheinlich Gott nennen. Oder das Universum. Was auch immer! Es gibt so viele Wörter, die dieses Gefühl beschreiben könnten. Was würdest Du den Zuhörern sagen? Was können wir machen, auf einer praktischen Ebene, um uns mit dieser Liebe zu verbinden, mit dieser Quelle, mit uns selbst, mit der Natur, mit unserer Essenz.
Krishna Das:
Also… Wir müssen es sicherlich üben. Die spirituelle Praxis ist der einzige Weg. Wenn man nicht übt, dann bringt alles nichts. Es hat sonst keine Auswirkung darauf, all unsere Geschichten gehen zu lassen, die wir uns selbst über uns selbst erzählen. Dass wir hassen. Auf der anderen Seite ist jeder Gedanke ein Gefängnis. Der Gedanke an sich ist ein Gefängnis und wir können uns nicht raus denken. Aus diesem Gedankengefängnis. Deswegen müssen wir üben. Die wichtigste Übung, die ich mache ist Gesang. Maharaji-ji sagte mir immer und immer wieder auf Hindi… Er wiederholte immer und immer wieder diese göttlichen Namen. Alles ist erreicht. Alles wurde vollendet erschaffen. Und er sagte: “Wiederhole diese Namen wenn du glücklich, traurig, wütend oder deprimiert bist.” Was passiert, wenn du es nicht tust? Selbstverständlich gibt es keine Garantie, dass man immer friedvoll genug dafür ist. Deswegen muss diese Gewohnheit kultiviert werden. Und einer meiner Schlüssel zu dieser Praxis ist, und dies teile ich mit den Menschen, man versucht nicht die Emotionen zu manipulieren. Man versucht auch nicht etwas entstehen zu lassen. Es geht nur ums Praktizieren. Man wiederholt die Namen entweder laut oder leise, und wenn man bemerkt, dass man seit einer halben Stunde lang vor sich hinträumt, kommt man zurück. Es ist das Einzige, was man tun muss. Zurückkommen, immer und immer wieder. Je mehr man seine Aufmerksamkeit darauf lenkt, desto mehr wird einem klar, wie viel Zeit wir im Traumland verbringen. Doch wenn man zu sehr darauf bedacht ist, eine besonders glückselige Erfahrung zu machen, verschwendet man einfach seine Zeit.
Laura:
Es ist die Manipulation der Gedanken.
Krishna Das:
Ganz genau. Auch vom Kopf her. Man will unbedingt etwas… Die Namen stehen für das was in uns ist. Für diese Liebe, die uns innewohnt. Das was wir wirklich sind und wer wir wirklich sind. Und die Wiederholung dieser Namen wird nach und nach, aber unvermeidlich, diesen Ort in unserem Inneren beschwören. Während wir uns im Inneren verändern, verändert sich auch automatisch, das was wir im Außen wahrnehmen.
Laura:
Hast Du ein bestimmtes Mantra, das die tiefste Verbindung zu Dir herstellt?
Krishna Das:
Das was du machst, ist das was für dich funktioniert. Nein, sie sind alle gleich für mich. Es gibt hier in den Staaten eine Werbung für Schokoriegel. Das eine ist Mounds Schokoriegel, es ist mit Kokos. Und das andere ist Almond Joy. Es hat zwei Mandeln im Inneren. Der Werbespruch geht so: Manchmal fühlst du dich wie eine Nuss, und manchmal nicht.
Laura:
So wahr.
Krishna Das:
Benutze, das wonach du dich fühlst. Aber mach es. Es ist nicht wichtig, was es ist. Die Ehrlichkeit deiner Suche ist das was wirklich zählt. Nur das bringt Früchte. Leider kann man es nicht umgehen. Das kommt aus dem Schmerz, den wir erleben. Solange wir dieses Verlangen nicht spüren, das noch nicht gestillt wurde, suchen wir nicht danach.
Laura:
Würdest Du sagen, dass in jedem Schmerz das Geschenk zur spirituellen Heilung liegt?
Krishna Das:
Ganz sicher. Man muss den Schmerz nicht suchen. Es ist schon genug da.
Laura:
Ja genau, man muss nicht losziehen und es suchen. Schau einfach in dich hinein und du findest es. Würdest Du sagen, dass das Singen der Mantras Dir beim Heilen geholfen hat? Und auch dabei Dich zu finden?
Krishna Das:
Ganz sicher. Ich denke nicht so viel über die Heilung nach, aber ich verstehe, dass es ein Weg ist, es so auszulegen. Und es ist definitiv richtig. Wir heilen unsere Herzen. Ich weiß nicht wirklich, wie ich darüber denke. Ich mach es einfach, ohne darüber nachzudenken. Es ist ganz sicher eine heilende Praxis. Je tiefer wir in unser wahres Wesen eintauchen, desto mehr lösen wir uns vom obsessiven Denken, denn die Art der Gedanken erschafft die obsessiven Geschichten. Es ist ein Zusammenwirken. Je mehr man singt, desto tiefer gelangt man. Je mehr man loslässt, desto tiefer gelangt man. Es ist ein zweiseitiger Prozess. Sie nähren sich gegenseitig. Manchmal ist es sehr hilfreich eine Therapie zu machen und über die eigenen Probleme zu sprechen. Manchmal sehen wir diese Probleme nicht, bis wir mit jemandem darüber gesprochen haben. Sie sind wie Schatten hinter uns. Deswegen habe ich angefangen zu singen. Damals waren es 21 Jahre seit Maharaj-ji seinen Körper verlassen hatte. Und ich sank immer tiefer. Es ging mir sehr schlecht. Ich habe einfach nichts getan. Ich war sehr deprimiert und total unglücklich. Ich kam aus meinem Schlafzimmer, ging in ein anderes Zimmer, und es traf mich wie ein Blitzschlag. Da verstand ich, dass wenn ich nicht singe, zusammen mit Menschen, nicht allein in meinem Zimmer, sondern mit Menschen, werde ich die dunklen Ecken niemals rein bekommen, und die dunklen Schatten in meinem Herzen würden für immer da bleiben. Ich verstand, dass genau daher mein ganzes Leid kommt. Sonst nichts. Nur ich habe mein Leid verursacht. Ab da habe ich angefangen darüber nachzudenken.
Laura:
Lass uns noch mal zu diesem Punkt zurückkehren. Denn es ist wirklich faszinierend, so wie ich es von außen sehe. Du hast diesen Ruf verspürt, mit Menschen zu singen, um Dein Geschenk mit der Welt zu teilen, nämlich Deine unglaubliche Stimme, und diese Gabe zu singen und dies mit Menschen zu teilen. Deswegen ist so toll heute mit Dir darüber sprechen zu können. Nachdem Du es vollbracht hast. Wenn wir nun zum jungen Krishna Das zurückkehren, der in seinem Wohnzimmer sitzt und diesen Gedanken hat, mit anderen zu singen. Lass uns zu diesem Moment zurückreisen.
Krishna Das:
Oh, ich fühle mich geehrt, dass Du denkst, ich hätte es vollbracht.
Laura:
Damit meine ich, dass Du es geschafft hast, mit sehr vielen Menschen zu singen.
Krishna Das:
Ja, lass uns zum Anfang zurückkehren, denn es hat überhaupt nichts verändert. Heute singe ich aus demselben Grund, warum ich damit angefangen habe. Ich singe, um meinen eigenen Arsch zu retten. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen, und zwar, dass mein Arsch um einiges breiter geworden ist seit ich angefangen habe. Und so ging es sehr vielen. Doch wenn ich für andere gesungen hätte, sogar um ihnen zu helfen, dann würde dies die gesamte Struktur verändern. Denn dann hätte ich ein Motiv. Und ich müsste die Verantwortung dafür übernehmen, dass du eine gute Erfahrung machst, was auch immer dies bedeuten mag. Doch das ist nicht meine Aufgabe. Mein Job ist das Singen. Und ich teile meine Praxis, das Ausüben meiner Praxis. Sobald ich anfange zu singen, seien es zwei Personen im Raum oder zwei Tausend, es macht keinen Unterschied. Ich singe, um mich noch tiefer mit dieser Liebe zu verbinden. Und mit dieser liebevollen Gegenwart. So nenne ich meinen Guru. Wenn ich es nicht tun würde, dann hätten die Menschen im Raum keine Möglichkeit es selbst zu schaffen. Es entsteht jede Nacht und in jedem Moment neu. Und ich bin so dankbar, dass das Universum es möglich gemacht hat, Menschen mit mir zum Singen zu bringen. Sonst wäre ich erledigt! Was würde ich sonst tun?
Laura:
Das ist wirklich erstaunlich! Das was Du gerade gesagt hast, ist wirklich wichtig. Wir versuchen immer die Verantwortung für die Reisen aller anderen zu übernehmen. Und vergessen dabei, dass die wichtigste Reise unsere eigene ist. Wenn wir im Inneren zentriert sind und uns selbst heilen, helfen wir tatsächlich viel mehr allen anderen, als wenn wir uns ständig um die Anderen sorgen. Es ist schlicht unmöglich, egal wie sehr man es versucht.
Krishna Das:
Niemand kann eine andere Person glücklich machen. Sogar Maharaj-ji, der ein vollständig erleuchtetes Wesen war… Was auch immer das bedeuten mag, ich weiß nicht, was es bedeutet… Er konnte mich nicht glücklich machen. Er konnte mir die Liebe zeigen, er konnte mich davon probieren lassen, doch ich musste mich selbst dahin bringen. Immer und immer wieder. Ich musste mich damit vertraut machen und lernen damit zu leben. Eines Tages hat er etwas Lustiges gesagt: “Ich habe alles getan. Ich überlasse dir den Verstand.” Das ist ein sehr interessanter Aspekt. Wie ich schon sagte, ist er Siddhar. Er tut. Er hat eine Lebensgeschichte für uns erschaffen, für alle, die mit ihm verbunden sind, die es uns erlaubt unsere Arbeit zu tun und unseren Verstand zu reinigen, und mit unserem Herzen zu arbeiten. Dies ist einfach unglaublich. Es ist was sehr Besonderes.
Laura:
Das ist wunderschön! Hast Du ihn mal gefragt, wie er sich selbst wahrnahm?
Krishna Das:
Wir haben ihm solche Fragen nie gestellt.
Laura:
Nein?
Krishna Das:
Nein. Wenn Menschen kamen, fragten wir sie, warum sie da waren. Sie sagten, sie kamen um Neem Karoli Baba zu sehen. Oh er ist nicht da! Geh und sprich mit Hanuman. Ich kann nichts machen, geh und frag Hanuman. Man kann nicht wissen, wie erleuchtete Wesen sich selbst wahrnehmen. Es liegt nämlich über unserem Erfahrungsspektrum. Es ist wie eine andere Sprache. Wie eine andere Farbe, die wir nicht im Regenbogen sehen können, in dem sie leben. Wir tragen all die Farben, doch sie haben diese andere Farbe, die alles andere einschließt. Es ist unmöglich von hier nach dort zu gelangen. Nur mit dem Herzen.
Laura:
Genau. Ich habe mich das gefragt, weil es ein riesen Geschenk ist jemanden zu treffen, der so sehr in seinem Raum und in seinem Herzen ist. Ich wäre einfach so neugierig!
Krishna Das:
Sieh das von dieser Seite. Wir versuchen so sehr uns zu erheben. Doch diese großartigen Wesen bewohnen den Körper und arbeiten so hart dran, dieses Licht hier für uns zu erhalten. Dies ist der einzige Grund, warum diese wunderbaren Wesen hier sind. Für uns! Sie haben es vollendet. Außer der Tatsache, dass wir glauben zu leiden. Sie müssen uns helfen. Sie wollen uns helfen. Sie haben keine eigene Agenda mehr. Als ich in Indien vorhatte mich umzubringen, im Tempel mit Maharaj-ji, rief er mich zu sich. Ich war hinten. Und ich dachte darüber nach in den Fluss zu springen. Er ist 15 cm tief. Wenn ich mit dem Kopf aufgeschlagen wäre, hätte es wahrscheinlich funktioniert. Er rief mich zu sich und sagte: “Was hast du vor? Willst du in den Fluss springen?” Und er lachte! “Du kannst nicht sterben”, sagte er, “irdische Menschen sterben nicht. Nur Jesus starb den wirklichen Tot.” “Was? Warum?” “Weil er nie an sich gedacht hat.” Das war die Übersetzung. Was er damit meinte, war dass es weder eine Agenda, noch ein ich gab. Für Jesus und für wundervolle Wesen wie er. Sie sind nur für uns hier. Für ihre Menschen. Er gab sein Leben für seine Menschen. Er ist nie gestorben. Es ist nur eine andere Art die Dinge zu sehen. Und das liegt über dem Verstand. Es ist etwas, das wir mit unserem Verstand nicht begreifen können.
Laura:
Ich möchte ein wenig zurückgehen. Zu Deiner spirituellen Praxis. Du sagtest, es ist das Singen. Ich verstehe es als eine Art Meditation für Dich. Eine meditative Praxis, bei der Du im Jetzt bei Dir bist, in Deinem Herzen. Gibt es noch etwas, was Du für Deine spirituelle Praxis tust?
Krishna Das:
Ich mache Verschiedenes. Ich übe Asana und Pranayama, um dem Körper Kraft zu geben, um dies zu ermöglichen, denn ich bin älter geworden. Ich bilde mich bei vielen verschiedenen Lehrern weiter. Bei tibetischen Lamas, Sufis und Mystikern. Ich gehe überall hin, wo es Licht gibt. Ich bin nicht schüchtern. Ich liebe es mit diesen wundervollen Wesen zu sein. Ich habe viele Vipassana Kurse gemacht. Viel tibetische Meditation. Viele verschiedene Mantras. Doch die intensivsten Momente und die tiefste Praxis erlangte ich durch den Gesang.
Laura:
Was ist Deine größte Angst?
Krishna Das:
Meine größte Angst? Dass wenn ich meinen letzten Atemzug nehme, ich feststelle, dass ich nicht genug getan habe. Dass ich meine Möglichkeiten nicht ausgeschöpft habe, wie ich es hätte tun sollen.
Laura:
Ist es etwas woran Du Dich täglich wieder erinnerst?
Krishna Das:
Ich versuche nie darüber nachzudenken! Doch natürlich. Ich muss mich nicht daran erinnern, es ist immer da. Immer. Jedes Mal wenn ich mich zum Singen hinsetze, versuche ich immer mein Bestes zu geben. Man muss es tun. Vor allem wenn da Tausende von Menschen sind, man will von ihnen gemocht werden, also gibt man sein Bestes. Es ist ein Witz.
Laura:
Was ist also Deine Vision für Dein Leben?
Krishna Das:
Ich singe einfach weiter, bis ich tot umfalle.
Laura:
Hält das Singen Deine Seele am Leben?
Krishna Das:
Es ist das Einzige was ich tue.
Laura:
Wunderschön.
Krishna Das:
Ich schlafe, ich singe, ich reise. Und dann schlafe ich, singe ich und reise ich. Ab und zu esse ich auch.
Laura:
Wenn Du den jungen Krishna Das treffen würdest, einen 18 oder 19-jährigen Krishna Das, der vor Dir sitzen würde, was würdest Du ihm sagen?
Krishna Das:
Es ist witzig, denn ich treffe ihn ständig. Es gibt so viele Menschen, die gerade anfangen sich damit zu beschäftigen, dich sich so sehr sorgen und sich so wichtig nehmen, so emotional sind. Ich würde ihm einfach sagen, entspann dich, Junge. Immer mit der Ruhe. Sei nicht so hart zu dir. Du musst nicht sein, es ist ein Programm, entspann dich. Nur mit der Ruhe. Keine Sorge. In Indien habe ich etwas erlebt mit einem sehr alten Yogi im Dschungel. Ich habe eine Zeit lang mit ihm gelebt. Er war 163 Jahre alt. Er lebt immer noch.
Laura:
163 Jahre alt?
Krishna Das:
Jetzt ist er ungefähr 190 Jahre alt. Ja!
Laura:
Wow!
Krishna Das:
Eines Tages schaute er uns an und sagte: “Erinnerst du dich, als Lincoln erschossen wurde? Oh, du kannst dich nicht erinnern. Wir haben es in der Zeitung gelesen.”
Laura:
Wow, das ist unglaublich!
Krishna Das:
Er war wirklich witzig. Eines Tages schaute er mich an und sagte… das war in den Achtzigern… Damals praktizierte ich keine spirituelle Praxis, weder Gesang, noch sonst etwas. Ich habe eher das Gegenteil gemacht. Ich saß ihm gegenüber und er schaute mich an und sagte: “Oh, du wirst berühmt werden!” Ich sah zu ihm und sagte: “Und reich?” Und er lachte so lange! Und antwortete mit seiner noblen Stimme: “Berühmt”. Man hat es zumindest versucht! An einem anderen Tag saß ich mit ihm, auf einmal schaute er zu mir, genau so… und er sagte: “Du musst deine Willenskraft entwickeln.” Auf Hindi heißt es “ichchha shakti”. Ichchha heißt Verlangen, Shakti ist die Kraft. Doch zusammen bedeuten sie Willenskraft. Die Stärke dies zu erlangen, was man haben will.
Laura:
Ichchha shakti?
Krishna Das:
Ichchha shakti. Mein erster Gedanke war, wofür brauche ich das? Doch er sah meine Gedanken. Und er tat etwas und zeigte mir etwas in meinem Inneren, was er in mir sah. Und ich war einfach nur entsetzt. Weil ich das gesehen habe, was er in mir sah. Er sah mich treibend. Er sah mich als jemanden, der sich nicht mal dafür einsetzte, was er vom Leben wollte. Der überhaupt nichts getan hat. Der sich nicht zu 100 Prozent leben ließ. Oder nicht mal 50%. Ich habe selbst gesehen, wie ich Ketten um meine eigenen Beine umlege. Es war unglaublich. Ich hatte wirklich keine Ahnung. Doch er hatte es mir in meinem Inneren gezeigt. Das war ein sehr wichtiger Moment für mich. Denn ich habe gesehen, dass es nicht nur das spirituelle und das irdische Leben gibt, es ist einfach dein Leben. Und wenn man nicht lebt, dann lebt man nicht. Und wenn du das nicht verfolgst, was du haben willst, dann bekommst du es auch nicht. Danach musste ich mich mit all dem befassen, was mich davor abhielt loszugehen. Die Angst zu versagen, die Scham etwas zu wollen.
Laura:
Lass uns darüber sprechen. Denn ich glaube, dass sehr viele Menschen das sehen, was du damals gesehen hast. Die ihr Leben nur zu 30% leben und es verschwenden. So wie Deine größte Angst davor, das Leben nicht voll auszuschöpfen. Das nicht auszuschöpfen, wer Du wirklich bist. Weil sie Angst vor Verurteilung durch andere haben, sie haben Angst zu versagen. Es ist auch so was Ähnliches, als Du in Deinem Wohnzimmer warst und diese Erkenntnis hattest, dass Du mit anderen singen musst. Wahrscheinlich schaltete sich da auch die Angst ein.
Krishna Das:
Ja, das kann sein. Ganz sicher war ein Widerstand da. Ich wollte nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Laura:
Wie hast Du es bewältigt? Was tust Du, wenn die Angst aufkommt? Was kannst Du den Zuhörern sagen, was sollen wir tun, wenn wir diese Angst verspüren?
Krishna Das:
Es tut mir leid, aber es ist sehr einfach. Wenn du es nicht tust, dann wirst du einen Scheiß erreichen. Und Punkt. Wenn du es zulässt, dass die Angst dein Leben auffrisst, wirst du leiden. Du musst praktische Arbeit tun. Du musst da anfangen, wo du bist. Glaube nicht, dass du zum besten Menschen auf der Welt wirst. Dass jeder dich verehren und deine Füße küssen wird. Wenn du den Tag überlebst ohne sich umzubringen, ist es toll! Für viele Menschen ist es eine Herausforderung. Du musst erkennen, dass die Angst da ist, und du musst deine Willenskraft mobilisieren. Du musst erkennen, dass das Einzige was dich abhält, du selbst bist. All diese Ängste sind in uns. Es sind laufende Programme, basierend auf unserem Karma. Wo sind wir geboren, in welcher Kultur, wer sind unsere Eltern, wie gingen sie mit sich selbst um, nicht nur wie sie mit uns umgingen. Wie sehen sich unsere Eltern? Dieses Konzept beeinflusst sehr stark, die Art wie wir uns sehen. Man muss es einfach satt haben und sagen: “Ich kann so nicht mehr. Ich muss was verändern.” Es gibt diese alte Redewendung: Man kann den Gaul zur Tränke führen, aber saufen muss er selber. Das Leiden und der Schmerz, diese unerfüllte Sehnsucht… Je mehr man sich mit dieser Sehnsucht verbindet, desto mehr Energie bekommt man, um weiterzumachen und zu definieren, und das zu verfolgen, was man im Leben wirklich will. Nichts außer uns selbst hält uns auf. Es gibt nichts da draußen. Alles was wir sehen ist subjektiv. Sobald wir das Innere verändern, verändert sich das Äußere. Das Äußere kann man von außen nicht verändern.
Laura:
So wahr! Lass es uns wirklich praktisch darstellen. Wenn man im Leben vor einer Herausforderung steht. Wie spricht man mit sich selbst? Wie entwickelt man diese Willenskraft? Wie kann man sie erschaffen?
Krishna Das:
Ich glaube nicht… Willenskraft basierend auf… Ich glaube nicht, dass das reicht. Die Willenskraft kommt nicht von außen. Sie kommt auch nicht aus der Überzeugung damit loszulegen. Denn die laufenden Programme werden dich ablenken. Weißt Du… Eines der Probleme der heutigen Lebenssituation ist, dass die Menschen das Selbstvertrauen verloren haben. Und das andere Wort für Selbstvertrauen ist Glaube. Von diesem Wort wird allen gleichzeitig übel. Der Glaube. Doch wir haben mit diesem Ort in uns, der okay ist, Kontakt verloren.
Laura:
Dieser Satz ist so wichtig.
Krishna Das:
Wir haben Kontakt zu dem Teil in uns verloren, der bereits in Ordnung ist, so wie er ist. Er wurde nur mit dem ganzen Scheiß bedeckt. Man kann zu diesem Ort nicht einfach zurückkehren und weitermachen. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden. Durch den eigenen Irrgarten. Niemand kann es für dich tun. Menschen können helfen. Sie können dich für einen kurzen Weg in die richtige Richtung begleiten. Doch schließlich müssen wir diesen Weg alleine gehen. Bis wir unsere Grenzen satt haben, unsere Einschränkungen, das ständige Schimpfen mit uns selbst, unsere Beschränkungen und Kränkungen, unsere Urteile über uns selbst. Bis wir einen bestimmten Punkt erreichen, ist es sehr schwer weiterzukommen. Weil wir überfordert sind. In der heutigen Welt sind wir so beschäftigt. Das Leben ist so schnell, dass wir keine Chance bekommen, uns auf die echten Probleme zu fokussieren. Deswegen… sage ich… Finde eine Praxis, die du machen kannst. Wenn es fünf Minuten am Tag sind, ist es ausreichend. Aber schalte dein Handy für diese fünf Minuten aus. Und sitze einfach nur da und brenne. Weil nichts passieren wird. Du wirst nur deine Gedanken sehen und ausflippen. Aber nach ein, zwei Monaten fünf Minuten am Tag, wirst du dich zur Ruhe kommen lassen. Und das ist ein riesen Ding.
Laura:
Ich erinnere mich, als ich vor zwei Jahren in Südafrika war, habe ich Vipassana in Kapstadt gemacht. Zehn Tage Vipassana. Ich war so aufgeregt, als ich hinging. Ich liebe es zu meditieren und ich war so glücklich über 10 Tage Meditation. Der erste Tag war okay. Am zweiten Tag… überkam mich die Angst von Innen. Ich konnte es überall spüren, in meiner Kehle… Ich war so erschrocken über meine Gedanken und all die Dinge die aufkamen. Und ich saß dort am dritten und am vierten Tag, und dachte nur, dass ich nicht bleiben kann. Mein Verstand begann total durchzudrehen. Es war so fasziniert für mich diese ganzen Muster des Verstands zu sehen. Wie er versucht dich davor abzuhalten zu deiner Seele zu gelangen, und sich damit zu verbinden, was hinter all diesen Schichten liegt, diesen falschen Glauben. Das war einfach nur schrecklich. Und an den darauffolgenden Tagen, Tag 7, 8, 9, 10, fühlte es sich an wie die Zeit meines Lebens. Es war so wundervoll, weil ich mich mit dieser Energie verbunden habe. Nicht die ganze Zeit, aber ich war so voller Freude und ich erinnere mich daran, was der Lehrer immer sagte. Diese Worte sind wirklich hängen geblieben. Feste Entschlossenheit. Feste Entschlossenheit. Dein Körper schmerzt, deine Knie schmerzen vom Sitzen. Diese Worte waren mein Mantra damals. Feste Entschlossenheit. Bleib wo du bist. Es ist das Einzige was du tun musst. Das war sehr transformierend für mich. Ich habe vieles geheilt. Interessanterweise ohne etwas von außen zu unternehmen. Ich saß einfach nur da in Stille. Das war so eine gewaltige Transformation für mich. Mein Ego flippte aus.
Krishna Das:
Das ist das Schöne am Singen. Es ist definitiv eine meditative Praxis. Aber man macht es im Raum mit Menschen, man singt, andere tanzen, es gibt Musik, und das ermöglicht, dass man unbewusst aufmerksam wird, und dass man unbewusst loslässt, ohne es wirklich zu versuchen. Und man macht eine Erfahrung… anders gesagt… Es passiert etwas. Ohne dass man sich dessen bewusst wird, gelangt man an den Ort, an dem man sich nicht nur auf die eigenen obsessiven Geschichten fokussiert. Wahrscheinlich merkt man es nicht mal. Aber es passiert. Das sind Samen, die in solchen Momenten gepflanzt werden. Die wachsen werden und dich von allein zu diesem Ort wiederbringen werden, mit der Zeit. Das ist die Schönheit der Gesangspraxis.
Laura:
Ich frage mich, der junge Krishna Das, der ein Rockstar werden wollte… Ist das korrekt?
Krishna Das:
Ja.
Laura:
War er damals spirituell? Du sagtest, dass Du bereits in der Schule Bücher darüber gelesen hast.
Krishna Das:
Ja, aber das war alles intellektuell. Meine Emotionen waren alle düster und machtvoll. Sie waren damals alle sehr limitierend. Ich wollte nicht berühmt werden oder in einer Rockband singen. Ich weiß nicht… In meinem Buch erzähle ich diese Geschichte detaillierter… An dem Tag, als ich zum allerersten Mal zu Ram Dass gezogen bin, um mit ihm den Sommer zu verbringen. Ich bin damals mit meinen zwei Hunden und meiner Katze zu ihm gefahren, samt all meiner irdischen Besitztümer in einem Auto. Ich bin davor zu meiner alten Schule zum Jimi Hendrix Konzert gefahren. Nach dem Konzert kam der Manager der Band zu mir, in der ich war, als sie gegründet wurde. Er sagte: “Der Sänger, der dein Nachfolger war, kann einfach nicht im Studio singen. Wir haben eine Platte aufgenommen, aber uns fehlt die Stimme. Komm zurück und wir gehen auf Tour.” Das war mein Traum. Aber ich bin mit Ram Dass. Und ich habe diese Liebe gekostet. Und ich habe etwas gespürt, was ich vorher noch nie gespürt hatte. Es war schlicht unmöglich dies zu tun. Ich bin ins Auto gestiegen und bin acht Stunden gefahren, um den Sommer bei Ram Dass zu verbringen.
Laura:
Das was Du sagst, ist so wichtig. Ich habe eine ähnliche Erfahrung gemacht. Ich habe ein sehr gutes Angebot bekommen. Wenn ich es gemacht hätte, hätte es sehr gut ausgesehen. Aber mein Herz war überhaupt nicht dabei. Und ich denke… Und auch alle mit denen ich darüber spreche… Manchmal scheint das Universum dich testen zu wollen. Hier hast du diese großartige Gelegenheit, Geld, Ruhm, alles was du willst, und hier ist der Weg deines Herzens. Wähle aus. Es testet dich, ob du bereit bist. Ich hatte wirklich eine ähnliche Erfahrung und ich habe mich auch dafür entschieden, meinem Herzen zu folgen. Deswegen bin ich heute hier. Ich möchte es daher hervorheben, weil bestimmt viele Zuhörer sich an einem ähnlichen Punkt befinden können. Wenn sie etwas sehen, was sie machen könnten, weil sie denken, dass es gut aussieht. Auch wenn es nicht das Richtige für sie ist. Was hat Dir geholfen Deiner inneren Stimme Gehör zu schenken?
Krishna Das:
Man muss bereit sein. Dein Karma muss richtig sein. Man kann nicht etwas sein, was man nicht ist. Und es ist kein Vergehen. Einige Menschen würden sich für das glänzende Ding mit dem Geld und dem Ruhm entscheiden. Und da ist nichts Falsches dran.
Laura:
Überhaupt nicht.
Krishna Das:
Glaub mir. Ich hätte es getan. Ich bin nichts Besonderes. Ich hätte es sofort gemacht. Aber ich bin mit etwas in Berührung gekommen, das bereits mein wahr gewordener Traum war. Und dort bin ich hingegangen. Aber es gab keine Garantie. Man hat keine Garantie. Was garantiert passiert wäre, wenn ich mit der Band losgezogen wäre, ich wäre schon längst tot gewesen. Es war ja bereits mehrmals fast passiert. Ich war sehr destruktiv. Ich hatte so viel Selbsthass. So viel. Schichten über Schichten aus Selbst-Ekel. Ich war sehr selbstzerstörend. Wirklich, zwei Mal im Leben war ich sehr kurz davor mich umzubringen. Aber ich wurde gerettet.
Laura:
Was ist in diesen Momenten passiert, dass Du immer noch da bist?
Krishna Das:
Ich erzähle es Dir. Und ich sage es direkt und sehr einfach. Gnade. Und Punkt. Nichts was ich hätte machen können, hätte mich retten können. Das wäre nicht passiert. Es war nur Gnade. Buchstäblich Gnade. Es ist nicht mal eine Frage. Absolute völlige Gnade. Was ich damit meine? Zum Beispiel war ich von Freebase Kokain abhängig. Ich weiß nicht, ob Du Freebase kennst. Hast Du von Crack gehört?
Laura:
Ja.
Krishna Das:
Freebase ist die reinste Version von Crack. Es stellt Crack in den Schatten. Es ist so viel stärker. Und das sagt viel. Ich war absolut anhängig davon, eineinhalb Jahre lang.
Laura:
Wie alt warst Du?
Krishna Das:
Das war lange nach Indien. Oh ja, ich hatte meine ganze Scheiße nach Indien. Davor hatte ich zu viel Angst. Nach Maharaj-jis Tod, bekam ich eine Depression. Ich habe ihn so sehr vermisst. Ich habe so viel Selbstzerstörerisches gemacht. Freebase Kokain war… Ich war total abhängig. Mein indischer Vater, Mr. Tiwari, den ich vorher erwähnt hatte, kam in die Staaten, um die Anhänger zu besuchen, die er in Indien getroffen hatte. Wir standen uns sehr nahe. Er war mein bester Freund. Ich konnte ihm alles erzählen. Ich habe ihm von dem ganzen Scheiß in meinem Leben erzählt. Er war immer für mich da. Er hat mich nie verurteilt und war immer für mich da. Er kam nach Kanada. Und er blieb im Haus eines Freundes von uns. Und ich reiste von Kalifornien nach New York, und verbrachte die ganze Nacht damit Freebase zu rauchen. Am nächsten Morgen stieg ich ins Flugzeug nach Kanada. Ich fuhr zum Haus, in dem er wohnte, wir gingen hinein, und sie sagten, er wäre im Zimmer oben. Ich ging zum Zimmer, und ging zu seiner Tür, und ich blieb stehen. Ich verspürte diese Kraft. Dieses Energiefeld. Und ich begann mich von der Tür zu entfernen. Wirklich, ich bin rückwärtsgelaufen. Er war im Zimmer mit dem Rücken zur Tür, er drehte sich um und sagte: “Du! Versprich mir jetzt, dass du mit dem Kokain aufhörst! Versprich es mir jetzt!” Mit ihm sollte man es sich nicht verscherzen. Ich habe ihn mehr als mein Leben geliebt und konnte nicht nein sagen. Ich sagte: “Okay”. Von jener Sekunde an bis dieser Sekunde, hatte ich nie wieder das Verlangen nach Kokain. Nicht eine Sekunde lang. Du weißt wie es ist. Du weißt wie Menschen mit Abhängigkeiten kämpfen. Ich hätte es nie im Leben schaffen können ohne ihn. Das war Gnade. Maharaj-ji und er waren Eins. Sie haben mich gerettet. Und Punkt.
Laura:
Es ist schön!
Krishna Das:
Ich weiß nicht, was ich Menschen sagen soll. Wenn sie mich fragen, wie ich es geschafft habe. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe.
Laura:
Ich glaube… oder ich fühle aus dem was Du erzählst, das was Du gemacht hast, und es ist was anderes, als das was die Menschen normalerweise in solchen Situation tun. Du hast Deine Hand ausgestreckt. Du hast Dich zu den Menschen hinbewegt, von denen Du wusstest, dass sie fähig sein können, Dich wieder an den richtigen Ort zurückzubringen.
Krishna Das:
Ich glaube Du überschätzt mich!
Laura:
Aber Du bist nicht in deinem Zimmer geblieben!
Krishna Das:
Ich bin rückwärtsgelaufen von dieser Tür!
Laura:
Aber Du warst da!
Krishna Das:
Ich war dort, weil ich ihn liebe! Aber ich habe nicht darüber nachgedacht das Kokain aufzugeben.
Laura:
Vielleicht nicht bewusst…
Krishna Das:
Nein, definitiv nicht bewusst.
Laura:
Und genau das ist so wichtig! Wenn man in seinem Leben etwas verändern will, muss man rausgehen! Man muss sich davon entfernen, wo man ist. Um etwas verändern zu können. Von innen nach außen und von außen nach innen. Das ist wirklich sehr wertvoll! An Deiner Geschichte sieht man, dass man aus der eigenen Geschichte raus muss. Du musst jemanden finden, der an dich glaubt.
Krishna Das:
Aber wir können es nicht alleine geschehen lassen. Es gibt keinen Knopf, den man drücken kann, damit es passiert. Es resultiert aus… dem tiefsten Verständnis und tiefster Sehnsucht nach Freiheit. Und nicht jeder hat es. Manche kommen auf die Welt, sie studieren, trinken Bier und sterben. Sie sind nie hier. Das ist sehr traurig. Aber was kann man tun? Doch es gibt auch Menschen, die dieses Verlangen haben. Und dieses Verlangen ist an erster Stelle Gnade. Ohne die Sehnsucht nach der richtigen Liebe, nach dem wahren Glück, haben wir keine Richtung. Das ist die einzige Richtung, die wir haben.
Laura:
Wie schaffst Du es, Dich im Alltag damit zu verbinden? Weil Du wahrscheinlich auch sehr ausgelastete Tage hast, wenn Du auf Tour bist. Wie kannst Du Dich mit Dir selbst im Alltag wiederverbinden?
Krishna Das:
Noch mal, es ist nicht etwas was du machst. Zumindest empfinde ich es so. Es ist das Ergebnis der Zeit, die du in die Praxis investierst. Genau das bringt dich von innen wieder zurück. In Wirklichkeit… da bist du also und singst, alle Menschen um dich herum singen, und dann stellst du fest, dass du nicht aufgepasst hast. Dass du an was anderes gedacht hast. Also kommst du wieder zum Gesang zurück. Dabei hat dein Mund es für dich gemacht. Aber du warst weg. Wie kommt es dazu? Dass du merkst, dass du im Traumland warst?
Laura:
Durch Übung.
Krishna Das:
Dieser Moment ist das Ergebnis deiner vorherigen Praxis. Das ist die Frucht deiner vorherigen Bemühungen. Anderseits bist du dein Leben lang abwesend. Die meisten Menschen sind es. In dem Moment, in dem du merkst, dass du abwesend bist, erwachst du für eine Sekunde und kommst zum Gesang zurück. Und dieser Gesang generiert… Das Singen öffnet dich noch mehr. Es ist nicht ganz der richtige Ausdruck. Das Singen gibt dir… erlaubt es dir ein wenig tiefer in deinem Inneren zu landen. Und dann bist du wieder weg. Wie lange brauchst du dann, um es zu merken? Das ist die Funktion aller deiner Karmas. Du machst es nicht mit dem eigenen Willen. Es ist ein sehr interessanter Aspekt. Es ist nicht wie: Ich werde singen und ich werde mich erinnern, wenn ich nicht aufpasse. Viel Glück! Bei der Meditation passiert das Gleiche. Ob es Vipassana ist oder die Körperreinigung, man achtet auf seine Gedanken, und auf einmal merkt man, dass man abwesend ist. Dieser Moment ist Gnade.
Laura:
Für alle, die zuhören, mich inbegriffen. Ich bin wirklich keine gute Sängerin, ich habe keine Singstimme. Und so oft im Leben erzählen wir uns selbst, warum wir etwas nicht machen können. Zum Beispiel anfangen zu singen. Bei einem Deiner Konzerte dabei zu sein. Weil man denkt, dass man nicht singen kann oder falsch singen wird, jeder wird mich hören und all so was. Was würdest Du den Menschen raten, die von Dir so inspiriert sind, von dem was Du tust, von Deiner Stimme, Deinem Gesang und den Mantras. Wenn Deine Stimme in die Köpfe hineingelangt.
Krishna Das:
Es geht nicht um die Musik. Man muss nicht gut singen können. Man muss überhaupt nicht singen. Man kann auch mental mitmachen. Es geht nicht um die Musik. Es ist spirituelle Praxis. Wenn das Kind krank ist, braucht es Medikamente. Dieses Medikament versteckst du im süßen Sirup. Dieser Sirup ist die Musik. Die Medizin ist darin. Wenn Musik genug wäre, wären alle Musiker erleuchtet. Alle Musiker wären glücklich. Vergiss es! Definitiv nicht. Es ist der Name. Die Wiederholung des Namens. Das ist die Medizin, die uns von unserem Leid und Elend heilt. Und uns die wahre Liebe bringt. Die Musik erlaubt es uns tiefer zu gehen. Denn jeder mag Musik. Fast jeder. Man sieht wie Menschen nach und nach im Laufe der Nacht aufgehen. Es verändert sich von Anfang bis zum Schluss, jede Nacht.
Laura:
Das Gefühl das ich habe, wenn ich Kirtan singe, ist dass wir alle zu einer Einheit verschmelzen. Die Stimmen verschmelzen zu einem Ganzen. Man spürt so eine Verbindung. Für mich ist das ein magischer Moment.
Krishna Das:
Das Gefühl der Verbundenheit ist ein wundervolles Gefühl. Diese Verbindung hat nichts mit mir zu tun. Weil so viele ichs im Raum sind, die wir nicht kennen. Und trotzdem spüren wir diese Verbindung. Es ist eine viel tiefere Art von Verbindung.
Laura:
Noch eine Frage. In Deutschland verbinden sich die Menschen erst jetzt nach und nach mit der Spiritualität. Erst jetzt fangen die Menschen an zu meditieren, widmen sich ihrer spirituellen Praxis. Trotzdem gibt es viele Menschen, die es für Esoterik halten. Sie halten es quasi für Unsinn und verrückt. Was bedeutet Spiritualität für Dich? Und was würdest Du diesen Menschen sagen, die es für verrückt halten? Die damit nichts anfangen können?
Krishna Das:
Spiritualität ist eine Wissenschaft darüber, wie man zum guten Menschen wird.
Laura:
Das ist wahrscheinlich die beste Definition, die ich je gehört habe.
Krishna Das:
Der Weg dahin, ein guter Mensch zu werden, ist nicht einfach. Eine fürsorgliche und mitfühlende Person… ist nicht die ganze Zeit nur mit sich selbst beschäftigt, sodass sie tatsächlich sehen kann, wenn jemand unglücklich ist und vielleicht ein wenig helfen kann. Wir sind Menschen. Ein erleuchtetes Wesen ist ein vollständiger Mensch. Sie sind absolut reif. Sie leben in der Wahrheit. In der Einheit unseres Lebens. Wir alle sind ein Teil eines Ganzen. Genau darum geht es. Maharaj-ji war so außergewöhnlich. Wir fragten, wie wir Gott finden, und er antwortete: “Diene den Menschen”. “Diene den Menschen? Worüber sprichst Du?” Wie erhöht man Kundalini? Er sagte: “Nähre die Menschen.” “Was?” Er hat uns nie gesagt, was wir tun müssen, um zur eigenen Erleuchtung zu gelangen. Denke nicht an sich selbst. Und das ist nicht einfach. Es geht nicht darum ein Held zu sein. Jetzt geh ich los und helfe der Welt. Es ist nicht die Heilsarmee. Es geht darum zu erkennen, dass jemand verletzt ist. An einem bestimmten Punkt, wenn man sich selbst nicht im Weg steht, für eine kurze Weile, will man von Natur aus jemandem helfen. Man hilft eher, anstatt sie leiden zu sehen. Aber wenn man nur von sich besessen ist, dann merkt man es nicht mal. Weil wir die Geschichten glauben, die wir uns selbst erzählen. Wenn zum Beispiel jemand im Büro ständig gereizt ist, dich nie anschaut, denkt man sich eine ganze Geschichte über diese Person aus. Der Typ sei ein miserabler Mensch… Bis man feststellt, dass er an Migräne leidet oder Krebst diagnostiziert bekam. Und dann stellt man fest, dass man alles persönlich genommen hat, dabei hat es gar nicht existiert. Es hatte überhaupt nichts mit uns zu tun. Wie können wir es sehen? Wie gelangen wir an diesen Ort, an dem wir es erkennen können? Und jetzt kommt das Schwierige. Sogar wenn es so aussieht, als wäre es gegen dich gerichtet, wie eine Scheidung oder eine gewalttätige Situation, die es schwierig macht damit zu arbeiten und zu handeln, aber sogar, wenn es so aussieht, als wäre es gegen dich gerichtet, kommt es tatsächlich nur aus dem Schmerz dieser Person. Und sie haben keine Stimme. Und sie erschaffen ein solches Leid, nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst. Das Millionenfache für sich selbst. Doch das will man einfach nicht sehen. Das macht einen nicht glücklich. Es ist so schwierig und kompliziert eine gewalttätige Situation zu bewältigen. Deswegen hilft die Praxis auf breiter Ebene für alles. Es hilft von innen, unbemerkt. Man klopft sich selbst nicht auf die Schulter und gratuliert für eine tolle Meditation. “Ab jetzt mache ich es immer so! Fantastisch! Toll!” Zur Hölle mit dir! Du meditierst nicht mal. Du denkst einfach nur darüber nach. Die wirkliche Veränderung passiert unbemerkt. Doch man muss Zeit investieren. Und wie Du vorhin gesagt hast, man gelangt an einen Punkt, an dem man es braucht. Man braucht es für sich. So gelangt man dazu. So überwindet man eigene Ängste. Und all das Andere, das dich zurückhält. Endlich erkennst du, dass du es brauchst. Ich mach es jetzt. Es ist mir egal. Ich schaffe es.
Laura:
Danke Dir! Bevor ich zur allerletzten Frage komme: Du gehst auf Tour nach Europa, Du wirst in Frankreich auftreten…
Krishna Das:
Nein, in Frankreich nicht.
Laura:
Ist es das einzige Land, wo Du nicht hinfährst?
Krishna Das:
Nein, nicht das einzige. Dort waren wir schon. Wir fahren nach Irland, England, Holland, Deutschland, Griechenland, Spanien, Schweden, nach Russland, Österreich. Wir fahren nicht nach Frankreich. Guter Versuch! Das letzte Mal, als ich dort war, war dort diese Hitzewelle. Die Menschen sind daran gestorben, sie fielen auf den Straßen um, schrecklich. Aber ich liebe Frankreich. Doch aus irgendeinem Grund hat es diesmal nicht geklappt.
Laura:
In Deutschland bist Du im Juli, korrekt? Im Juni oder Juli?
Krishna Das:
Ja, in der zweiten Junihälfte. Nein, in der zweiten Julihälfte. Kurz vor dem Sommerurlaub, bevor alle wegfahren.
Laura:
Ich werde die Info in die Show Notes packen, für alle die gerne hingehen möchten.
Krishna Das:
Wir werden in München, Frankfurt, Hamburg und Berlin sein.
Laura:
Ich werde definitiv in Berlin dabei sein! In der ersten Reihe!
Krishna Das:
Toll! Ich werde Dich dort einem Freund von mir vorstellen!
Laura:
Das wäre wunderbar! Die letzte Frage, die ich allen meinen Gästen stelle ist: Stell Dir vor, es ist der letzte Tag Deines Lebens, Du hattest ein schönes Leben, Du hast all Deine Möglichkeiten ausgelebt. Doch es gab ein technisches Problem und Deine gesamte Musik wurde gelöscht. Es gibt nichts mehr. Keine Bücher, nichts. Ich würde zu Dir kommen und Dir sagen: Krishna Das, es tut mir so leid! Wir hatten ein Problem und es ist alles weg, aber ich habe hier ein Blatt Papier und einen Stift. Welche drei Weisheiten würdest Du aufschreiben, wenn von Dir sonst nichts übrig bliebe? Was würdest Du den Menschen mitgeben? Welche Deiner drei Seelenweisheiten würdest Du für die Menschheit aufschreiben?
Krishna Das:
Meine Antwort wird Dir nicht gefallen. Aber wenn Du zu mir kommst, werde ich unsichtbar sein.
Laura:
Würdest Du das aufschreiben?
Krishna Das:
Du wirst mich nicht sehen. Es wird niemand da sein. Das hoffe ich.
Laura:
Das ist auch eine gute Antwort.
Krishna Das:
Ja, weißt Du, ich würde definitiv sagen: Sei ein guter Mensch. Sei gut zu dir. Sei gut zu den anderen. Finde die Liebe, die du suchst.
Laura:
Wunderschön. Danke Dir. Vielen Dank, dass Du es mit uns teilst. Danke für Deine Ehrlichkeit, Deine Weisheit, Dein Licht und die Liebe, die Du mitbringst.
Krishna Das:
Danke, das war mir eine Freude!
“Übersetzung und Untertitel von Veronika Malaja”


Ich wünsche dir viel Freude mit dem Interview und freue mich wie immer auf deine Gedanken auf Instagram: @lauramalinaseiler

Buchtipps und Links:
Mit den Augen der Liebe – Eine Autobiografie
Wenn du Krishna Das live in Deutschland sehen möchtest, findest du hier seine Tour Daten

Rise Up & Shine
Laura Seiler Unterschrift

Be a good human being
Be good to yourself and others
Find that love what is within you
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4 Kommentare
  • Anna
    Posted at 13:57h, 23 Mai Antworten

    Danke vielmals für diese wundervolle und bereichernde Podcastfolge! Ich bin wahnsinnig berührt. ❤️

    • Tabea TeamLiebe
      Posted at 12:23h, 24 Mai Antworten

      Schön, dass dir die Podcastfolge gefällt! <3 <3

  • Katja
    Posted at 08:37h, 23 Mai Antworten

    Liebe Laura, vor ca. 5 Wochen hat mir meine wunderbare Frisörin von dir erzählt und seitdem höre ich regelmäßig deine Podcasts und bin begeistert, wie sich mein Leben seitdem positiv entwickelt hat.
    Ich habe schon so viel gelernt und freue mich jeden Tag wieder auf’s neue darauf den Tag mit Dankbarkeit zu starten und abzuwarten was alles zurück kommt 🙂
    Ich habe dich auch schon weiterempfohlen. Meiner Tante (Anfang 70) , schicke ich fast täglich eine Meditation oder einen Podcast von dir und es geht ihr seitdem besser 🙂
    Das ist so schön!
    Nun ist es für mich an der Zeit, dir dafür Danke zu sagen liebe Laura.
    Danke, danke, danke!
    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und weiterhin so viel Inspiration wie es für dich nötig ist, um so erfolgreich zu bleiben, wie du es für dich sein möchtest.
    Herzlichst
    Katja

    • Tabea TeamLiebe
      Posted at 12:23h, 24 Mai Antworten

      Liebe Katja,
      Danke für deine liebevollen Worte!
      Wir freuen uns sehr, dass du viel für dich mitnehmen konntest aus dem Podcast und dass auch deine Tante den Podcast so mag.
      Ganz viel Liebe zu euch beiden!
      Tabea

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