Coaching Blog, Life Coaching Laura Seiler Berlin

31 Mai Die eigene Verletzlichkeit schätzen lernen.

Vor kurzem sagte eine Freundin zu mir, dass ich nach außen immer so stark und fröhlich wirke, so dass sie gar nicht auf die Idee kommen würde, dass ich ich auch manchmal an mir selbst zweifle und Unterstützung oder Ermunterung von außen brauchen könnte. Dieser Satz hat mich sehr nachdenklich gemacht, weil meine innere Selbstwahrnehmung eine ganz andere ist. Ja, ich bin von Natur ein sehr fröhlicher und sehr begeisterungsfähiger Mensch – so wie wir alle. Aber es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass ich nicht auch all die anderen Seiten in mir trage.

Es gibt Tage, da sind die eignen Selbstzweifel wie ein Kaugummi unter der Schuhsohle, der einfach nicht abgehen möchte, ganz egal was man versucht und es gibt Tage, an denen ich am liebsten ganz alleine sein möchte, weil ich das Gefühl habe, die Sprache meiner Seele sowieso niemandem erklären zu können. Es gibt Nächte, an denen ich wachliege und Angst davor habe, dass die eigenen Träume und Visionen nicht in Erfüllung gehen könnten, dass ich mir selber etwas vormache und es doch schon genug grandiose Menschen da draußen gibt, die sowieso alles viel besser können. Die Angst davor sich selbst wirklich zu zeigen, ehrlich und verletzlich, ist ein Begleiter, den ich gut kenne. Ich kann mich noch gut an meine Grundschulzeit erinnern und wie ich als kleines Mädchen jeden Tag Angst davor hatte in die Schule zu gehen, weil ich irgendwie anders war und es mich unter einen solchen Stress gesetzt hat von den anderen Kinder geärgert zu werden, dass ich mich kaum konzentrieren konnte und ich mich immer mehr in mich selber zurückgezogen habe. Selbst heute noch setzt es mich unter Stress, wenn ich in einem Raum mit vielen Menschen bin.

    Wir haben immer die Wahl.

Es gab aber den Tag, an dem ich verstanden habe, dass ich die Wahl habe. Wir alle können zu jederzeit wählen, welche Geschichte wir uns selber und auch anderen über unsere Vergangenheit und unsere Identität erzählen. Wahrheit ist eine Frage der Perspektive von der wir auf das Leben schauen. Ich denke, es gibt niemanden, der in seinem Leben nicht die Erfahrung gemacht, verletzt worden zu sein, dessen Traum geplatzt ist, der verlassen wurde oder der sich von der eigenen Angst gelähmt gefühlt hat. Das ist normal. Das ist das Leben. Es ist die Polarität, die naturgegeben ist – Yin und Yang – Schwarz und weiß – Glücklich und traurig. Es geht um das “und” und nicht um das “aber”.

Die Frage ist: Wie möchte ich damit leben? Möchte ich die Welt dafür bestrafen, dass ich diese Dinge und den Schmerz erlebt habe, oder möchte ich das für mich nutzen? Du kannst wählen. Jeden Tag.

Ich habe mich dafür entschieden Lebensfreude und Begeisterung zu wählen und die schmerzhaften Erfahrungen für mich zu nutzen. Ich habe jede noch so unangenehme und verletzende Situation überlebt und kann mich danach jedes Mal entscheiden, ob ich mir erlaube an dieser Erfahrung zu wachsen oder ob ich mich davon entmutigen lassen möchte. Genauso wie es die Polarität in den Erfahrungen gibt, die uns begegnen, gibt es auch die Polarität darin, wie wir die Erfahrung bewerten. Es geht nicht darum, keine Angst zu haben oder nicht zu zweifeln. Es geht darum, die Angst zu akzeptieren und zu verstehen, wofür sie da ist – nämlich in erster Linie um uns zu schützen. Selbstzweifel bedeuten nicht, dass wir es nicht schaffen, weil wir zweifeln, sondern dass es uns etwas bedeutet, was wir vorhaben, ansonsten wären wir der Sache gegenüber nämlich gleichgültig.

    Selbstzweifel sind kein Zeichen von Unzulänglichkeit sondern ein Zeichen von Integrität.

Es gilt eine Entscheidung über die eigene Identität zu treffen, über den Menschen, der du wirklich sein willst und die Zweifel und Ängste auf diesen Weg mitzunehmen, sie aber nicht den Weg wählen zu lassen.

P.S. Kommentiere diesen Artikel gerne und teile mit mir, was Deine größten Ängste und Selbstzweifel sind und welchen Weg du gefunden hast, um damit umzugehen.

P.P.S. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann teile und like ihn. Vielleicht hast du einen Freund oder eine Freundin, die gerade viel zweifelt und der Angst noch die Überhand lässt? Dann schicke ihr oder ihm diesen Artikel.

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4 Kommentare
  • Wie Angst dein Leben blockiert. Die 5 häufigsten Energiezieher
    Posted at 08:05h, 06 November Antworten

    […] Angst zu zeigen ist kein Zeichen von Schwäche sondern von Integrität. Lass sie einfach zu und geh von der gewonnen Energie lieber mal wieder richtig tanzen! Denn Mut bedeutet nicht, etwas ohne Angst zu tun, sondern etwas zu tun, obwohl man Angst hat. […]

  • Cornelia Tscheuschner
    Posted at 09:10h, 01 November Antworten

    “….was ist, wenn ich nicht akzeptiert werde? Wenn man nicht nicht mag?” Selbstzweifel sind unsere täglichen Begleiter und gehören zu den Menschen, die sich selbstreflektieren. Daran darf man nur nicht selbst verzweifeln. Es ist eine Kunst, damit richtig umzugehen.und die täglichen Erfahrungen tun ihr eigenes dazu. Ihr Text lässt einen darüber nachdenken, bzw. macht einem wieder bewusst, dass es meine bewusste Entscheidung ist, wie ich mit meinen Zweifeln umgehe! Vielen Dank dafür!

    • Laura Seiler
      Posted at 09:50h, 01 November Antworten

      Liebe Cornelia,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Genau, es geht darum an den Selbstzweifeln nicht zu verzweifeln, sondern sich über sie bewusst zu werden und neu zu wählen.

      Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

      Herzliche Grüße
      Laura Seiler

  • John the Ropemaker
    Posted at 13:08h, 31 Mai Antworten

    alles fließt, soll einmal vor einiger Zeit ein Vorsokratiker gesagt haben, das passt auch gut zu Deinem neuen Text: wie in einem Fluss sollten wir die Strömungen nutzen, die eigene Richtung mitzubestimmen, uns gerne tragen zu lassen – wohl wissend – dass wir sehr wohl unseren Teil dazu beitragen, wohin die Reise geht. Schmollen oder Selbstmitleid als Lebensgefühl taugen da ganz und gar nicht – Trauer oder Angst sind Gefühle des Menschen wie Freude und Selbstvertrauen, in der richtigen Mischung aber sollten die beiden letzteren stets den Vorzug haben, um das Heft des Handelns nicht leichtfertig oder resignativ aus der Hand zu geben
    john the ropemaker

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